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Die Frau der Ringe greift wieder an

Die Frau der Ringe greift wieder an

Hamburg. Olympia hat sie heulend im Fernsehsessel verfolgt und vor Frust fast in den Tisch gebissen. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin will Franka Dietzsch am Abend des 21. August 2009 ein letztes Mal Chefin im Ring sein. "Anfang Dezember beginnt das gezielte Wintertraining

Hamburg. Olympia hat sie heulend im Fernsehsessel verfolgt und vor Frust fast in den Tisch gebissen. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin will Franka Dietzsch am Abend des 21. August 2009 ein letztes Mal Chefin im Ring sein. "Anfang Dezember beginnt das gezielte Wintertraining. Dann starte ich meine Vorbereitung auf die vierte Goldmedaille", sagte die dreimalige Diskuswurf-Weltmeisterin. Typisch Franka Dietzsch. Vom völlig verkorksten Sommer und dem geplatzten Olympia-Traum lässt sich die 40-Jährige nicht entmutigen. Ihre Devise gilt: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Sie sagt: "Olympia 2008 ist vorbei. Ich blicke nicht mehr zurück, nur noch nach vorn." Ein großes, ein letztes Ziel hat sie noch: Bei der "Heim-WM" eine Medaille holen. Es darf auch Gold sein.

Wer sie kennt, weiß: Das ist kein Traum. Dafür quält sich die zehnmalige deutsche Meisterin schon wieder, obwohl sie immer noch nicht richtig fit ist. Vor allem der linke "Problemfuß" macht ihr zu schaffen. Seit Mai hat sie Schmerzen beim Werfen. Ärzte sind ratlos, in einer Woche muss sie aus dem Ring noch einmal in die "Röhre". Vielleicht wissen die Spezialisten nach der Computer-Tomographie mehr. Der Fuß "ist meine Schwachstelle", doch Stärken bleiben der Weltklasse-Diskuswerferin noch genug: Selbstvertrauen, Trainingsfleiß und Zielstrebigkeit.

Sie ist ein Kämpfer-Typ. In dieser Sommersaison hat sie sich seit Mai ganze fünf Tage Urlaub auf Mallorca gegönnt. Die "Leichtathletin des Jahres" 2007 will in Schwung bleiben. "Eine Pause ist genau der falsche Weg. Ich kann mich nicht faul auf den Sack legen. Mein Trainer sagt immer, ich muss etwas für mein Herz tun", verrät Dietzsch. Und sie tut etwas. Nach drei Wochen Reha im August in Altenberg hat sich die "Frau der Ringe" wieder in Schwung gebracht. Auf die 40-Kilometer-Radrunden um den heimischen Tollensesee nimmt sie gern mal ihren Trainer Dieter Kollark oder Kugelstoß-Europameister Ralf Bartels mit: "Sonst wäre mir das zu langweilig." Doch in Begleitung schaltet sie schon mal einen Gang zurück. "Ich will ja nicht zur Tour de France", sagt Dietzsch schmunzelnd: "Meine Kräfte brauche ich bei der WM."

Wird das Diskuswurf-Finale am 21. August nach WM-Gold in Sevilla (1999), Helsinki (2005) und Osaka (2007) noch einmal der Abend der Franka Dietzsch? Bundestrainer Herbert Czingon glaubt an die 69,51-Meter-Werferin: "Ich rechne fest mit dem Duo Dietzsch/Kollark in Berlin."

Dietzsch zählt zur deutschen Mannschaft, obwohl sie das Olympia-Jahr wegen Krankheit und Verletzung abschreiben musste und den Diskus nicht über die 60-Meter-Marke warf. Im WM-Finale soll die Ein-Kilo-Scheibe noch einmal in Medaillenregionen segeln.