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"Die Königin ist tot, es lebe Wozniacki"

"Die Königin ist tot, es lebe Wozniacki"

New York. Den letzten Rückhandball knallte Caroline Wozniacki mit vernichtender Wucht ins Feld. Es war der Moment, in dem Maria Scharapowas letztes Stündlein bei den US Open 2010 geschlagen hatte

New York. Den letzten Rückhandball knallte Caroline Wozniacki mit vernichtender Wucht ins Feld. Es war der Moment, in dem Maria Scharapowas letztes Stündlein bei den US Open 2010 geschlagen hatte. Und auch der Moment, in dem die heiter-beschwingte Dänin mit polnischen Wurzeln endgültig zum Star dieses Grand-Slam-Spektakels im Big Apple wurde - zur unumschränkten Titelkandidatin Nummer eins nach diesem makellosen 6:3, 6:4-Triumph. "Die Königin ist tot, es lebe Wozniacki", sprach da die ehemalige Topspielerin Lindsay Davenport, "der Weg zum Sieg führt nur über sie". Im vergangenen Jahr noch leicht verschüchterte Randfigur in der finalen Show von Kim Clijsters, zeigt die 20-Jährige aus dem Grenzstädtchen Odense nun den zupackenden Instinkt einer Frau, die nichts als gewinnen will. Und die fast schon frustriert wäre, am Ende der Grand-Slam-Festivitäten nur mit Platz zwei belohnt zu werden. "Meine Mission heißt Sieg", sagt Wozniacki, ein lebenslustiges Girlie, das wie geschaffen scheint für die Auftritte auf den großen, glitzernden Bühnen des Wanderzirkus. Den zunehmenden Erwartungsdruck nimmt die steil aufstrebende Blondine gar nicht als Last wahr, sondern als Privileg: "Wer schlecht spielt, hat keine Probleme. Nur wer gut ist, hat Druck. Und gerät ins Blickfeld", sagt Wozniacki. Dort, im Blitzlichtgewitter, in Fernsehshows, auf den Titelseiten der Fach- oder Modemagazine, fühlt sich die US-Open-Attraktion bestens aufgehoben, wie in einer Art Paradies: "Ich genieße die Aufmerksamkeit, ehrlich. Es macht Spaß, berühmt zu sein."Die Amerikaner feiern die junge Starspielerin aus dem exotischen Tennisrevier Dänemark inzwischen in hymnischen Tönen. "Ein Gewinn fürs Tennis - auf und neben dem Court", sei die 20-Jährige, befand die "Los Angeles Times", "sie ist ein unkomplizierter Charakter. Und sie schafft eine natürliche Verbindung zu den Fans". Schon im letzten Jahr, als sie mühelos in die Top Ten vorgeprescht war und sich mit dem US-Open-Finalvorstoß ins Bewusstsein der amerikanischen Fans gespielt hatte, nutzten clevere Vermarkter sofort die Popularität des Tennismodels. Ruckzuck wurde die Teenagerin für eine Schaukampf-Tournee verpflichtet, bei der auch Andy Roddick, John Isner und Serena Williams mitspielten. In der Heimat sprechen sie nur noch von "Wunder-Wozniacki". In Dänemark sei inzwischen "die Hölle los", sagt Vater Piotr Wozniacki, der Trainer, Förderer und Berater in Personalunion ist: "Da sitzen Millionen vor dem Fernsehschirm - mitten in der Nacht. Bei jedem Spiel." Von ihm, dem Papa, scheint die schlagkräftige Tochter die guten sportlichen Gene zu haben, der Mann war schließlich mal Profifußballer und kickte vorübergehend auch für Waldhof Mannheim. Ende der 80er Jahre zog es ihn nach Dänemark, dort wurde zuerst Sohn Patrick und dann 1990 Caroline geboren. Patrick spielt inzwischen in der zweiten dänischen Fußball-Liga. "Wir haben alle den Sport im Blut. Aber Caroline ist die Beste", sagt Piotr Wozniacki. Auch in der alten Heimat der Eltern, in Polen, ist die Nummer zwei der weiblichen Tenniswelt außerordentlich beliebt, nicht zuletzt weil der neue Weltstar immer mal wieder zu Verwandten nach Polen reist oder bei den Turnieren dort antritt - und zwar ohne große Antrittsprämien zu kassieren. Beim Wimbledon-Wettbewerb 2009 bat Wozniacki die polnischen Reporter sogar, sie mit ihrem landesüblichen Karolina Wozniak anzusprechen.Was an Wozniackis Spiel beeindruckt, sind die Athletik, Ausdauerkraft und der unbeschreiblich große Ehrgeiz. Sie hat keine herausragenden Schläge, aber sie ist jener Typ Konterspielerin, der allseits verhasst ist unter den Kolleginnen. Wie ein weiblicher Lleyton Hewitt flitzt sie über die Courts, rennt fast jeden Ball tot. "Gegen sie einen Punkt zu machen, ist manchmal eine Lebensaufgabe", sagt die russische Olympiasiegerin Jelena Dementiewa.

Auf einen BlickRoger Federer steht bei den US Open in New York erwartungsgemäß im Viertelfinale: Der fünfmalige US-Open-Champion aus der Schweiz siegte in der Nacht zu Dienstag im Alpenduell gegen den Österreicher Jürgen Melzer mit 6:3, 7:6 (7:4), 6:3. Andrea Petkovic ist dagegen ausgeschieden: Die Darmstädterin hatte beim 1:6, 2:6 in nur 67 Minuten gegen die russiche Wimbledon-Finalistin Wera Swonarewa nicht den Hauch einer Chance. dpa