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Die Erlebnisse des Robert Roelofsen

Saarbrücken. Ein Co-Trainer mit einem Sturmgewehr im Auto, Auswärtsspiele in 6000 Kilometer Entfernung – wenn Robert Roelofsen über einige Stationen seiner Trainierkarriere erzählt, steht einem manchmal der Mund vor Staunen offen. Patric Cordier

"Vielen Dank für Ihr Interesse", sagt Robert Roelofsen, der neue Co-Trainer beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken , nach dem ersten Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. Zuvorkommend ist der 46-jährige Niederländer, bodenständig. Das hat Gründe: "Ich war im Fußball ganz weit oben, kenne aber auch die andere Seite. Ich habe in Trier als Lehrer in einer Gesamtschule und in Holland im Gefängnis gearbeitet. In Luxemburg habe ich in einem Sportgeschäft Trikots verkauft, als ich keinen Job im Fußball hatte."


Beim Bundesligisten VfL Wolfsburg war er Co-Trainer unter Klaus Augenthaler , dann kam Felix Magath . In Rostock arbeitete er kurz mit dem heutigen FCS-Trainer Dirk Lottner zusammen, war für zwei Spiele Interims-Chef. Und dann wieder raus. "Das ist, wie wenn du in einem ICE sitzt und in der Kurve aus dem Fenster fliegst", beschreibt er die Achterbahn.

Doch er ist keiner, der dem Schnellzug hinterher rennt. Er sucht sich lieber "exotische" Nebenstrecken. "Ich habe in 15 Ländern mit Spielern aus 35 verschiedenen Nationalitäten zusammenarbeiten dürfen." Dass dabei unzählige Geschichten und Erlebnisse zusammenkommen, ist kein Wunder. "Als ich bei Al-Ahly Tripolis als Jugendtrainer gearbeitet habe, hatte der Co-Trainer ein Sturmgewehr im Auto . Oder bei Bintang Medan in Indonesien - da hatten wir richtige Auswärtsspiele. Zu einem sind wir 6000 Kilometer geflogen. Nur der Hinweg."



Der letzte Flug war von den Färöer-Inseln. "Dort wird es höchstens zwölf Grad warm. Man verwendet die meiste Energie darauf, den Körper warm zu halten", spricht Roelofsen von seiner Station bei TB Tvöröyri, die jäh endete: "Dirk Lottner hat angerufen und gefragt, ob ich mir das mit Saarbrücken vorstellen könnte." Er konnte.

Als Spieler reichte es für ihn nicht ganz nach oben. Aber im Fußball wollte er trotzdem bleiben. "Als Rinus Michels 1988 den EM-Pokal hoch hielt, war mir klar: ich will auch Trainer werden." Michels, van Gaal, Stevens, van Marwijk - große niederländische Trainer, die auch in Deutschland gearbeitet haben. "Wir sind ein kleines Land und müssen aus wenig viel machen. Darum hatten niederländische Trainer schon immer eine Spielphilosophie." Das dürfe man aber nicht mit System verwechseln. "Das muss zur jeweiligen Mannschaft passen", sagt er, "in Saarbrücken haben wir eine sehr wissbegierige Mannschaft. Das macht Spaß. Ich bin ein lockerer Typ, aber die Jungs müssen merken, wann ernsthaft zu arbeiten ist." Die Zusammenarbeit mit Lottner beschreibt er so: "Wir haben ähnliche Ansichten, sprechen alles durch. Ich sehe meine Aufgabe auch darin, dem Cheftrainer Alternativen anzubieten."

Roelofson ist verheiratet, seine Frau lebt mit den drei "Liebeskindern - Stiefkinder klingt so grausam" in den Niederlanden. Auch wegen der Nähe zu ihnen entschied sich Roelofsen für den FCS. "So lange ich hier bin, werde ich immer Vollgas geben - gerne die nächsten fünf Jahre."