Die Kilometerfresser aus Polen

Die Kilometerfresser aus Polen

Köllerbach. Wenn sie nicht gerade auf der Matte stehen und kämpfen, ist das Handy ihr stetiger Begleiter. Sie telefonieren oder tippen eifrig auf der Tastatur, um eine Kurznachricht zu schreiben. Damit halten sie Verbindung in die Heimat. Denn ihr Arbeitsplatz ist rund 1200 Kilometer von zu Hause entfernt

Köllerbach. Wenn sie nicht gerade auf der Matte stehen und kämpfen, ist das Handy ihr stetiger Begleiter. Sie telefonieren oder tippen eifrig auf der Tastatur, um eine Kurznachricht zu schreiben. Damit halten sie Verbindung in die Heimat. Denn ihr Arbeitsplatz ist rund 1200 Kilometer von zu Hause entfernt.

Den Polen Marek Szustek (30 Jahre), Radoslaw Marcinkiewicz (23) und Sylwester Charzewski (28) geht es wie vielen ausländischen Athleten, die in der deutschen Bundesliga ringen. Jedes Wochenende nehmen sie eine weite Reise auf sich, um ihrem Beruf nachzugehen. Um für den KSV Köllerbach um Punkte zu kämpfen. Wie am Samstag im ersten Play-off-Halbfinale gegen den SV Weingarten (Beginn 20 Uhr, Walzbachhalle in Weingarten, Rückkampf eine Woche später im Püttlinger Trimm-Treff).

Meist fliegen die drei Polen von Kattowitz aus rund 100 Minuten nach Frankfurt/Hahn. Dort werden sie von Verantwortlichen des KSV Köllerbach abgeholt. "Ich muss zunächst von Warschau mit meinem Wagen rund 300 Kilometer zum Kattowitzer Flughafen fahren", schildert Szustek, der neben dem Ringen sein Geld als Sicherheitsmann für Prominente verdient. Der 30-Jährige, der mit seinen zurückgegelten Haaren und seinem muskulösen Oberkörper einem Action-Schauspieler wie Steven Seagal ähnelt, ergänzt: "Wir sind auch schon mit dem Auto gefahren. Nach 13 Stunden Fahrt ist man aber nur genervt." Am gleichen Wochenende geht es ja auch wieder zurück in die Heimat.

Die drei Polen wechselten erst zu Saisonbeginn nach Köllerbach. "Wir haben alle unseren Club verloren, daher mussten wir uns umsehen", erklärt Szustek, der in der Klasse bis 96 Kilo griechisch-römisch ringt. Denn sowohl Szusteks Verein Dewangen als auch der KSV Witten, wo Nationalringer Marcinkiewicz und Sportsoldat Charzewski aktiv waren, zogen ihre Mannschaften aus der Bundesliga zurück. Michal Lojewski, ein polnischer Vermittler, stellte den Kontakt zum KSV her.

"Ich fühle mich hier sehr wohl", erklärt Szustek, der mit seinen 30 Jahren der Erfahrenste ist - und der Wortführer. Denn seine Landsmänner stimmen in seine Antworten immer ein - ohne Widerrede. Suzstek scherzt: "Das müssen sie auch. Schließlich bin ich der 96-Kilo-Athlet, und sie ringen nur in der 84-Kilo- und 66-Kilo-Klasse."

Doch wie verständigen sie sich mit ihren Teamkameraden? "Deutsche Athleten wie Shyyka und Schneider sprechen russisch, das geht schon. Auch mit den Bulgaren", erklärt Szustek. Und wenn Marcinkiewicz in der 84-Kilo-Klasse im Freistil kämpft, kommen die Kommandos von Szustek. Doch können sie nicht auch ein wenig deutsch? Szustek grinst und sagt mit leichtem Akzent: "Wir sprechen nicht deutsch."

Sportlich haben sie sich gut integriert. Charzewski (66 Kilo, griechisch-römisch) zeigte sich als Punktegarant (neun Siege/zwei Niederlagen). Marcinkiewicz (84 Kilo) ist eine deutliche Verstärkung im Vergleich zur Vorsaison (sieben/vier). Und auch Szustek zeigt in der 96-Kilo-Klasse konstante Leistungen (acht/zwei). Teamleiter Thomas Geid ist zufrieden: "Die drei Polen sind absolut zuverlässig. Sie geben alles, wenn sie auf der Matte stehen."

Das wollen die Drei auch in den Kämpfen gegen Weingarten zeigen. "Wir haben zwei Mal gegen sie gewonnen. Ich hoffe, wir haben jetzt das gleiche Glück", sagt Szustek, der am Samstag aufgrund des Stilartwechsels in seiner Gewichtsklasse nicht dabei sein wird. Bevor er wieder zu seinem Handy greift, verabschiedet er sich. Übrigens auf deutsch: "Tschüss. Ich wünsche ein frohes neues Jahr." "Nach 13 Stunden Fahrt ist man nur genervt."

Marek Szustek,

Ringer des

KSV Köllerbach

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