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Handball-Bundesliga
Die meisten haben Kiel auf dem Zettel

Nationalspieler Hendrik Pekeler (links), hier im Testspiel gegen den FC Barcelona, will mit seinem neuen Club THW Kiel Meister werden. Der Kreisläufer kommt von den Rhein-Neckar Löwen.
Nationalspieler Hendrik Pekeler (links), hier im Testspiel gegen den FC Barcelona, will mit seinem neuen Club THW Kiel Meister werden. Der Kreisläufer kommt von den Rhein-Neckar Löwen. FOTO: dpa / Axel Heimken
Kiel . THW ist der große Titelkandidat in der neuen Saison der Handball-Bundesliga, die am Donnerstag beginnt. dpa

Kehrt der THW Kiel bei der Abschiedstour von Erfolgstrainer Alfred Gislason nach drei mageren Jahren auf den Handball-Thron zurück? Oder entschädigen sich die Rhein-Neckar Löwen für den in der Vorsaison knapp verpassten Titel-Hattrick? Die Mehrheit der Bundesliga-Trainer erwartet in der an diesem Donnerstag beginnenden Saison ein packendes Duell zwischen dem Rekord-Champion aus dem Norden und dem Pokalsieger aus dem Süden. In einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (Mehrfachnennungen waren möglich) tippten bei zwei Enthaltungen elf Trainer auf Kiel, zehn Mal wurden die Mannheimer genannt. Nur drei Handball-Lehrer trauen Meister SG Flensburg-Handewitt die Titelverteidigung zu.


2015 feierte der THW die 20. Meisterschaft, danach folgte eine in den vergangenen 25 Jahren beispiellose Durststrecke. Nun wollen die Norddeutschen ihren Status als Nummer eins im Land zurückerobern. „Der THW steht für Angriff“, formulierte Geschäftsführer Thorsten Storm den Anspruch für diese Spielzeit. Mit einem Etat von 9,5 Millionen Euro sind die Kieler wieder Liga-Krösus. Der Kader wurde mit Nationalspieler Hendrik Pekeler noch einmal verstärkt, zudem ist Spielführer Domagoj Duvnjak nach langer Verletzungspause wieder fit. Dass Erfolgstrainer Gislason im Sommer 2019 nach elf Jahren seinen Posten an Co-Trainer Filip Jicha übergibt, liefert eine zusätzliche Motivation. „Es wäre genial, wenn wir Alfred zu seinem Abschied den Meistertitel schenken würden. Der ganze Verein will diese Schale“, sagte Duvnjak.

Trotz möglicher Mehrfachnennungen legten sich immerhin sechs Trainer auf den THW als Meister fest. „Sie haben sich gut verstärkt und wollen allen zeigen: Wir sind noch da“, sagte Magdeburgs Trainer Bennet Wiegert. Auch Maik Machulla vom Titelverteidiger aus Flensburg und Nikolaj Jacobsen vom großen Rivalen Rhein-Neckar Löwen sehen die Kieler im Titelrennen vorn. „Es wird ein Vorteil sein, dass sie nicht in der Champions League antreten und daher keine Doppelbelastung haben“, sagte Machulla.



Doch auch den Löwen, die in der Vorsaison ihre dritte Meisterschaft in Serie erst durch einen Einbruch auf den letzten Metern verspielten, wird wieder ein gewichtiges Wort bei der Titelvergabe zugetraut. „Sie haben sehr gute Neuzugänge und sind nach der entgangenen Meisterschaft besonders motiviert“, sagte Melsungens Trainer Heiko Grimm. Sein Kollege Carlos Ortega von der TSV Hannover-Burgdorf tippt ebenfalls auf die Löwen.

Ganz anders ist die Situation in Flensburg, denn der Meister befindet sich nach dem Abgang zahlreicher Leistungsträger im Umbruch. „Wir zählen dieses Jahr nicht zu den ganz großen Favoriten“, stellte selbst SG-Trainer Machulla fest. Da traut der eine oder andere Experte schon eher dem Vorjahresdritten Füchse Berlin einen Überraschungscoup zu. „Sie sind mein Geheimfavorit“, sagte Stuttgarts Trainer Jürgen Schweikardt. Doch die Füchse stehen finanziell vor einer richtungweisenden Saison. Wie Manager Bob Hanning bekannt gab, geht der EHF-Pokalsieger mit einem Minus von rund 500 000 Euro in die neue Spielzeit. Hanning versicherte aber, dass alle Gehälter bis zum Ende der Saison gezahlt werden.

Unter anderem durch sportliche Erfolge soll die finanzielle Situation aufgefangen werden. „Wir gehen ein gewisses Risiko, aber aufgrund der personellen Situation war es nicht anders möglich“, sagte Hanning: „Nun ist die Mannschaft gefordert, mir zu helfen und bei der Club-WM möglichst weit zu kommen. Die 200 000 US-Dollar fürs Finale oder besser noch die 400 000 Dollar für den Titel könnten wir gut gebrauchen. Der Sieg wäre finanziell sehr wichtig.“ Bei der Vereins-Weltmeisterschaft vom 16. Oktober an im katarischen Doha sind die Berliner mit einer Wildcard dabei und treffen im Viertelfinale auf den brasilianischen Verein Esporte Clube Taubatéaus. Die Füchse gewannen das Turnier in den Jahren 2015 und 2016.