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Die große Hoffnung heißt Steffen

Barcelona. Weil Britta Steffen über 50 Meter Freistil nicht an den Start geht, ist Steffen Deibler die größte Medaillenhoffnung der deutschen Beckenschwimmer bei der WM in Barcelona. Der Hamburger ist aktuell die Nummer eins der Welt über 100 Meter Schmetterling. sid

Vor seinem ersten WM-Start gönnte sich Steffen Deibler ein wenig Urlaubsstimmung. "Wir trainieren im Freibad, das passt mir gut. Da kann ich noch ein bisschen Sonne tanken", sagte der Kurzbahn-Weltrekordler. Der Olympiavierte gab sich ganz entspannt, als er im Jugendcamp des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) vor Beginn der Beckenwettkämpfe in Barcelona über seine WM-Aussichten plauderte. Von großem Druck war nichts zu spüren.

Dabei heißt es für die zuletzt arg gebeutelten deutschen Schwimmer: Steffen ist die größte WM-Hoffnung. Nicht Britta, sondern Deibler. Der Weltjahresbeste über 100 Meter Schmetterling hat die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 als Medaillenkandidat Nummer eins abgelöst - die 29-Jährige startet nicht auf ihrer Paradestrecke 50 Meter Freistil.

"Ich will zeigen, dass ich zu den Besten der Welt gehöre", sagte Deibler und betonte: "Ich will meine Zeit bestätigen, das müssen die anderen erstmal schwimmen." Seine dritte WM geht der 26-Jährige aus Hamburg mit großem Selbstbewusstsein an: Er ist der Mann, der schneller schwamm als Michael Phelps. Mit seinem deutschen Rekord von 51,19 Sekunden, den er im April bei der DM aufstellte, wäre er in London Olympiasieger geworden. Im WM-Starterfeld war nur einer schneller als er: der Pole Konrad Czerniak. "Ich will zeigen, dass das keine Eintagsfliege war", sagte Deibler.

Sollte der gebürtige Schwabe, der am Sonntag über 50 Meter Schmetterling und in der 4x100-Meter-Freistilstaffel in die WM startet, seine Zeit von Berlin wiederholen, dürfte es für eine Medaille reichen - möglicherweise die einzige für die deutschen Beckenschwimmer. Denn ohne Steffen auf 50 Meter Freistil sind die Kandidaten für Edelmetall ein Jahr nach dem Olympia-Debakel rar.

Die 4x100-Meter-Freistilstaffel der Frauen hängt sehr von der Leistungsstärke von Britta Steffen ab. Die Weltrekordlerin fühlte sich anscheinend nicht stark genug, das Angebot von Daniela Schreiber anzunehmen und ihren Platz über 50 Meter einzunehmen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass es gar nicht mehr so lange dauert, bis sie nicht mehr kann", mutmaßte Ex-Weltmeister Mark Warnecke, "denn auch gerade mental ist der Sport sehr hart."

Aktivensprecherin Dorothea Brandt (Essen) sprach von einer "sportfachlichen Entscheidung, ich fand es gut, dass diskutiert wurde". Sie selbst war nicht eingebunden. Die 29-Jährige ist nun die deutsche Nummer eins über 50 Meter Freistil. Mit ihrer Zeit von 24,51 Sekunden liegt sie auf Platz fünf der Jahresweltbestenliste. "Mir ist egal, wer neben mir auf dem Block steht", sagte sie.

Außenseiterchancen haben auch Christian vom Lehn (Essen), der vor zwei Jahren Bronze in Shanghai gewann, und der deutsche Rekordhalter Marco Koch (Darmstadt) über 200 Meter Brust sowie der Staffel-dritte der WM 2011, Hendrik Feldwehr (Essen), über 50 Meter Brust. Offizielles Ziel sind drei bis vier Medaillen. Über die Farbe der Medaillen reden wir nicht mehr", sagte DSV-Präsidentin Christa Thiel.

Aufgrund der deutlich entschärften WM-Normen starten in den 40 Entscheidungen 27 deutsche Athleten - zwölf Frauen und 15 Männer. Bei der WM 2011 holten sie fünfmal Bronze. Allerdings fehlt Weltrekordler Paul Biedermann aus gesundheitlichen Gründen.


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Auf Einen BlickFreiwasser-Rekordweltmeister Thomas Lurz stellt sich erneut in den Dienst der Mannschaft. Der 33-Jährige, der am Donnerstag im Hafen von Barcelona mit dem Team WM-Gold gewann, startet auch an diesem Samstag um 8 Uhr über 25 Kilometer. "Für die Mannschaft geht er noch mal rein", sagte Chef-Bundestrainer Henning Lambertz. In der Nationenwertung haben die deutschen Schwimmer noch Chancen auf Platz eins. "Er hat überall Schürfwunden, in den Achselhöhlen rohes Fleisch", berichtete Lambertz und lobte den Würzburger: "Er ist ein fantastischer Athlet." Die deutschen Wasserballer stehen nach einem 9:8-Sieg gegen Rumänien im Achtelfinale. Die Mannschaft von Trainer Nebojsa Novoselac trifft am Sonntag auf Australien. sid