1. Sport
  2. Saar-Sport

Die Krönung ihres dritten Tennis-Lebens

Die Krönung ihres dritten Tennis-Lebens

Nach seinem dritten Wimbledonsieg erscheint die Niederlage im Finale der French Open umso ärgerlicher. Doch Novak Djokovic hält sich nicht mit der Vergangenheit auf. Er will Serena Williams' Beispiel folgen.

Sie ist schon Mitglied in der Ruhmeshalle des Tennis und gewann 1996 im Doppel als 15-Jährige und 1997 im Einzel den Titel in Wimbledon . Sie löste Steffi Graf als Nummer eins der Welt ab und beherrschte mit ihrer unnachahmlichen Spielintelligenz die Konkurrenz. 1998 triumphierte sie gemeinsam mit Jana Novotna zum bislang letzten Mal auf den Rasenplätzen im Südwesten Londons. Und nun, ein halbes Leben später, hat Martina Hingis ihr dritten Tennis-Leben gekrönt - in der Royal Box des All England Tennis Clubs.

17 Jahre nach ihrem letzten Wimbledontitel feierte Hingis auf den Ehrenplätzen des Centre Court das Double. An der Seite der Inder Sania Mirza und Leander Paes triumphierte die Schweizer Altmeisterin mit dem unwiderstehlichen Gespür für Rasentennis und dem einzigartigen Ballgefühl im Doppel am Samstagabend und im Mixed am Sonntagabend.

In einem Endspiel-Krimi gegen Jekaterina Makarowa und Jelena Wesnina aus Russland drehten Hingis und Mirza im dritten und entscheidenden Durchgang einen 2:5-Rückstand und gewannen schließlich im goldenen Licht der Scheinwerfer unter dem geschlossenen Dach mit 5:7, 7:6 (7:4), 7:5. "Mehr Drama hätte ich mir gar nicht wünschen können", sagte Hingis überglücklich.

Zum Abschluss der 129. Championships holte sich Hingis dann mit dem 41 Jahre alten Doppelspezialisten Leander Paes den zweiten Pokal. Gemeinsam ließen sie Alexander Peya aus Österreich und Timea Babos aus Ungarn beim 6:1, 6:1 nicht den Hauch einer Chance.

Als sie zum letzten Mal im Allerheiligsten ihres Sports gewonnen hatte, gab es in Wimbledon noch kein Dach, dafür spielten Steffi Graf und Boris Becker noch professionell Tennis . Mit der Tschechin Novotna holte Hingis 1998 den Titel, sie war nicht einmal volljährig, ein Jahr zuvor hatte sie zum einzigen Mal im Einzel triumphiert.

"Das fühlt sich an, als wäre es in einem anderen Leben gewesen", sagte Hingis, mittlerweile 34. Zweimal hat sie seitdem ihre Karriere beendet, erstmals mit 22 Jahren aufgrund andauernder Schmerzen nach einer Operation am linken Sprunggelenk und als die Powerspielerinnen Serena und Venus Williams die Tour eroberten, dann 2007 wegen einer positiven Kokainprobe - die wurde ihr übrigens in Wimbledon abgenommen. Nun spielt Hingis, die 209 Wochen an der Spitze der Einzel-Weltrangliste stand, nur noch Doppel und Mixed. Das aber so gut wie keine Zweite.

"Ich habe immer daran geglaubt, dass ich zurückkommen kann", sagte Hingis: "Ich habe daran geglaubt, dass ich einen der besten Volleys in der Welt habe und eine der besten Rückhände. Du musst an etwas glauben, wenn du gewinnen willst." Zwischenzeitlich hatte sie sich als Trainerin und Doppelpartnerin von Sabine Lisicki versucht, doch erst mit Mirza schaffte sie es an die Spitze.Der Mythos hält sich hartnäckig, wie so viele Geschichten im und um den All England Club von Wimbledon . Seit Jahrzehnten hat beim traditionellen Championsdinner in einem edlen Londoner Hotel allerdings niemand mehr getanzt. Auch das deutsche Traumpaar Boris Becker und Steffi Graf , das vor 26 Jahren gemeinsam beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt triumphierte, schwofte damals nicht übers Parkett.

Erst Novak Djokovic und Serena Williams , die frisch gekrönten Oberhäupter im Rasenkönigreich an der Church Road, ließen die Tradition wieder aufleben und interpretierten sie neu. Zum Song "Night Fever" der Bee Gees ließen die alles überragenden Spieler der Gegenwart auf der Showbühne die Hüften kreisen. Den Gästen, darunter Djokovics Trainer Becker, gefiel die Vorstellung.

Stunden zuvor war das Bewegungstalent aus Serbien leichtfüßig über den heiligsten aller Rasenplätze getänzelt. Bei seinem dritten Titelgewinn auf dem Centre Court in Wimbledon hatte er dabei selbst Roger Federer , den Maestro aus der Schweiz, schwerfällig wirken lassen. "Ich habe es mir wieder selbst bewiesen. Das ist das Wichtigste", sagte Djokovic nach dem 7:6 (7:1), 6:7 (10:12), 6:4, 6:3-Erfolg.

Die Niederlage im Finale der French Open in Paris gegen Federers Landsmann Stan Wawrinka, die kaum fünf Wochen zurückliegt, sei "enttäuschend, ja herzzereißend" gewesen. "Aber wenn ich nur eine Sache im Sport gelernt habe, dann die: Du musst dich so schnell du kannst erholen, alle Dinge hinter dir lassen und nach vorne schauen", sagte Djokovic.

Irgendwann, so hofft er, bekomme er erneut die Chance auf den Titel in Roland Garros und damit womöglich die Chance auf den Grand Slam, den Triumph bei allen vier Majors in einer Saison. So wie seine Tanzpartnerin Serena Williams , der das äußerst seltene Kunststück 27 Jahre nach Steffi Graf bei den US Open gelingen kann. "Ich hoffe, dass sie es schafft", sagte Djokovic: "Ich versuche, ihrem Beispiel zu folgen, ich versuche, alles zu wiederholen, was sie geschafft hat."

Djokovic ist jung genug, um in weitere Kapitel Tennisgeschichte zu schreiben. "Ich bin 28, ich fühle mich gut, ich fühle mich nicht alt", sagte er: "Ich habe hoffentlich noch viele Jahre vor mir. Dann werden wir sehen, wie viele Titel ich noch gewinnen kann." In den Ohren der Konkurrenz muss das wie eine Drohung klingen.

Bereits jetzt hat Djokovic (9) mehr Grand-Slam-Titel gewonnen als Andre Agassi , Ivan Lendl und Jimmy Connors (je 8). Coach Becker (6), der wie er drei Mal in Wimbledon gewann, hat er längst hinter sich gelassen. Djokovic werde am Ende der Karriere einer der größten Namen seines Sports sein, sagte Grand-Slam-Rekordsieger Roger Federer , der weiter auf seinen 18. Majortitel wartet.