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Fußball-Bundesliga
Die letzte Patrone des HSV heißt Titz

Von Juli 2011 bis April 2014 trainierte Christian Titz den FC Homburg, nun den HSV in der Bundesliga.
Von Juli 2011 bis April 2014 trainierte Christian Titz den FC Homburg, nun den HSV in der Bundesliga. FOTO: Wieck
Hamburg. Der ehemalige Homburger ersetzt beim Bundesliga-Dino Hamburg den entlassenen Bernd Hollerbach.

Heribert Bruchhagen? Abgesetzt. Jens Todt? Freigestellt. Bernd Hollerbach? Gefeuert. Die Chaostage in Hamburg haben ihr nächstes Opfer gefordert. Vier Tage nach dem Vorstandsboss und dem Sportchef musste beim HSV gestern auch Trainer Hollerbach seinen Posten räumen. Für ihn wird Bundesliga-Neuling Christian Titz, der von Juli 2011 bis April 2014 den FC Homburg trainierte, die „Mission Impossible“ beim abgestürzten Traditionsclub übernehmen.


„Ich bin natürlich sehr enttäuscht“, sagte Hollerbach dem Hamburger Abendblatt. Kurios und bezeichnend: Der Franke erfuhr von seinem Rauswurf angeblich erst, als die Nachricht im Internet längst die Runde machte. Unter der Führung des neuen Präsidenten Bernd Hoffmann hat der HSV damit binnen fünf Tagen die komplette Führungsmannschaft ausgewechselt. Sieben sieglose Wochen durfte Hollerbach beim HSV herumwursteln, die Rettung wurde ihm nach dem 0:6-Debakel bei Bayern München von Hoffmann und Frank Wettstein, dem kommissarischen Vorstandschef, nicht mehr zugetraut.

Stattdessen soll der bisherige U21-Trainer Titz den Dino an den letzten acht Spieltagen doch noch vor dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte bewahren. Der 46-Jährige war nach seiner Zeit im Saarland zum HSV gewechselt, dort zunächst für die U17 in der Bundesliga, danach für die zweite Mannschaft verantwortlich, mit der er derzeit an der Tabellenspitze der Regionalliga Nord steht. Titz ist in dieser Saison nach Hollerbach und Markus Gisdol bereits der dritte Mann auf der HSV-Trainerbank – und Hamburgs allerletzte Patrone im Bundesliga-Überlebenskampf. In Thomas von Heesen wurde ihm ein erfahrener Ex-Profi als Berater zur Seite gestellt. Der Vertrag von Titz gilt vorerst bis zum Saisonende.



Die Clubspitze im Schwebezustand, die Mannschaft zerstritten, die Fans zwischen Resignation und Aggression: Die Atmosphäre beim HSV ist irgendwo zwischen vergiftet und hoch explosiv. Ob ausgerechnet der bundesliga-unerfahrene Titz, inklusive Interimslösungen Trainer Nummer 16 seit 2008, für neue Ordnung im HSV-Wirrwarr sorgen kann, darf bezweifelt werden. Dennoch klammern die Hanseaten ihre letzten Hoffnungen an den gelernten Betriebswirt, der heute sein erstes Training im Volkspark leiten und im Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) gegen Hertha BSC erstmals auf der Bank sitzen wird.

Hollerbach, verdienter Ex-Profi der Rothosen, verzweifelte letztlich an dem ständigen Tohuwabohu in der Hansestadt – und an seinem Team. Unter dem früheren Linksverteidiger schaffte der HSV keinen einzigen Sieg und holte mickrige drei Punkte. Aus einem Punkt Rückstand zu Platz 16 wurden sieben. Hollerbachs Vertrag lief noch bis 2019, er hätte den HSV im Falle des wahrscheinlichen Abstiegs zurück ins Oberhaus führen sollen. Doch der von Bruchhagen und Todt ausgeheckte Plan ist längst obsolet. Der neue starke Mann Hoffmann hatte bereits letzte Woche den „Neuanfang“ ausgerufen und damit den Anfang vom Ende der Amtszeit Hollerbachs eingeleitet.