Die Luxemburgerinnen mit dem deutschen Spielerpass

Bascharage. "Erbarmen, die Luxemburgerinnen kommen", stöhnen die Vereine in der Handball-Oberliga RPS, wenn es gegen Roude Léiw Bascharage geht. Seit 2006 lehren die Handballerinnen aus dem Großherzogtum die Konkurrenz das Fürchten. Haushohe Siege des Teams um Ein-Frau-Torfabrik Andi Janics (Schnitt: elf Tore pro Spiel) sind programmiert

Bascharage. "Erbarmen, die Luxemburgerinnen kommen", stöhnen die Vereine in der Handball-Oberliga RPS, wenn es gegen Roude Léiw Bascharage geht. Seit 2006 lehren die Handballerinnen aus dem Großherzogtum die Konkurrenz das Fürchten. Haushohe Siege des Teams um Ein-Frau-Torfabrik Andi Janics (Schnitt: elf Tore pro Spiel) sind programmiert. Nach zwei Meisterschaften führt der 29-fache luxemburgische Meister auch die aktuelle Tabelle wieder an. Kanter-Siege wie der jüngste 44:18-Erfolg gegen Wörth sind Normalität. Doch aufsteigen - das durfte Bascharage bislang nicht.

Ein Start außerhalb des Landesverbandes Rheinland, dem der Klub seit 2005 angehört, war nicht möglich. Will heißen: Um die vom Südwestdeutschen Handballverband verlangten Auflagen für die Regionalliga zu erfüllen, muss ein ausländischer Klub einen deutschen Verein gründen. "Also haben wir im März "Roude Léiw" Bascharage mit Sitz in Trier gegründet", freut sich Claude Weinzierl über das lang ersehnte Aufstiegsrecht. Die Heimspiele fänden weiter in Bascharage statt. Die Wahl der luxemburgischen Wappentiere im Vereinsnamen (Rote Löwen) sei eine Identifikation mit dem Heimatland, so der RL-Trainer. Den Wechsel in die deutsche Liga begründet er so: "Wir waren in Luxemburg jahrelang konkurrenzlos und haben neue Herausforderungen im Ausland gesucht." Doch die Chance, künftig in höheren deutschen Ligen spielen zu dürfen, hat ihren Preis. "Mit deutschen Pässen dürfen wir nicht mehr in der luxemburgischen Liga spielen. Damit fällt aber auch die Doppelbelastung weg, mit bis zu 80 Einsätzen pro Jahr", sieht es Weinzierl positiv. Auch die Aufgabe des Startrechts im Europapokal bedauert er nicht. "Wir sind ohnehin nie über die zweite Runde gekommen", meint der Trainer. Was ihn allerdings betrübt, sind einige negative Reaktionen von deutschen Rivalen. So trat Gegner Friesenheim einmal nicht zum Pflichtspiel an, weil man eine Wettbewerbsverzerrung durch die weit überlegenen Luxemburgerinnen sah. Während einige Klubs nach dem (wahrscheinlichen) Aufstieg Bascharages aufatmen, sieht Andreas Kiedron die Sache mit gemischten Gefühlen. "Eine Bereicherung für die Liga sind die schon. Mich stören sie nicht, auch wenn die hohen Niederlagen weh tun", so der Trainer des HSV Merzig-Hilbringen nach der jüngsten 23:33-Niederlage.

Rechtlich spricht nun nichts mehr gegen einen Aufstieg des ausländischen Mitgliedes des Handballverbandes Rheinland, wie dessen Vizepräsident Spieltechnik, Herbert Schuhmacher, in einem offiziellen Schreiben versichert: "Bascharage nimmt ohne Einschränkungen am Spielbetrieb teil und darf aufsteigen, sofern sich das Team sportlich qualifiziert." Das Nahziel ist die Regionalliga Südwest. Wie es danach weitergeht, lässt Weinzierl offen: "Wir wollen auf höchstmöglichem Niveau spielen. Ob das künftig in der Regionalliga oder irgendwann in der 2. Liga sein wird, sei dahingestellt."