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Die Fifa auf ihrem Höllenritt

Die Fifa auf ihrem Höllenritt

In der öffentlichen Wahrnehmung versinkt die Fifa nach dem Rücktritt von Michael Garcia, dem Chefermittler der internen Korruptions-Affäre, im Chaos. Der mächtige Weltverband beurteilt das aber ganz anders.

Kopflos ins Chaos : Nach dem Rücktritt von Chefermittler Michael Garcia ist die Aufklärung der Korruptionsvorwürfe im Fußball-Weltverband Fifa endgültig ad absurdum geführt. Der Mafia-Jäger aus den USA war vor zwei Jahren geholt worden, um die Glaubwürdigkeitskrise öffentlichkeitswirksam zu beenden - mit seiner harschen öffentlichen Kritik am "System Fifa" hat er sie verschärft. "Die Fifa hat sich in die Hölle manövriert", sagte Anti-Korruptions-Kämpferin Sylvia Schenk gestern: "Da ist unfassbar schlecht gemanagt worden. Und das zeigt erneut: Präsident Joseph Blatter hat seinen Laden nicht im Griff, die Fifa zerbröselt vor unseren Augen."

Der frühere US-Bundesanwalt Garcia war am Mittwoch zurückgetreten, weil sein Einspruch gegen die in seinen Augen fehlerhafte Auswertung der Korruptionsuntersuchung aus formalen Gründen abgeschmettert worden war. "Kein unabhängiges Komitee, kein Ermittler oder Schiedsgericht kann die Kultur einer Organisation ändern", sagte Garcia.

Damit steht weiterhin das Urteil des deutschen Richters Hans-Joachim Eckert, Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der Ethikkommission: Bei den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 wurde nicht betrogen. Zumindest nicht in dem Maße, dass eine Neuvergabe zu rechtfertigen wäre. "Ich gehe nach wie vor davon aus, dass Eckert Mist gebaut hat", sagte Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International .

In der Fifa-Führungsebene wurde der Garcia-Rücktritt mehr oder weniger gelassen aufgenommen. "Ich bin überrascht", ließ Blatter mitteilen. Im gleichen Atemzug verkündete der Fifa-Präsident: Die Ermittlungen werden auch ohne Garcia weitergehen. Voraussichtlich wird das Exekutivkomitee, das derzeit in Marrakesch tagt, dessen Stellvertreter Cornel Borbely (Schweiz) als Interims-Chef ernennen.

"Die Ethikkommission ist insoweit nicht handlungsunfähig", sagte dagegen Schenk: "Wenn ich die Fifa als Organisation nehme, also nicht die momentan handelnden Personen, könnte die Krise nützlich sein. Der Druck steigt."

Profitieren davon könnten die Europäer, die seit Monaten Opposition gegen Blatter spielen. "Wir wollten Transparenz, aber dies ist ein erneutes Versagen der Fifa", sagte Uefa-Präsident Michel Platini . Der britische Fifa-Vize Jim Boyce zeigte sich "total schockiert" und forderte erneut die Veröffentlichung des kompletten 430-seitigem Garcia-Reports.

"Das beschädigt die Fifa", sagte Boyce: "Michael Garcia ist jemand mit einer enorm hohen Glaubwürdigkeit. Er muss sich in manchen Dingen sehr, sehr sicher gewesen sein, wenn er diesen Schritt geht. Es wäre viel besser gewesen, wenn Garcia selbst die Möglichkeit zur Veröffentlichung gehabt hätte, als er dies selbst tun wollte."

Die Verbände der Europäischen Fußball-Union (Uefa) werden sich wohl im Januar beraten, ob sie einen Kandidaten für die Fifa-Präsidentenwahl am 29. Mai 2015 aufstellen. Blatter hatte längst angekündigt, für seine dann fünfte Amtszeit zu kandidieren. "Im nächsten Jahr soll ein 79-Jähriger erneut gewählt werden, der die letzten vier Jahre gezeigt hat, dass er weder Glaubwürdigkeit, noch Ruhe in die Fifa bringen kann? Das ist Harakiri", sagte Schenk. Vielen spricht sie aus der Seele.