| 21:00 Uhr

2. Handball-Bundesliga
Die Hoffnung schwindet mit jedem Spiel

Törhüter Patrick Schulz sitzt nach der Heimniederlage der HG Saarlouis gegen die SG Bietigheim enttäuscht auf dem Parkett in der Stadtgartenhalle. Der Klassenverbleib ist in weite Ferne gerückt.
Törhüter Patrick Schulz sitzt nach der Heimniederlage der HG Saarlouis gegen die SG Bietigheim enttäuscht auf dem Parkett in der Stadtgartenhalle. Der Klassenverbleib ist in weite Ferne gerückt. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Während die Konkurrenz im Tabellenkeller überraschend punktet, gelingt der HG Saarlouis derzeit nichts – auch nicht gegen Bietigheim. Von Sebastian Zenner

War das Wochenende der Anfang vom Ende des Zweitliga-Handballs im Saarland? Die HG Saarlouis verlor am Sonntagabend mit 20:26 (10:11) gegen die SG Bietigheim. Noch schwerer wiegt die Niederlage beim Vorletzten HSG Konstanz (22:24) am Freitag. Der Rückstand des Tabellen-Schlusslichts auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt nach den überraschenden Siegen direkter Konkurrenten schon sechs Punkte. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.


„Wir können spielerisch mit den Gegnern mithalten, aber wir machen zu viele Fehler, die sie nutzen können“, sagte der HG-Vorsitzende Richard Jungmann nach dem Sonntagsspiel. Die HG legte vor 1070 Zuschauern eine gute erste Halbzeit auf das Parkett, hätte sie sogar mit einer Führung beenden können. Stattdessen führten die Gäste zur Pause mit 11:10. Auch im zweiten Durchgang hielt Saarlouis bis zur 41. Minute gut mit. Beim Stand von 14:15 aus HG-Sicht hätten zwei Paraden in Folge von Schlussmann Darius Jonczyk eine Kehrtwende einleiten können. Der folgende Angriff endete jäh mit einem folgenschweren Fehlpass von Arthur Muller, der den Ball direkt in die Hände von Bietigheims Valentin Schmidt spielte. Statt des Ausgleichs markierte Patrick Rentschler das 16:14 für die Gäste, die sich absetzten und verdient gewannen.

Weshalb die immer gleichen Spieler der von ihm zusammengestellte Mannschaft immer wieder die gleichen individuellen Fehler machen, weiß Richard Jungmann nicht. „Diese Frage stellen wir uns hier täglich“, sagte er: „Es ist auch eine Frage der Qualität.“ Trainer Philipp Kessler analysiert die Ursachen des Tiefflugs akribisch, aber die individuellen Fehler auf dem Feld kann er nicht verhindern. Ihm fehlt ein Spieler, der in entscheidenden Momenten die richtige Entscheidung trifft. Konstanz hatte am Freitagabend mit Mathias Riedel so einen. Er sorgte für die entscheidenden Impulse, während sich die Saarländer selbst dezimierten: Yann Polydore lief nach einer Zeitstrafe zu früh zurück auf das Feld und kassierte dafür die nächste Zeitstrafe. Weil Jerome Müller zur gleichen Zeit ebenfalls auf der Strafbank weilte, agierte Saarlouis in zweifacher Unterzahl. In dieser Zeit kippte das Spiel zu Gunsten der Gastgeber. „Das hat uns das Genick gebrochen. So etwas darf einfach nicht passieren“, sagte Kessler.

„Kleinigkeiten sind entscheidend“, „Die junge Mannschaft hat Potenzial“, „Im Handball ist immer alles möglich“ und überhaupt „kann in dieser Liga jeder jeden schlagen“. All das ist oft zu hören. Doch: Wann schlägt sich das Pendel der positiven Eventualitäten auf die Seite der HG? Oder ist das Team schlicht nicht zweitligatauglich? „Den Spielern fällt es zeitweise schwer, Lösungen zu finden“, formulierte Pädagoge Kessler wohlüberlegt: „Ich sehe schon Fortschritte, aber nur partiell, nicht konstant. Den Kopf in den Sand stecken bringt jedenfalls nichts. Ich arbeite weiter und überlege, wie ich den Jungs helfen kann.“

Eine Rückkehr als Spieler scheint für das frühere Abwehrbollwerk ausgeschlossen: „Darüber habe ich mir während der Vorbereitung Gedanken gemacht“, verriet Kessler, „ich müsste dafür allerdings mittrainieren. Dann noch ein qualitativ hochwertiges Training zu steuern, ist nicht möglich.“ Für Kapitän Martin Murawski ist klar: „Wenn wir den Bock nicht bald umstoßen, wird es dunkel am Ende des Tunnels.“