Die Neid-Debatte

Wolfsburg. Silvia Neid will die Heim-Weltmeisterschaft erst "in ein, zwei Wochen Revue passieren lassen". Die Ursachenforschung für das Viertelfinal-Aus gegen Japan (0:1) ist auch ohne ihre Beteiligung in vollem Gange. Dabei sieht sich die Bundestrainerin zunehmend Kritik ausgesetzt - sogar im Deutschen Fußball-Bund (DFB) gibt es erste mahnende Stimmen

Wolfsburg. Silvia Neid will die Heim-Weltmeisterschaft erst "in ein, zwei Wochen Revue passieren lassen". Die Ursachenforschung für das Viertelfinal-Aus gegen Japan (0:1) ist auch ohne ihre Beteiligung in vollem Gange. Dabei sieht sich die Bundestrainerin zunehmend Kritik ausgesetzt - sogar im Deutschen Fußball-Bund (DFB) gibt es erste mahnende Stimmen. "Letztlich muss sich auch Silvia Neid bestimmte Fragen gefallen lassen", sagte DFB-Vizepräsident Rolf Hocke. Vom Verband sei durch die terminliche Verschiebung der Bundesliga "alles nur Mögliche für ein erfolgreiches Abschneiden getan" worden. "Dass da am Ende nichts Zählbares rausgekommen ist, ist eine Enttäuschung - das ist sogar beängstigend", betonte der Leiter des Frankfurter WM-Büros.Sorgen um ihre Zukunft muss sich Neid trotz erstmals verpasster Olympia-Qualifikation wohl kaum machen. Unterstützung erhält sie von höchster Stelle. "Wenn sie will, kann sie noch bis 2020 bleiben", sagte Theo Zwanziger. Dass der DFB-Präsident vor der WM stolz die Vertragsverlängerung mit der 47-Jährigen bis 2016 verkündet hatte, wird aber diskutiert "Es wäre zu einfach, Neid die ganze Schuld am Scheitern zu geben", meinte Trainer Bernd Schröder von Bundesligist Turbine Potsdam: "Doch es war auch nicht nötig, ihren Vertrag vor der WM ohne Not zu verlängern."

Neid betonte in der Stunde der Niederlage, dass sie sich "eigentlich gar keinen Vorwurf" mache. Sie machte unter anderem den Erwartungsdruck als Fehlerquelle aus: "Ich denke, dass die Mannschaft diesen schon gespürt hat und von daher nicht so leichtfüßig agiert hat, wie wir das gewohnt sind."

Diese Lockerheit war Birgit Prinz so weit abhanden gekommen, dass sich die Rekord-Nationalspielerin vor dem letzten Gruppenspiel gegen Frankreich (4:2) selbst aus der Mannschaft genommen hatte. Neid sei in der persönlichen Krise von Prinz nicht auf seine Tochter zugekommen, sagte Vater Stefan Prinz. Sie habe selbst das Gespräch suchen müssen. Neid habe "von Anfang an versucht, junge und ältere Spielerinnen gegeneinander auszuspielen und hat dadurch die Spielerinnen sehr verunsichert", sagte der Vater - und forderte Neid zum Rücktritt auf. Birgit Prinz widerspricht ihm aber. "Es ist nicht richtig, jetzt einer Person die Schuld zu geben", sagte sie in einer über den DFB verbreiteten Erklärung. "Es wäre nicht mein Stil, mich öffentlich so zu äußern, und ich finde es inhaltlich auch falsch, die Dinge so undifferenziert darzustellen", ergänzte die jetzt aus der Nationalelf zurückgetretene Stürmerin.

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"Wenn sie will, kann sie bis 2020 bleiben."

Theo Zwanziger

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