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Die letzten Pfeile im Köcher

Auf den Schultern von David Storl lastet eine große Verantwortung: Er soll die schlechte Bilanz der deutschen Leichtathleten – einmal Gold und einmal Bronze – verbessern. Foto: dpa/Kappeler
Auf den Schultern von David Storl lastet eine große Verantwortung: Er soll die schlechte Bilanz der deutschen Leichtathleten – einmal Gold und einmal Bronze – verbessern. Foto: dpa/Kappeler FOTO: dpa/Kappeler
Rio de Janeiro. Nach dem Stotterstart hoffen die deutschen Leichtathleten auf Kugelstoßer David Storl. Er ist bereit für den Angriff auf Gold. Auch das Speerwurf-Trio Christina Obergföll, Linda Stahl und Christin Hussong steht – trotz Problemen – im Finale. Christoph Leuchtenberg (sid),Ulrike John (dpa)

David Storl ist bereit. Die Knieschmerzen der vergangenen Jahre? Wie weggeblasen. Der Stotterstart in die Saison? Analysiert und abgehakt. Olympia-Gold in Rio ? "Die Möglichkeit dazu besteht absolut", sagt der Kugelstoßer . Er macht vor dem Griff nach seinem letzten noch fehlenden großen Titel heute einen entschlossenen Eindruck. Der 26 Jahre alte Sachse ist fast schon das letzte Ass im Ärmel des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Die anderen großen Namen in der Mannschaft, von Diskuswerfer Robert Harting bis Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz haben in Rio Schiffbruch erlitten. Sollte auch noch Storl patzen, der seit 2011 bei elf großen Meisterschaften sechsmal Gold und fünfmal Silber holte - nicht auszudenken.


Es geht Schlag auf Schlag

"Klar will ich wieder vorne dabei sein. Aber es wird ein harter Wettkampf. Wichtig wird sein, wie man reinkommt", sagt Storl. Praktisch einen einzigen langen Wettkampf bestreiten die Kugelstoßer am Donnerstag, keine zehn Stunden nach Ende der Qualifikation (14.55 Uhr) steht schon das Finale (1.30 Uhr) an. Ein Vorteil für Storl: Von der Psyche her gibt es kaum einen Stärkeren als den zweimaligen Weltmeister.

Doch zuletzt war es die Physis, die Storl ausgebremste. Selten konnte er so, wie er wollte, zumeist wegen der chronisch gereizten Patellasehne im linken Knie. Eine Operation im Herbst war unumgänglich. "Das Problem ist ausgestanden", sagt Storl. Auf dem Weg zum Sieg muss er vor allem die US-Athleten fürchten: Weltmeister Joe Kovacs hat in diesem Jahr 22,13 Meter vorgelegt, Ryan Crouser 22,11 Meter. Storl macht das nicht nervös: "Das ist normal, die großen Leistungen in den USA werden schon im Vorfeld des Saisonhöhepunktes gestoßen." Seine Form wurde zuletzt immer besser, der EM-Titel im Juli soll wegweisend gewesen sein. "Die Wettkampfstimmung fehlte mir bis dahin, deshalb war das als gute Generalprobe wichtig", sagt Storl.



Bei den Speerwerferinnen ist die Ausgangslage nicht ganz so gut. Linda Stahl schmerzt es im Rücken, Christina Obergföll zwickt die Hüfte. Aber die beiden Speerwurf-"Altmeisterinnen" kämpfen am Ende ihrer Karriere noch einmal um olympische Medaillen. Die Qualifikation in der Nacht zum Mittwoch überstand auch die deutsche Meisterin Christin Hussong aus Zweibrücken. Alle drei gehören zum Favoritenkreis im Finale in der Nacht auf Freitag (2.10 Uhr). "Ich hoffe, dass ich das noch mal hinkriege, dann war es eine geile Zeit", sagt Obergföll. Die 34-jährige Offenburgerin und Hussong eilten nach ihrem Wettkampf erstmal auf die Tribüne zu den Trainern. Denn Obergföll warf nur 62,18 Meter, die zwölf Jahre jüngere Hussong einen Zentimeter mehr. Am Ende reichte es aber für Platz zehn und elf bei zwölf Final-Teilnehmerinnen. Stahl machte es souveräner: Die 30-jährige Leverkusenerin übertraf gleich zum Auftakt mit 63,95 Metern die geforderten 63,00. Ihre Rückenbeschwerden nahm sie locker: "Alles über 30 ist halt blöd."

Obergföll hatte 2008 Olympiabronze und 2012 Silber gewonnen, Stahl vor vier Jahren Bronze. Obergföll hatte lange um ihr Rio-Ticket zittern müssen, weil Weltmeisterin Katharina Molitor versuchte hatte, ihr Ticket einzuklagen. "Seit der Schwangerschaft ist es nicht mehr so einfach, dass ich sage: Ich komme her und packe mal 65 Meter aus", räumt Obergföll ein. Für ihr drittes Olympiagold nach 2008 und 2012 empfahl sich Barbora Spotakova (Tschechien): Die Weltrekordlerin kam auf 64,65 Meter. Die Bestweite in der Qualifikation gelang der Polin Maria Andrejczyk mit 67,11 Metern.

Christina Obergföll tat sich in der Qualifikation noch etwas schwer. Foto: dpa/Michael Kappeler
Christina Obergföll tat sich in der Qualifikation noch etwas schwer. Foto: dpa/Michael Kappeler FOTO: dpa/Michael Kappeler