| 21:12 Uhr

Fußball-WM in Russland
Die Mirantschuk-Zwillinge sind Russlands große Hoffnung

Alexej Mirantschuk (links) kontrolliert den Ball. Wladimir Gabulow, Juri Schirkow und Zwillingsbruder Anton Mirantschuk (von links) schauen zu. Die Mirantschuk-Zwillinge wollen die WM prägen.
Alexej Mirantschuk (links) kontrolliert den Ball. Wladimir Gabulow, Juri Schirkow und Zwillingsbruder Anton Mirantschuk (von links) schauen zu. Die Mirantschuk-Zwillinge wollen die WM prägen. FOTO: dpa / Mikhail Voskresenskiy
Moskau. Der Gastgeber eröffnet heute gegen Saudi-Arabien die Weltmeisterschaft. Die beiden 22-Jährigen von Lokomotive Moskau wollen durchstarten.

Russlands Fußball-Hoffnung heißt Mirantschuk – und es gibt sie gleich doppelt. Alexej und Anton Mirantschuk, Zwillinge, beide 22 Jahre alt, haben mit Lokomotive Moskau gerade den Ligatitel gewonnen und wollen nun bei der WM auf sich aufmerksam machen. Nationaltrainer Stanislaw Tschertschessow hält große Stücke auf das Duo. Beim WM-Auftakt heute gegen Saudi-Arabien (17 Uhr/ARD) wollen die Brüder gemeinsam auf dem Platz stehen.


„Das wäre eine große Ehre“, sagt Alexej. Und der zehn Minuten jüngere Anton ergänzt: „Wir akzeptieren aber auch, wenn andere spielen.“ Sportlich ehrgeizig, spielerisch flink – und nach außen bescheiden: Nicht nur Fans des Eisenbahner-Clubs Lokomotive lieben mittlerweile „Aljoscha“ und „Antoschka“, wie die Brüder mit Kosenamen heißen. „Sie haben Manieren und die richtige Einstellung. Damit können sie weit kommen“, sagt Ex-Nationalspieler Dmitri Sytschow.

Dabei ist es nicht lange her, dass nicht einmal Loko-Sportchefin Olga Smorodskaja die Zwillinge auseinanderhalten konnte. Sie gratulierte Anton nach einem Pokalspiel für ein wichtiges Tor, das in Wirklichkeit Alexej geschossen hatte. Seitdem nahm die Karriere der Brüder einen steilen Aufstieg – zu dem es fast nicht gekommen wäre, wie Alexej einmal dem russischen Fernsehen erzählte. „Als es darum ging, was wir außer der Schule noch machen sollten, wollte uns unsere Mutter Jelena zum Tanzen schicken. Wir haben ihr das ausgeredet.“



Alles begann in Slawjansk-na-Kubani im Süden Russlands. In der Stadt mit rund 60 000 Einwohnern wurden die Mirantschuk-Brüder am 17. Oktober 1995 geboren. Weil sie „zu schwächlich“ waren, schickte Spartak Moskau die beiden 15-Jährigen weg. Doch Stadtrivale Lokomotive erkannte ihr Können und ließ die beiden mitspielen. Während Alexej schnell Fortschritte machte, wechselte Anton zu Levadia Tallinn nach Estland, um Spielpraxis zu sammeln. „Dort bin ich gereift“, sagt er.

Anton kehrte mit 14 Saisontoren und neun Vorlagen 2016 zu Lokomotive zurück und sorgte dort zunächst für Missverständnisse. „Wir wurden ständig verwechselt – sogar von Trainer Juri Sjomin“, sagt Alexej. Vier Monate später standen die Brüder erstmals zusammen in der 1. Liga auf dem Platz. Von da an waren sie auf dem Spielfeld nahezu unzertrennlich. Während Alexej hinter der Spitze spielt, ist Anton der Vorbereiter. Er legte Alexej vier seiner sieben Saisontore auf.

Zwillinge im Fußball – das gibt es auch in Deutschland: ob Helmut und Erwin Kremers oder Lars und Sven Bender. Auch in Russland ist es kein seltenes Phänomen. Kyrill und Dmitri Kombarow spielten einst bei Spartak Moskau, Wassili und Alexej Beresuzki bei Stadtrivale ZSKA. Die Beresuzkis prägten sogar länger als ein Jahrzehnt das Spiel der Nationalmannschaft und absolvierten gemeinsam fast 160 Länderspiele. Nun folgt eine neue Generation – und die steht bei der Heim-WM unter besonderer Beobachtung. Denn nichts wünschen sich die Russen mehr als positive sportliche Schlagzeilen. Am besten direkt heute im WM-Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien.