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ADAC Deutschland Rallye
Die Lieblings-Rallye des Ott Tänak

Lokalmatador Marijan Griebel, der Achter wurde, setzt hier zum Sprung auf der legendären Baumholder Sprungkuppe „Gina“ an.
Lokalmatador Marijan Griebel, der Achter wurde, setzt hier zum Sprung auf der legendären Baumholder Sprungkuppe „Gina“ an. FOTO: Eibner-Pressefoto
St. Wendel. Vorjahressieger aus Estland gewinnt erneut den WM-Lauf im Saarland und Rheinland-Pfalz. Belgier Neuville baut WM-Führung aus. sid

Nach einer Hatz über 18 Prüfungen durch Weinanbaugebiete, Wälder und über alte Militäranlagen genoss Ott Tänak die zahlreichen „Otti, Otti“-Sprechchöre der Zuschauer in der Innenstadt von St. Wendel. Auf dem Dach seines Toyota feierte er den Triumph bei der Deutschland-Rallye. Im Stile eines Champions hatte Tänak die beiden WM-Favoriten Thierry Neuville und Sebastien Ogier deutlich geschlagen – der Este entwickelt sich langsam zum Saarland-Experten: Sein dritter Saisonsieg war für Tänak zugleich der zweite Triumph in Folge bei der „Deutschland“.


„Es war ein sehr hartes Wochenende für uns“, sagte Tänak. Bereits am Freitag hatte er mit fünf Bestzeiten in den sechs Prüfungen den Grundstein gelegt. Doch der französische Weltmeister Ogier entwickelte sich zunächst zum Schatten von Tänak. Erst ein Reifenschaden am Samstag auf der legendären Panzerplatte im rheinland-pfälzischen Baumholder beendete die Siegchancen des Franzosen im Ford.

„Wir wissen, dass auf der langen Prüfung in Baumholder viele Steine liegen. Es ist immer eine Lotterie, ob man ohne Platten durchkommt. Dieses Mal haben wir die Lotterie nicht gewonnen“, erklärte Ogier enttäuscht: „Wir hatten nach acht Kilometern einen schleichenden Plattfuß. Wir mussten anhalten, um den Reifen zu wechseln. Danach war es vorbei.“ Das sah Tänak ähnlich. „Ich habe diesen Kampf wirklich genossen. Aber als Seb dann leider diesen kleinen Fehler gemacht und sich den Reifenschaden eingefangen hat, mussten wir den Vorsprung nur verwalten“, sagte der Este.



Ogier verbesserte sich im Endergebnis noch auf den vierten Platz, profitierte dabei aber auch von zwei prominenten Ausfällen am Sonntagmorgen: Der Spanier Dani Sordo (Hyundai), der nach dem Samstag auf Rang zwei gelegen hatte, schied nach einem Unfall in den Weinbergen aus. Sordo, der am Donnerstag im St. Wendeler Land außerhalb der Wertungsprüfungen zu schnell unterwegs gewesen war und statt erlaubter 50 Stundenkilometer mit 86 geblitzt worden war, rutschte auf der Wertungsprüfung Grafschaft bei Veldenz in einer Rechtskurve von der Strecke. „Ich bin in die Weinreben gerutscht“, erklärte Sordo sein Missgeschick: „Die Reben haben die Windschutzscheibe zerbrochen, und wir konnten nichts mehr sehen.“ Den Finnen Jari-Matti Latvala im Toyota, Dritter vor dem Abschlusstag, hinderte ein Hydraulikproblem an der Weiterfahrt.

In der WM-Wertung war der Belgier Thierry Neuville der große Gewinner. Dank der beiden Ausfälle am Sonntagmorgen und Ogiers Fehler beendete er die Rallye auf Rang zwei und damit vor seinem französischen Kontrahenten. Seinen Vorsprung in der Gesamtwertung baute er auf 23 Punkte aus, obwohl seine Performance bei der Deutschland-Rallye deutlich schlechter war als die des Franzosen. „Ich hatte ein paar Probleme mit dem Tempo und dem Vertrauen in das Auto“, sagte Neuville: „Wir haben noch ein paar Meisterschaftspunkte gewonnen, das müssen wir bis zum Ende der Saison verwalten.“ Tänak hat sich nun aber plötzlich als dritter Kandidat im Titelkampf gemeldet. Für den 30-Jährigen war es der zweite Sieg in Folge in diesem Jahr, sein Rückstand auf Neuville beträgt aber immer noch 36 Punkte. „Es ist schön, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen“, sagte Tänak.

Ein starkes Ergebnis lieferte Lokalmatador Marijan Griebel (Hahnweiler) ab. Der amtierende U28-Europameister fuhr in seinem ersten Einsatz in der höchsten Fahrzeugklasse im Rahmen der Rallye-Weltmeisterschaft auf den achten Platz. Griebel fuhr mit einem älteren Citroën, der baugleich mit jenem Fahrzeug ist, mit dem Rallye-Legende Sebastien Loeb 2011 und 2012 die beiden letzten seiner insgesamt neun WM-Titel gewann. „Es war ein Traum. Wir hatten das gesamte Wochenende keine Fehler, deshalb sind wir sehr zufrieden mit unserer Leistung. Ich habe es wirklich genossen“, sagte Griebel.

ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk zog eine positive Bilanz der vier Tage. „Die Neuerungen mit dem Start und Ziel in St. Wendel, aber auch die bewährten Elemente wie das Rallye-Fest auf der Panzerplatte, haben die Fans begeistert“, sagte Tomczyk: „Der Abschluss mit der schwierigen Weinberg-Prüfung hat noch einmal für zusätzliche Spannung gesorgt. Der große Zuspruch von allen Seiten bestätigt unser Konzept einer kompakten und zuschauerfreundlichen Rallye.“ Nach Veranstalterangaben kamen etwa 220 000 Zuschauer, die sich freuen dürfen: Im nächsten Jahr kommt die Deutschland-Rallye wieder.

Der Este war der Beste: Ott Tänak fliegt auf der Wertungsprüfung Römerstraße in Urexweiler.
Der Este war der Beste: Ott Tänak fliegt auf der Wertungsprüfung Römerstraße in Urexweiler. FOTO: Eibner-Pressefoto