Die ewige Zweite

Geelong. Sehr enttäuscht sei sie nicht, beteuerte Judith Arndt. Von vollster Zufriedenheit konnte bei der 34-jährigen Leipzigerin aber auch nicht die Rede sein, nachdem sie bei der Rad-Weltmeisterschaft in Australien wieder einmal ihrem Ruf als "ewige Zweite" alle Ehre gemacht hat

Geelong. Sehr enttäuscht sei sie nicht, beteuerte Judith Arndt. Von vollster Zufriedenheit konnte bei der 34-jährigen Leipzigerin aber auch nicht die Rede sein, nachdem sie bei der Rad-Weltmeisterschaft in Australien wieder einmal ihrem Ruf als "ewige Zweite" alle Ehre gemacht hat. Im Zeitfahren unterlag sie gestern der Britin Emma Pooley, die den 22,8 Kilometer langen Kurs in Geelong in 32:36,20 Minuten zurücklegte. 15,17 Sekunden fehlten Arndt zu ihrem ersten WM-Titel im Kampf gegen die Uhr. Andererseits hätte sie sich beinahe mit Bronze zufriedengeben müssen, nur 62 Hundertstel trennten Arndt von der Drittplatzierten Linda Melanie Villumsen aus Neuseeland.

"Es ist schon schön, eine Medaille zu gewinnen", sagte Arndt, "aber ich scheine immer wieder und wieder Zweite zu werden - ich weiß auch nicht, warum". Auf dem kalten, windigen und anspruchsvollen Kurs 70 Kilometer südwestlich von Melbourne mit Anstiegen, die Arndt als "ziemlich fies" charakterisierte, gab sie alles - aber es war nicht genug, um die Britin zu bezwingen, die 2008 Olympia-Silber geholt hatte. Arndt lebt seit einiger Zeit auf dem fünften Kontinent. Immerhin war sie mit ihrer Vorstellung zufrieden: "Technisch war es ein gutes Rennen von mir. Für mich wäre es aber besser gewesen, wenn es ein paar Grad wärmer gewesen wäre." Im australischen Frühling ist es in diesem Jahr ungewöhnlich kalt.

Für das erste deutsche Ausrufezeichen hatte davor Marcel Kittel gesorgt: Von den Temperaturen und dem zum Teil nassen und seifigen Kurs ließ sich der U23-Fahrer nicht beeindrucken. Hinter Taylor Phinney aus den USA, Sohn der früheren Weltklasse-Radprofis Davis Phinney und Connie Carpenter, und dem Australier Luke Durbridge fuhr er zu Bronze. 24,01 Sekunden betrug sein Rückstand nach 31,6 Kilometer auf den Sieger. "Letztes Jahr bin ich knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt, jetzt bin ich sehr glücklich", sagte der Arnstädter. Bei der WM 2009 in der Schweiz war er auf Platz vier gelandet, diesmal bewahrten ihn 3,96 Sekunden vor dem gleichen Schicksal. "Der Kurs war sehr hart, vor allem im zweiten Teil. Ich hatte Probleme, meinen Rhythmus zu finden, aber letztendlich habe ich alles aus mir rausgeholt", sagte Kittel. dpa