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Olympische Winterspiele in Südkorea
Die erste Nullrunde seit 2006 droht

Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen legte sich auch im olympischen Super-G mächtig ins Zeug, hatte am Ende aber gut eine Sekunde Rückstand auf den Sieger Matthias Mayer und belegte Platz zwölf.
Kitzbühel-Sieger Thomas Dreßen legte sich auch im olympischen Super-G mächtig ins Zeug, hatte am Ende aber gut eine Sekunde Rückstand auf den Sieger Matthias Mayer und belegte Platz zwölf. FOTO: dpa / Luca Bruno
Pyeongchang. Am Tag der Favoritenstürze mit den Siegen von Matthias Mayer im Super-G und Frida Hansdotter im Slalom gehen die Deutschen leer aus.

Thomas Dreßen und die anderen geschlagenen deutschen Abfahrer packten am Tag der Favoritenstürze im Super-G und beim Slalom der Frauen tortz allem zufrieden ihre Koffer. Doch weil sich darin trotz ordentlicher Auftritte keine Medaille befand, wollte Cheftrainer Mathias Berthold ihr Fazit nicht teilen. „Wir stehen nach drei Rennen ohne Medaillen da, daher sind wir nicht ganz happy“, sagte er.


Schlimmer noch: Während Matthias Mayer aus Österreich nach seinem Triumph auch über die favorisierten Norweger jubelte und Frida Hansdotter (Schweden) beim Debakel für „Wunderkind“ Mikaela Shiffrin ihr Gold feierte, droht den DSV-Alpinen erstmals seit 2006 eine Nullrunde. „Wir haben schon gehofft, dass der eine oder andere einen guten Lauf runterbringt“, sagte Berthold. Olympia in Pyeongchang, ergänzte er, kam „vielleicht ein Jahr zu früh“. Platz acht und zwölf durch Andreas Sander und Dreßen – das war zwar die beste Leistung deutscher Ski-Rennläufer im Super-G seit 1994 (Gold durch Markus Wasmeier). Insgeheim, das machte Bertholds Aussage klar, hatten sie nach den Rängen neun und fünf von Dreßen in Kombination und Abfahrt aber auf mehr gehofft.

Dreßen widersprach. „Ich habe in den Zeitungen was von Medaillen gelesen“, sagte der Sieger von Kitzbühel, „aber man muss die Kirche im Dorf lassen.“ Außerdem sei der Super-G einfach unberechenbar, oder, wie Dreßen sagte: „Eine Drecksau.“ Und die, die schneller waren, meinte der 24-Jährige, „das sind ja keine Nasenbohrer“. In der Tat: Mayer holte nach dem Abfahrtssieg 2014 als zweiter Ski-Rennläufer nach Aksel Lund Svindal (Norwegen) das Doppel. Zweiter wurde Beat Feuz (Schweiz), der Abfahrtsdritte von Pyeongchang, vor Kjetil Jansrud (Norwegen), der tags zuvor Silber gewonnen hatte.



Berthold tröstete sich damit, dass seine Jungs in Südkorea „sehr wertvolle Erfahrungen“ gesammelt hätten, blickt aber mit Sorgen auf die Techniker-Woche. „Es tut uns natürlich sehr weh, dass Felix Neureuther und Stefan Luitz fehlen. Wir zählen nicht zum Favoritenkreis“, sagte er, aber: „Man hat immer eine Chance.“

Anders als die Slalom-Fahrerinnen. Platz 19 durch Marina Wallner, Christina Geiger und Lena Dürr ausgeschieden – kurz: das schlechteste Ergebnis bei Olympia überhaupt. „Es ist einfach ernüchternd“, sagte Cheftrainer Jürgen Graller, „da gehören klare Worte gesagt.“ Ein knappes Jahr ist er nun im Amt, aber „wir marschieren immer noch am Stand“. Viktoria Rebensburg, das immerhin, habe den bitteren vierten Platz im Riesenslalom abgeschüttelt, „das kann ich unterschreiben“.

Unterschrieben hätte er vor dem Slalom auch Gold für Shiffrin. Doch die nach ihrem Gold im Riesenslalom 24 Stunden zuvor angeschlagene Amerikanerin, die sich vor dem Start übergab, wurde nur Vierte. „Ich war heute einfach nicht ich selbst“, sagte sie. Anders als Hansdotter, die „ewige Zweite“, die in Tränen aufgelöst schluchzte: „Die Beste der Welt zu sein, das ist total verrückt.“