Die leise Rückkehr eines Stars wider Willen

Prinz hilft DFB-Frauen : Die leise Rückkehr eines Stars wider Willen

Birgit Prinz ist zurück: Als Sportpsychologin betreut die Rekord-Nationalspielerin die DFB-Frauen in der Vorbereitung auf die WM in Frankreich.

Plötzlich ist Birgit Prinz wieder mittendrin. Fast sieben Jahre nach ihrem Abschied aus der Öffentlichkeit weilt die Frauenfußball-Ikone wieder im Kreise der Nationalmannschaft. Am Dienstag versammelte sie das Team im Mercure Hotel Centre Gare in Rennes zur ersten gemeinsamen Sitzung. Es ist, wie sollte es bei diesem Star wider Willen anders sein, eine leise Rückkehr abseits des Rampenlichts.

Mit einer beinahe beiläufigen Erwähnung auf seiner Internetseite hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) das neue Engagement der Rekordnationalspielerin vor der Abreise nach Frankreich am Vortag publik gemacht: Die 41-Jährige begleitet das DFB-Team auf dem Weg zur WM (7. Juni bis 7. Juli) bei den Lehrgängen in Frankreich sowie im April in Schweden „projektbezogen“ als Sportpsychologin.

„Ich freue mich, wieder dabei zu sein und viele neue Gesichter kennenzulernen, aber auch einige bekannte wiederzusehen“, sagt die 214-malige Nationalspielerin, die 2010 ihr Psychologie-Studium in Frankfurt abgeschlossen hatte und seit 2012 bei der TSG Hoffenheim in diesem Bereich arbeitet. „Ich bin gespannt auf diese Aufgabe, will meine Erfahrungen einbringen und neue dazugewinnen“, sagt Prinz.

Eingefädelt hat die prominente Ergänzung des Betreuerstabs die neue Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Die 51-Jährige gibt am morgigen Donnerstag (21 Uhr/Eurosport) mit dem Länderspiel beim WM-Gastgeber Frankreich in Laval ihr Debüt. „Birgit hat in den vergangenen Jahren jede Menge Erfahrungen im Bereich der Sportpsychologie sammeln können. Wir freuen uns auf ein spannendes Projekt innerhalb dieser beiden Maßnahmen“, betonte Voss-Tecklenburg, die 1995 und 1997 gemeinsam mit Prinz den EM-Titel gewann.

Jahrelang führte die Torjägerin Prinz das DFB-Team als Kapitänin an. Mit der dreimaligen Weltfußballerin an der Spitze stieg Deutschland zur Frauenfußball-Großmacht auf, eroberte 2003 und 2007 den WM-Thron. Doch die Rolle als gefeierter Superstar konnte und wollte die introvertierte Prinz nie ausfüllen. „Ich war nicht bereit, den Preis dafür zu zahlen. Ich wollte mich nicht um jeden Preis vermarkten“, sagt sie.

Zum Schluss musste Prinz auch die Schattenseiten des Leistungssports kennenlernen. Nach 17 Jahren und 128 Toren endete ihre einzigartige Karriere im Nationalteam im Krach. Beim Viertelfinal-Aus gegen Japan (0:1 nach Verlängerung) bei der verkorksten Heim-WM 2011 saß die zuvor ausgebootete Prinz 120 Minuten auf der Ersatzbank.

Öffentlich erhob sie danach Vorwürfe gegen die damalige Bundestrainerin Silvia Neid. Erst ein klärendes Gespräch zwischen den einstigen Erfolgsgarantinnen machte ein offizielles Abschiedsspiel für die achtmalige Fußballerin des Jahres im März 2012 möglich – und somit auch die Rückkehr zum DFB. Denn ohne diese Versöhnung wäre das heutige Projekt wohl nie zustande gekommen. Nun sollen die jungen Nachfolgerinnen, unter anderem die erneut nominierte Saarländerin Lena Lattwein, vom reichen Erfahrungsschatz der Ehrenspielführerin profitieren.

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