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Die großen Unbekannten

Barcelona. Große Mannschaften, weiß Bundestrainer Martin Heuberger, "sind nicht von heute auf morgen geboren worden". Daher verbiete es sich, über Medaillen zu sprechen. Die Mission bei der 23. Handball-WM in Spanien, die für deutsche Nationalmannschaft am Samstag in Granollers mit der Partie gegen Brasilien beginnt, ist schwierig Von SZ-Mitarbeiter Erik Eggers

Barcelona. Große Mannschaften, weiß Bundestrainer Martin Heuberger, "sind nicht von heute auf morgen geboren worden". Daher verbiete es sich, über Medaillen zu sprechen. Die Mission bei der 23. Handball-WM in Spanien, die für deutsche Nationalmannschaft am Samstag in Granollers mit der Partie gegen Brasilien beginnt, ist schwierig. Völlig unwägbar trotz der guten Tests gegen Schweden (26:20, 28:28) und Rumänien (35:25), wie sich die sechs WM-Debütanten im Wettkampf mit den weiteren Gruppengegnern Tunesien, Argentinien, Montenegro und Frankreich schlagen. Horst Bredemeier, Vizepräsident Leistungssport, sagt: "Das Erreichen des Viertelfinales wäre ein Riesenerfolg."Unmöglich sei nichts, sagt Bredemeier. Der Funktionär zieht einen historischen Vergleich zur WM 1993 in Schweden. Auch damals sei die Mannschaft unerfahren und jung gewesen, habe aber mit ihrem unbekümmerten Spiel die Fachwelt mit einem fünften Platz überrascht. "Das war die Geburtsstunde von Leuten wie Christian Schwarzer und Volker Zerbe", erinnert sich Bredemeier. Doch natürlich ist das Team aus dem Mutterland des Handballs krasser Außenseiter gegen eingespielte Gegner wie Olympiasieger Frankreich, Gastgeber Spanien oder Europameister Dänemark.


Zumal durch die Absage von Holger Glandorf (SG Flensburg-Handewitt) der einzige Rückraumspieler mit Weltklasseformat abgesagt hat. Überhaupt hätte ein deutsches Team aus verletzten Profis und solchen, die aus anderen Gründen fehlen, die Medaillenchancen: Angefangen mit Torhüter Johannes Bitter (HSV) über die Flügelspieler Uwe Gensheimer (Löwen, verletzt) und Christian Sprenger (Kiel, Rücktritt) bis zu den Rückraumstars Pascal Hens, Michael Kraus (beide HSV), Lars Kaufmann (Flensburg) und dem 2008 zurückgetretenen Christian Zeitz (Kiel).

So ist mit Kapitän und Abwehrchef Oliver Roggisch (Löwen) nur noch ein Profi übrig geblieben, der 2007 beim WM-Titel im eigenen Land zum Stammpersonal zählte. Die aktuellen Profis haben nun beschlossen, den Qualitätsverlust mit Mannschaftsgeist, Trotz und guter Stimmung zu kompensieren. "Gerade die älteren Spieler wie Roggisch und Silvio Heinevetter haben uns gut aufgenommen", berichtete Linksaußen Kevin Schmidt. "Wenn man ehrlich ist, erwartet niemand etwas von uns", sagt Michael Haaß (Göppingen), dem als Regisseur eine extrem wichtige Rolle zukommt. Dass man nicht so unter Druck stehe, könne ein Vorteil sein.

Was für das Team gilt, trifft auf den Trainer freilich nicht zu. Die ziemlich katastrophalen Auftritte im WM-Playoff in Bosnien-Herzegowina und die Niederlage in der EM-Qualifikation gegen Montenegro haben viel Kredit für Heuberger aufgebraucht. Eine unglückliche Entscheidung auf der Trainerbank könnte schon eine heftige Trainerdiskussion heraufbeschwören. Auch deshalb ist für Spannung gesorgt. "Wenn man ehrlich ist, erwartet niemand was von uns."

Michael Haaß



Handball-WM

Vorrunde:

Gruppe A:

Deutschland - Brasilien Sa, 16.00 Uhr

Argentinien - Montenegro Sa, 18.15 Uhr

Frankreich - Tunesien Sa, 20.45 Uhr

Brasilien - Argentinien So, 15.00 Uhr

Tunesien - Deutschland So, 17.20 Uhr

Montenegro - Frankreich So, 19.30 Uhr

Gruppe B:

Mazedonien - Chile Sa, 15.45 Uhr

Island - Russland Sa, 18.00 Uhr

Dänemark - Katar Sa, 20.15 Uhr

Chile - Island So, 15.45 Uhr

Katar - Mazedonien So, 18.00 Uhr

Russland - Dänemark So, 20.15 Uhr

Gruppe C:

Serbien - Südkorea Sa, 15.45 Uhr

Slowenien - Saudi-Arabien Sa, 18.00 Uhr

Polen - Weißrussland Sa, 20.15 Uhr

Gruppe D:

Spanien - Algerien :

Kroatien - Australien Sa, 16.45 Uhr

Ungarn - Ägypten Sa, 19.00 Uhr