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"Die fahren auf einem anderen Planeten"

"Die fahren auf einem anderen Planeten"

Melbourne. Brawn GP machte nicht einmal ernst, der Formel-1-Konkurrenz ist schon nicht mehr zum Lachen zumute: Der Doppelerfolg von Jenson Button und Rubens Barrichello in den Autos des Emporkömmlings beim Großen Preis von Australien lässt verunsicherte Rivalen zurück. "Die fahren auf einem anderen Planeten", staunt Ferrari-Pilot Felipe Massa

Melbourne. Brawn GP machte nicht einmal ernst, der Formel-1-Konkurrenz ist schon nicht mehr zum Lachen zumute: Der Doppelerfolg von Jenson Button und Rubens Barrichello in den Autos des Emporkömmlings beim Großen Preis von Australien lässt verunsicherte Rivalen zurück. "Die fahren auf einem anderen Planeten", staunt Ferrari-Pilot Felipe Massa. Dabei gaben Button und Barrichello in Melbourne nicht mal Vollgas. "Brawn hat noch nicht alles gezeigt", befürchtet Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. BMW-Kollege Mario Theissen vermutet: "Sie haben einen Vorsprung herausgefahren und sind nach meiner Einschätzung dann vom Gas gegangen." Was Sebastian Vettel bestätigt. "Sie haben mit uns gespielt", sagt der Red-Bull-Pilot, der auf Rang zwei liegend nach einem Unfall ausschied.

Nach der Machtdemonstration des im letzten Moment geretteten Honda-Nachfolge-Rennstalls von Teamchef und Mitbesitzer Ross Brawn droht eine einseitige Saison. Erinnerungen an die Ferrari-Herrschaft unter Michael Schumacher 2001, 2002 und 2004 werden wach. Damals technischer Direktor: Ross Brawn.

Beim Rennen am kommenden Sonntag (8 Uhr/RTL) in Sepang winkt die nächste Demütigung. "Wir müssen uns schnell verbessern", fordert daher Vize-Weltmeister Massa. Doch Ferrari steht wie alle anderen Teams vor dem Problem: "Wenn man drei oder vier Zehntelsekunden zurück ist, dann ist es immer möglich, aber bei einer Sekunde ist das sehr schwer." Daher laufen die Denk- und Rennfabriken der Brawn-Konkurrenz auf Hochtouren. Mit dem neuen Testverbot während der Saison wird es aber schwieriger, einen Rückstand wettzumachen. Auch sollten sich die Teams nicht darauf verlassen, dass der Automobil-Weltverband im Aerodynamik-Streit um den Doppel-Diffusor Brawn GP sowie die mitbeklagten Williams und Toyota ausbremst.

"Brawn hat 15 Monate Entwicklungsarbeit", stellte Haug fest, dessen Team McLaren-Mercedes mit Rang drei von Weltmeister Lewis Hamilton glimpflich davonkam und der Brawn GP gegen mit Motoren beliefert ("Der Kunde war heute König"). Die Vorbereitungszeit hatten vor allem die Silberpfeile und Ferrari wegen des bis zur letzten Kurve ausgetragenen Titelduells 2008 nicht. Ferrari-Berater Schumacher sagt dazu: "Die mussten zweigleisig fahren. Das nimmt gerade bei so signifikanten Regeländerungen mehr Kapazitäten weg, als allen lieb ist. Das ist jetzt die Konsequenz daraus." Schlagen kann sich Brawn GP also derzeit scheinbar nur selbst. "Ich bin absichtlich sehr langsam gefahren, um auf die Reifen achten zu können", sagte denn auch Button - in den Ohren der Rivalen muss das wie Hohn klingen. dpa

Auf einen Blick

Pressestimmen:

England: "Daily Mail": "Button gewann das Rennen, von dem er glaubte, er könne bei ihm erst gar nicht starten." "The Times": "Die gewiefte Fahrt des Briten bringt ihm erst seinen zweiten Grand-Prix-Sieg ein, könnte aber der Beginn einer neuen Motorsport-Weltordnung einläuten." "The Independent": "Der erstaunliche Erfolg des Briten bestätigt die Befürchtungen der Rivalen."

Italien: "La Gazzetta dello Sport": "Riesenenttäuschung bei Ferrari. Was für ein K.o.. Ob Brawns Sieg wirklich ein Sieg war, werden wir erst am 14. April in Paris wissen." "Lunità": "Ex-Ferrari-Mann Brawn erteilt mit seiner Neuschöpfung eine Lehrstunde. Desaster für Ferrari."

Spanien: "El País": "Der Doppelsieg des Neulings Brawn GP ist ein Beweis dafür, dass Klugheit, Geschick und Sachkenntnis manchmal mehr wert sind als Geld."

Frankreich: "Le Parisien": "Button hat nach zwei Jahren Hamilton-Wahnsinn bewiesen, dass es noch einen anderen Briten am Start gibt." "Libération": "Wie erwartet hat das neue Regelwerk die Hierarchie in der Formel 1 ins Wanken gebracht." dpa