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Die Fronten im Fall Grgic sind verhärtet

Letztes Saisonspiel der HG Saarlouis : Die Fronten im Fall Grgic sind verhärtet

Die HG Saarlouis bestreitet an diesem Samstag ihr letztes Saisonspiel. Das Toptalent will wechseln, wird aber nicht verabschiedet.

Wenn Handball-Drittligist HG Saarlouis an diesem Samstag um 19.30 Uhr gegen den Lokalrivalen TuS Dansenberg in der Stadtgartenhalle sein letztes Saisonspiel bestreitet, ist es für viele Akteure der Gastgeber die definitive Abschiedsvorstellung. Allen voran für HG-Trainer Philipp Kessler, der sich nach fast fünf Jahren im Amt zuletzt – samt Nebengeräuschen (wir berichteten) – mit dem Verein auf eine Trennung verständigt hatte.

„Es ist immer schön, die Saison mit einem Sieg zu beenden. Nach der kräftezehrenden Corona-Zeit gilt das umso mehr. Sollten wir gewinnen, wäre das für die gesamte Truppe ein schöner Abschluss – nicht nur für die, die den Verein verlassen“, sagt der 37-Jährige, der sich nun zwei Monate in Elternzeit begibt und danach als Lehrer sechs Wochen Sommerferien hat: „Auf diese Zeit freue ich mich – ich werde erst mal die Reset-Taste drücken“, sagt Kessler. Wehmut, so glaubt er, werde sich erst später einstellen.

Die Liste der Spieler, die nach dem Spiel gegen Dansenberg offiziell verabschiedet werden, ist lang: Torwart Patrick Schulz, Torjäger Tommy Wirtz (beide HB Düdelingen/Luxemburg), Kapitän Philipp Leist (HC Berchem/Luxemburg), Niklas Louis (HSG Völklingen), Gilles Thierry (HC Dillingen-Diefflen) und Sebastian Hoffmann (Rückzug vom Leistungs-Handball) – doch ein Name fehlt: Marko Grgic, das wechselwillige Toptalent der HG, zählt nicht dazu. „Er möchte uns nach wie vor verlassen – doch obwohl er in unseren Augen ein herausragendes Talent ist, scheint das Interesse anderer Vereine doch nicht so groß zu sein“, sagt Holger Groß, der Vorsitzende der HG Saarlouis.

Bislang habe nur Zweitligist ThSV Eisenach eine Anfrage eingereicht. Jedoch ganz und gar nicht zur Zufriedenheit der HG, die ob Grgics Vertrag bis 2023 auf eine Ablöse pocht: „Eisenach würde ihn nehmen. Die Ablöse, die sie zu zahlen bereit sind, beträgt aber nur ein Fünftel dessen, was wir uns vorstellen“, sagt Groß. Unter diesen Umständen sei man nicht bereit, Grgic ziehen zu lassen. „Er ist von frühester Kindheit an bei der HG ausgebildet worden, hat die gesamte Jugend durchlaufen. Es gibt im Handball zwar keine offizielle Ausbildungsentschädigung, aber wenn nur ein Trinkgeld gezahlt wird, kommen wir uns nicht näher.“

Saarlouis war jahrelang selbst Zweitligist, daher wisse man, welche Gehälter gezahlt werden und was das für eine ganze Saison bedeute, sagt Groß. Sogar die Leihgebühr für den langjährigen Führungsspieler Peter Walz, der Anfang 2021 nach Eisenach transferiert wurde – und nicht mehr zurückkehrte –, sei „drei, vier Mal so hoch wie die jetzt für Grgic gebotene Ablöse“ gewesen. Daher wird die HG „warten, bis ein realistisches Angebot kommt. Ansonsten sind wir nicht bereit, die Freigabe zu erteilen“, sagt Groß, der nochmals betont: „Am liebsten würden wir Marko weiter bei uns sehen.“ Ob es so kommt, darf bezweifelt werden. Die Fronten sind verhärtet. Der Spieler hat zur Klärung laut Verein inzwischen einen Rechtsbeistand bemüht.

Immer noch keine Neuigkeiten gibt es bei der HG in Sachen Trainer-Nachfolge. „Wir sind nach wie vor dabei auszuloten, wer am besten zum Team passt“, sagt Groß. Der sportliche Leiter der Saarlouiser Mathias Ecker betont: „Wir wollen uns diesbezüglich absolut nicht unter Druck setzen. Wir sind in Gesprächen – mehr gibt es nicht zu sagen.“ Dass die weiterhin offene Trainer-Frage für die Kaderplanung nicht förderlich ist, wo ja auch noch einige Lücken zu schließen sind, dürfte allen klar sein.

Zum Umstand, dass der HG Saarlouis im Saarland mit dem finanzstarken Oberligisten TV Homburg ein neuer Konkurrent erwächst, der mit dem Ex-Saarlouiser Yves Kunkel von Bundesligist MT Melsungen einen absoluten Kracher nebst weiteren starken Zugängen verpflichtete, sagt Ecker: „Für den Handball im Saarland kann das nur gut sein – Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Mitbieten konnte die HG bei Kunkel nicht. „Dazu haben wir nicht das nötige Kleingeld“, sagt Ecker.

Der HG-Vorsitzende Groß blickt trotz allem optimistisch nach vorne. Mit den Zugängen Branimir Koloper (von Zweitligist TuS Ferndorf) und Torwart Daniel Schlingmann (TSG Haßloch) sowie den eigenen Talenten sei man „sehr gut aufgestellt. Ich bin zuversichtlich, dass wir nächste Saison eine sehr gute Runde spielen werden“ – am Samstag soll im Derby gegen den feststehenden Pokalrunden-Sieger Dansenberg aber erst mal der dritte Erfolg in Folge her.