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Die Hoffnung des Maestros ist grün

Die Hoffnung des Maestros ist grün

Nach seinem frühesten Ausscheiden bei den French Open seit zehn Jahren trat Roger Federer die Flucht nach vorne an. Der Schweizer Tennisprofi will sich jetzt voll auf Wimbledon konzentrieren.

Nach der Schmach auf der roten Asche von Paris trat Roger Federer die Flucht nach vorne an. Und zwar rasend schnell. Die Hoffnung des Grand-Slam-Rekordsiegers ist grün und trägt einen Namen: Wimbledon. "Ich denke, dass ich dort immer noch gewinnen kann, wenn ich fit bin", sagte der 32-jährige Federer nach seinem Achtelfinal-Aus bei den French Open in fünf Sätzen gegen den Letten Ernests Gulbis (7:6, 6:7, 2:6, 6:4, 3:6).

Nach dem frühesten K.o. in Roland Garros seit zehn Jahren konnte der frisch gebackene Vierfach-Vater Federer seine Abreise kaum erwarten. "Der Sand braucht mich nicht mehr", meinte der siebenmalige Wimbledonsieger und hakte die Schlappe schnell ab: "Im Kopf habe ich mich jetzt schon auf Rasen umgestellt. Man darf die Niederlage nicht überanalysieren. Es ist wichtig, dass ich jetzt positiv bleibe."

Mit Vergangenheitsbewältigung wollte sich der in die Jahre gekommene "Maestro" nicht lange aufhalten. Die nächsten Herausforderungen warten: Auf seinem Lieblingsbelag will er sich als Titelverteidiger bei den Gerry Weber Open in Halle/Westfalen (ab 9. Juni) Selbstvertrauen für die ultimative Herausforderung im All England Lawn Tennis Club (ab 23. Juni) holen. Wenn Federer seinen 17 Grand-Slam-Erfolgen noch weitere hinzufügen kann, dann nur auf dem schnellsten aller Beläge in Wimbledon.

Diese Einschätzung bestätigte sich erneut in Paris. Gegen den Weltanglisten-17. Gulbis sank die Erfolgsquote der früheren Nummer eins mit der Dauer der Ballwechsel. War Federer in der Kategorie bis drei Ballwechsel noch gleichauf mit dem Letten, so punktete er nur noch in 40 Prozent der Fälle, wenn es über acht Ballwechsel hinausging. Selbst auf seinen Aufschlag konnte sich der Roland-Garros-Champion von 2009 nicht verlassen. Sieben Mal musste er sein Service gegen Gulbis abgeben. "Entzaubert", titelte die Neue Zürcher Zeitung.

Auf den Weltranglistenvierten wartet in den kommenden Wochen eine Vergangenheitsbewältigung der besonderen Art. Ausgerechnet bei seinem Lieblings-Grand-Slam in Wimbledon hatte der Rekordsieger im vergangenen Jahr einer seiner bittersten Stunden erlebt. In Runde zwei unterlag er damals sensationell dem Weltranglisten-116. Sergej Stachowsky (Ukraine). Es war das Ende von Federers Fabelserie bei den vier weltweit größten Turnieren. Seit Roland Garros 2004 hatte er bis dato nicht vor dem Viertelfinale verloren.

In den nächsten Tagen will sich Federer nun erst einmal seiner Familie widmen, in der die am 6. Mai geborenen Zwillingssöhne die jüngsten Mitglieder sind. Leo und Lenny waren in Paris ebenso dabei wie die Zwillingsmädchen Charlene Riva und Myla Rose (4), die bei Papas Matches in der Box saßen. In Wimbledon wollen sie ihren Vater wieder anfeuern. Unterstützung wird Federer auch nötig haben.Nach einem weiteren Zitterspiel hat Andrea Petkovic zum zweiten Mal nach 2011 das Viertelfinale bei den French Open erreicht. Die 26-jährige Darmstädterin gewann gestern in Paris mit 1:6, 6:2, 7:5 gegen die niederländische Qualifikantin Kiki Bertens, die nur die Nummer 148 der Tennis-Weltrangliste ist. "Es war sehr schwierig. Kiki hat sehr, sehr gut gespielt", sagte Petkovic: "Ich weiß nicht, was im ersten Satz los war. Danach habe ich die Bälle besser platziert. Ich bin sehr zufrieden."

Petkovic schien zur Mittagszeit auf dem spärlich besuchten Court Philippe Chatrier anfangs ein ähnliches Debakel zu drohen wie tags zuvor an gleicher Stelle Angelique Kerber. Die 27. der Weltrangliste gewann ihr erstes Aufschlagsspiel noch mit Mühe und hatte eine Chance zum 2:0. Danach fand Petkovic keine Mittel mehr gegen das druckvollere und weitgehend fehlerfreie Spiel der Außenseiterin. Bertens konnte ihr Niveau jedoch nicht halten. Mit einer Flut von Fehlern ließ die 22-Jährige, die in Paris das beste Grand-Slam-Turnier ihrer Karriere spielt, Petkovic zurück ins Match kommen.

Bei den Männern bleibt Rafael Nadal bei seiner Mission Titelverteidigung ohne Satzverlust und steht im Viertelfinale. Einen Tag vor seinem 28. Geburtstag besiegte der topgesetzte Spanier den ungesetzten Dusan Lajovic (Serbien) mit 6:1, 6:2, 6:1. Im Spiel um den Einzug ins Halbfinale trifft der Linkshänder in der Neuauflage des letztjährigen Roland-Garros-Endspiels auf seinen Landsmann David Ferrer. Der Weltranglistenfünfte setzte sich mit 6:3, 6:3, 6:7 (5:7), 6:1 gegen Kevin Anderson (Südafrika) durch.