Die Nacht der großen Abschiede

Die Nacht der großen Abschiede

New York. Unerbittlich fuhren die TV-Kameras immer näher. Unter der tief ins Gesicht gezogenen Baseball-Kappe zeigten sie die Tränen, die ihm schon vor dem letzten Ballwechsel in die Augen trieben

New York. Unerbittlich fuhren die TV-Kameras immer näher. Unter der tief ins Gesicht gezogenen Baseball-Kappe zeigten sie die Tränen, die ihm schon vor dem letzten Ballwechsel in die Augen trieben. "Die letzten Bälle zu spielen, war unglaublich schwer", erklärte Andy Roddick nach seinem letzten Spiel als Tennis-Profi - im Achtelfinale der US Open gegen den Argentinier Juan Martin del Potro. Und wieder kullerten Tränen.Im größten Tennis-Stadion der Welt, das bis auf den letzten Platz mit mehr als 24 000 Zuschauern besetzt war, standen alle auf für den einst verspotteten, dann geschätzten und schließlich geliebten Davis-Cup-Spieler. Die Inszenierung hatte sich über eine Woche angekündigt, nachdem Roddick an seinem 30. Geburtstag am 30. August mitgeteilt hatte: "Es ist an der Zeit. Ich höre nach den US Open auf." Vor allem die Schulter macht den Stress des Aufschlag-Experten aus den USA nicht mehr mit.

Auf der Tribüne weinten Roddicks Eltern, und auch in der Box mit Trainer Larry Stefanski und seiner Frau Brooklyn Decker flossen die Tränen. Roddicks letzter Gegner Juan Martin del Potro stand am Rande, klatschte Applaus und wünschte ihm: "Genieß diesen Moment." Dem Argentinier, der die US Open 2009 gewonnen hat, war die Aufgabe zugefallen, Roddick mit einer Viersatz-Niederlage aufs Altenteil zu schicken.

In seinem 825. Spiel kassierte Roddick seine 213. Niederlage, für die er 120 000 US-Dollar bekam und sein Karriere-Preisgeldkonto auf 20 637 390 Dollar aufstockte. Seinen größten Erfolg feierte er 2003 mit dem US-Open-Sieg. Drei Mal stand Roddick im Finale von Wimbledon, drei Mal verlor er gegen Roger Federer. Am schlimmsten war es 2009, als er im fünften Satz 14:16 verlor.

Sein langjähriger Rivale aus der Schweiz musste überraschend seine Tasche packen. Tomas Berdych entzauberte den Weltranglisten-Ersten in vier Sätzen mit 7: 6 (7:1), 6:4, 3:6, 6:3. "Es könnte nicht schöner sein", sagte der an Nummer sechs gesetzte Tscheche nach seinem fünften Sieg im 16. Vergleich. "Ich dachte, ich gehe raus und spiele eine solide Partie. So war es aber nicht", sagte Federer, der ungewohnt viele Fehler gemacht hatte. dapd/red

Foto: Cummings/dapd

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