Die hässliche Fratze des Fußballs

Die hässliche Fratze des Fußballs

Frankfurt. Tränen, Trauer und Tumulte: Nach dem von Gewaltexzessen begleiteten Absturz auf einen Abstiegsplatz liegt die einstmals heile Welt bei Eintracht Frankfurt endgültig in Trümmern. Während der Mob im Anschluss an die bittere 0:2-Heimpleite gegen den 1

Frankfurt. Tränen, Trauer und Tumulte: Nach dem von Gewaltexzessen begleiteten Absturz auf einen Abstiegsplatz liegt die einstmals heile Welt bei Eintracht Frankfurt endgültig in Trümmern. Während der Mob im Anschluss an die bittere 0:2-Heimpleite gegen den 1. FC Köln im Stadion tobte und die entsetzten Spieler zur Flucht in die Kabine trieb, rangen die Verantwortlichen in den Katakomben mühsam um ihre Fassung. "Das ist der Tiefpunkt in meinen acht Jahren bei der Eintracht. So etwas darf es im Fußball nicht geben", kommentierte der sichtlich mitgenommene Vorstandschef Heribert Bruchhagen die Bilder von randalierenden Fans, die die Jubel-Party der geretteten Kölner abrupt beendeten und zunächst nur durch eine Hundertschaft der Polizei gestoppt werden konnten. Bei den Ausschreitungen wurde auch eine 600 000 Euro teure Spezialkamera beschädigt. Das Gerät ist weltweit einzigartig und wurde erstmals eingesetzt. "Die Kamera ist umgeworfen worden. Der Täter war so schlau, auch noch in die Kamera zu schauen", sagte Andreas Rink, Produktionsleiter der Deutschen Fußball-Liga."Der Kontrollausschuss des DFB wird sich mit den Vorfällen befassen", kündigte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker an. Der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn kritisierte die Vorkommnisse, bei denen zehn Personen verletzt und sechs Fans festgenommen worden waren, als völlig inakzeptabel. "Wichtig ist jetzt bei aller Emotionalität eine objektive Beurteilung der Situation", sagte Spahn. Dies soll im Hinblick auf das Saisonfinale der Eintracht beim Meister Borussia Dortmund bereits heute geschehen. "Es wird eine Sicherheitsbesprechung mit allen Beteiligten geben. Dabei werden DFL, DFB sowie staatliche Stellen mit den Clubs nötige Maßnahmen für den reibungslosen Ablauf des Spiels erörtern", sagte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus gestern. Die aufgeheizte Lage hatte sich am Samstag erst beruhigt, nachdem sich Eintracht-Präsident Peter Fischer und später auch die Profis den Anhängern zum Gespräch gestellt hatten. "Wir haben sehr intensive Gespräche mit den Fans gehabt, die sehr emotional geprägt waren. Wir haben die gesamte Bandbreite erlebt, von persönlichen Angriffen und Beschimpfungen bis zu Unterstützung und Zuspruch", berichtete Trainer Christoph Daum. "Dass wir nicht mit unseren Fans feiern konnten, lag an ein paar Frankfurter Idioten", polterte Lukas Podolski. "Aber das holen wir nächste Woche nach. Die Erleichterung über den Klassenverbleib ist natürlich groß", sagte er.

"Das ist eine bittere Stunde für Eintracht Frankfurt", meinte Bruchhagen. Denn auch die sportliche Situation droht zu eskalieren. Durch die Niederlage, die Adel Chihi (24.) und Podolski (90.) besiegelten, stehen die Hessen vor dem vierten Abstieg nach 1996, 2001 und 2004. "Wir befinden uns in einer äußerst schwierigen Situation, aber bei einem Punkt Rückstand haben wir noch Resthoffnung", sagte Bruchhagen. dpa