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Fußball-Regionalliga Südwest
Die lange Leidenszeit hat ein Ende

Alexandre Mendy ist nach seiner schweren Schulterverletzung wieder ins Mannschaftstraining des 1. FC Saarbrücken zurückgekehrt.
Alexandre Mendy ist nach seiner schweren Schulterverletzung wieder ins Mannschaftstraining des 1. FC Saarbrücken zurückgekehrt. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Der Franzose Alexandre Mendy hat seine schwere Schulterverletzung auskuriert. Sehr bald wird er wieder auflaufen. Von Patric Cordier

Das Lächeln ist einnehmend wie immer, aber irgendwie hat sich Alexandre Mendy verändert. „Es ist der Bart“, sagt der Fußballprofi des 1. FC Saarbrücken und lacht: „Ich wollte mal was ausprobieren.“ Interviews mit dem 34-Jährigen sind immer spannend – auch mit den Resten des Schul-Französisch, wenngleich Mendy mit fehlenden Vokabeln gerne aushilft und auf deutsch antwortet: „Das macht Spaß, und es ist natürlich schön, wenn ich mich in meiner Muttersprache unterhalten kann. Aber ich bin hier in Deutschland, da ist es selbstverständlich, dass ich die Sprache spreche.“


Das vergangene Jahr war für den Franzosen weniger vergnügungssteuerpflichtig. Erst starb sein Vater, danach verlor er zu Saisonbeginn seinen Stammplatz beim Regionalliga-Spitzenreiter. Als er wieder zurück im Team war, verletzte er sich schwer. „Ich habe mir keine Gedanken gemacht, als ich auf der Tribüne saß. Ich bin so lange dabei, ich weiß, dass der Kader vom ersten Spieltag nie der vom zehnten ist“, sagt Mendy: „Die Verletzung war dann halt Pech.“

In der Anfangsphase des Spitzenspiels bei Kickers Offenbach (2:1 für den FCS) gefoult, krachte der Franzose auf die Schulter. „Da gibt es drei Bänder, die waren alle gerissen. Nach der Operation durfte ich den Arm fast vier Wochen nicht bewegen. Erst dann konnte ich mit der Reha beginnen“, erinnert er sich.



Seit dieser Woche ist Alexandre Noël Mendy, so sein kompletter Name, wieder im Mannschaftstraining. „Ich bin wieder dabei, das ist ein erster Schritt. Die Fitness ist gut. Noch nicht wirklich spielbereit, aber gut. Ich bin auch in Zweikämpfen noch etwas vorsichtig, aber ich hoffe, dass ich spätestens in zwei Wochen der Mannschaft wieder helfen kann.“ Und natürlich auch sich selbst, denn sein Vertrag in Saarbrücken läuft zum Saisonende aus. „Auch daran denke ich nicht. Ich will ganz gesund werden und spielen. Alles andere wird kommen“, sagt Mendy: „Mein Plan war immer zu spielen, bis ich 36 Jahre alt bin. Also werde ich weitermachen.“

Am liebsten in Saarbrücken, denn umgezogen ist er in seiner Profikarriere schon oft genug. 1. FK Pibram, FK Most und Mlada Boleslav waren seine Stationen in Tschechien, über den FC Chesterfield in England und Hansa Rostock führte sein Weg 2014 nach Saargemünd. „Mein Familie fühlt sich sehr wohl, die Grenznähe macht das Leben angenehm. Auch der Verein ist toll. Es ist in Frankreich unvorstellbar, wie viele Zuschauer zu uns in die 4. Liga kommen.“

Für die Zeit nach dem Sport hat der zweifache Vater allerdings auch schon einen Plan. „Ich werde wohl in der Verwaltung meiner Heimatstadt nahe Paris arbeiten. Ich habe da schon mal reingeschnuppert. Es macht mir zwar Spaß, mit den Kindern zu trainieren, aber als Trainer sehe ich mich in Zukunft nicht. Fußball wird dann nur ein Hobby sein.“

Doch bis dahin gibt Mendy noch Gas. „Unsere Ziele sind der Aufstieg in die 3. Liga und die Verteidigung des Saarlandpokals“, sagt der Flügelflitzer, dem man das für einen Fußballer doch fortgeschrittene Alter kaum anmerkt: „Die Regenerationszeit ist schon länger. Aber ich bin wohl mit guten Genen gesegnet. Ich ernähre mich gesund, aber übertreibe es auch nicht. Und wenn die Mitspieler drumherum so gut passen wie hier in Saarbrücken, warum sollte ich dann nicht noch in der 3. Liga mitspielen können?“

Für den FCS stehen entscheidende Wochen an, die ein gesunder Mendy auf dem Feld mitprägen kann. Am Samstag im Heimspiel gegen Koblenz und am Dienstag in Stadtallendorf wird es noch eng, aber vielleicht schon danach gegen Waldhof Mannheim könnte der Franzose wieder eine Option sein, die die Möglichkeiten von FCS-Trainer Dirk Lottner weiter bereichert.