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Fußball-Bundesliga
Die kurze Winterpause schafft Probleme

Wie im Vorjahr reist der FC Bayern im Januar nach Katar. Unser Bild aus dem vergangenen Jahr zeigt Thiago Alcantara (Mitte) und Mats Hummels während der ersten Übungseinheit in Doha.
Wie im Vorjahr reist der FC Bayern im Januar nach Katar. Unser Bild aus dem vergangenen Jahr zeigt Thiago Alcantara (Mitte) und Mats Hummels während der ersten Übungseinheit in Doha. FOTO: Andreas Gebert / dpa
München. Schon am 12. Januar nimmt die Fußball-Bundesliga wieder ihren Spielbetrieb auf. Nicht alle Vereine beziehen ein Trainingslager.

Die Fußball-WM 2018 sorgt für eine ungewöhnlich kurze Winterpause der Bundesliga – und das bereitet Probleme. Kurzer Urlaub, ganz kurze Vorbereitung, Trainingslager ja oder nein. Neue Trainer können kaum einen nennenswerten Neustart auslösen, die Integration möglicher Winterzugänge gestaltet sich noch riskanter als in normalen Spielzeiten. Und sogar auf die Titelmission der deutschen Nationalmannschaft in Russland könnte die kurze Verschnaufpause späte Auswirkungen haben, die jetzt nur zu erahnen sind. Ist Winterpause also überhaupt der richtige Begriff?


Nein, meint Jupp Heynckes. „Ich habe gelesen, im Trainingslager in Katar würde der FC Bayern eine riesige Vorbereitung machen. Aber was haben wir denn für eine Vorbereitung?“, sagt der Bayern-Trainer. Am 2. Januar fliegt der Bayern-Tross nach Doha, schon fünf Tage später ist der Tabellenführer zurück in München. „Die Bundesliga beginnt wegen der WM wieder so früh, dass das, was man in früheren Jahren Vorbereitungszeit genannt hat, vor dieser Rückrunde nicht mehr vorhanden ist“, urteilt Heynckes. Sportvorstand Rouven Schröder von Mainz 05 mag in dieser Saison darum nicht von einer Winterpause sprechen. Er nennt sie „verlängerte Weihnachtspause“.

Gerade mal 22 spielfreie Tage liegen zwischen dem Pokal-Kracher FC Bayern gegen Borussia Dortmund, der am Mittwochabend das Spieljahr 2017 beendete, und dem Auftaktspiel der Rückrunde am 12. Januar, wenn Leverkusen Herbstmeister FC Bayern empfängt. Viel Zeit zum Durchpusten bleibt Profis, Trainern und Betreuern da nicht.

Bei Hannover 96 und dem FC Augsburg müssen die Spieler sogar vor Silvester schon wieder zum Dienst antreten. Die meisten Vereine nehmen am 1. oder 2. Januar das Training auf. Die kurze Zeitspanne bis zum ersten Punktspiel führt auch dazu, dass nur zehn der 18 Bundesligisten ein Trainingslager beziehen. Weiter reisen nur die Bayern, die sich wegen vertraglicher Verpflichtungen erneut in Katar vorbereiten. Die anderen neun Vereine fliegen in spanische Gefilde.

Pro und Contra mussten die Vereine abwägen. „Wir sehen es als großen Vorteil an, wenn die Mannschaft ein paar Tage am Stück zusammen ist, um sich wieder einzuschwören auf die Rückrunde. Und die klimatischen Bedingungen sind auf Teneriffa einfach top“, begründet Manager Stefan Reuter die Reise-Entscheidung des FC Augsburg.



Daheim bleiben unter anderem 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen, Borussia Mönchengladbach und auch RB Leipzig. „Es geht einfach darum, dass ich zwei Trainingstage verliere, die mir wehtun, wenn ich im Flieger sitze“, erläutert der Leipziger Trainer Ralph Hasenhüttl. Er verweist auf optimale Bedingungen auf dem Trainingsgelände in Leipzig: „Es fehlt an nichts, egal wie das Wetter ist.“ Einige Vereine haben trotzdem Notfallpläne erstellt, falls sie doch noch in den wärmeren Süden entfliehen wollen.

Joachim Löw hat als Bundestrainer bei WM- und EM-Turnieren oft von der Winterpause in Deutschland profitiert. „Es war für uns schon ein Vorteil, dass die Spieler nach dem letzten Spiel im Dezember zehn Tage Urlaub hatten und danach 14 Tage eine Grundvorbereitung im Januar“, sagt Löw.

Auswirkungen könnte die verkürzte Spielpause auch auf Transfers im Januar haben. „Die Vereine werden versuchen, auf die Situation zu reagieren. Es ist aber in der Winterpause nie einfach, Neuzugänge zu integrieren“, meint Reuter. Jetzt könnten diese erst zum Team stoßen, wenn der Ball in der Liga längst wieder rollt. Wintereinkäufe müssen darum noch genauer abgewogen werden, meint der Mainzer Sportchef Schröder: „Wir können uns keine Nachlässigkeiten leisten.“