Eishockey-Begeisterung in Deutschland Die Helden kehren in den Alltag zurück

Hannover · Viele deutsche Eishockey-Nationalspieler müssen drei Tage nach dem Olympia-Finale im Saisonendspurt der DEL ran.

 Eishockey-Nationalspieler Moritz Müller, einer der Olympia-Helden von Südkorea, wird nach der Landung der Lufthansa-Maschine LH713 auf dem Flughafen in Frankfurt von den Fans begrüßt und gefeiert.

Eishockey-Nationalspieler Moritz Müller, einer der Olympia-Helden von Südkorea, wird nach der Landung der Lufthansa-Maschine LH713 auf dem Flughafen in Frankfurt von den Fans begrüßt und gefeiert.

Foto: dpa/Boris Roessler

Das wird hart. Die meisten Silberhelden aus dem Eishockey-Wunderteam sind zurück in der Realität. Die heißt statt Olympia-Finale in Pyeongchang nun heute Abend Schwenningen oder Iserlohn. Nur zwei Tage nach der gefeierten Rückkehr müssen Kapitän Marcel Goc und seine fünf Teamkollegen von den Adlern Mannheim im Schwarzwald antreten. „Es ist nun einmal so, dass jetzt auch in der DEL die wichtigsten Spiele anstehen und der Fokus der Spieler jetzt wieder zu 100 Prozent auf der DEL liegen muss“, sagte der Geschäftsführer der Adler, Daniel Hopp.

Ein Großteil des Teams, das mit Olympia-Silber den größten Erfolg des deutschen Eishockeys überhaupt erreicht hat, muss in der DEL an den letzten drei Spieltagen bis Sonntag noch um die Playoff-Teilnahme kämpfen. „Für uns ändert sich nichts. Wir hatten vier Alles-oder-nichts-Spiele und haben jetzt in der DEL drei weitere“, sagte Adler-Spielführer Marcus Kink und behauptete trotz des kräftezehrenden Rückflugs nach der rauschenden Abschlussparty am Sonntag im Deutschen Haus: „Wir stehen voll im Saft. Körperlich ist das kein Problem. Die Euphorie wird uns durch diese Spiele tragen.“

Nationalmannschafts-Kapitän Goc hatte zuvor noch gesagt, sich erst heute wieder mit der Rückkehr in den DEL-Alltag zu beschäftigen. Mannheims sechs Silbergewinner mussten auch gestern noch nicht mit der Mannschaft trainieren und brauchten noch nicht mit in den Schwarzwald zu reisen. Heute in Schwenningen (19.30 Uhr) sollen sie aber wieder auf dem Eis stehen. Ebenso Christian Ehrhoff, Moritz Müller und Felix Schütz von den Kölner Haien in Iserlohn.

„Man muss es als Sportler schaffen, das, was hier passiert ist, kurz in die Schublade zu packen und DEL zu spielen“, sagte Abwehrspieler Müller. Für Ehrhoff ist die gewaltige und zuletzt nicht gekannte Aufmerksamkeit für das Eishockey auch große Motivation. „Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, dass man die Leute in der Heimat inspiriert hat. Aber jetzt muss man ganz schnell umschalten“, sagte der frühere NHL-Star: „Ich wünsche mir, dass noch mehr Leute in die Eisstadien kommen. Die bevorstehenden Playoffs sind dafür prädestiniert, garantieren sie doch Spannung.“

Auch der achtmalige deutsche Meister Köln hat die direkte Playoff-Qualifikation noch nicht sicher und braucht seine Nationalspieler. Im Gegensatz zu den Topteams EHC München, Nürnberg Ice Tigers und Eisbären Berlin, die ihre Silbergewinner noch schonen können. Meister München gab seinen sieben Nationalspielern sogar bis zum letzten Vorrundenspieltag am Sonntag frei. „Ich glaube schon, dass die Mannschaften, die den Luxus haben, den Spielern eine Pause geben zu können, einen Vorteil haben“, sagte der frühere Bundestrainer und aktuelle Berliner Coach Uwe Krupp: „Die Nationalspieler sollen selbst entscheiden, ob sie spielen, wenn sie ausgeschlafen haben.“ Spätestens am Freitag in Düsseldorf könnten Jonas Müller, Frank Hördler und Marcel Noebels wieder spielen.

Von einem möglichen Leistungsloch der Spieler nach dem Karriere-Höhepunkt in Südkorea wollen die meisten Clubs nichts wissen – im Gegenteil. „Ich denke, dass die Nationalspieler voller Stolz, Euphorie und Selbstvertrauen von den Olympischen Spielen zurückkehren“, sagte etwa Hopp, zugleich Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes.

Unmittelbar vor dem Beginn der Playoffs in der kommenden Woche sollen die Nationalspieler auch als besondere Attraktion ran. „Als erstes hoffe ich, dass die vielen durch Olympia-Silber neugierig gewordenen Menschen in unseren Playoffs in den Stadien vorbeischauen“, sagte DEL-Chef Gernot Tripcke stellvertretend. Nur einer kann nun ganz entspannt sein und den Effekt auf die Liga beobachten: Der aktuelle Bundestrainer Marco Sturm wird von der Couch aus zuschauen.

Rechte-Inhaber Telekom zeigt alle Spiele der DEL heute auch für Nicht-Telekomkunden kostenlos live auf seinen Online-Plattformen. Man wolle angesichts der aktuellen Begeisterung für die Sportart das „Momentum“ nutzen.