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Die Eidechse auf dem Eis begeistert sogar die Konkurrenz

Shanghai. Viel bessere Bedingungen als der Spanier Javier Fernandez kann ein Eiskunstläufer kaum haben. Er suchte sich den besten Trainer, ging nach Toronto und wurde Weltmeister. Die deutschen Teilnehmer enttäuschten. Agentur

Kein Osterhase aus Schokolade war vor Javier Fernandez sicher. Ziemlich gut gelaunt, mampfend und mit viel Charme überstand der erste spanische Eiskunstlauf-Weltmeister die 60-minütige Pressekonferenz um Mitternacht in Shanghai . "Die Goldmedaille übersteigt meine höchsten Träume. Wissen Sie, meine erste kleine Trainingshalle in Madrid ist heute ein Restaurant", erklärte der Wintersport-Exot und brachte Konkurrenten, Trainer und Reporter zum Lachen. Die spanische Presse feierte ihn als "Eidechse auf dem Eis". Er war stets unruhig in der Schule, seine Kameraden gaben ihm den Spitznamen.

Mit einer Liebeserklärung an seine japanische Freundin Miki Ando beendete Fernandez die Fragestunde: "Sie ist eine zweimalige Weltmeisterin, sie hilft mir und ein Stück der Medaille gehört ihr." Wegen der Affinität zu Asien und seines großen Show- und Sprungtalents nahmen es ihm die 17 000 Zuschauer im Oriental Sports Center auch nicht übel, dass er als "Barbier von Sevilla" erstmals Olympiasieger und Trainingskollege Yuzuru Hanyu übertrumpfte. Die beiden Kumpel lagen sich hinterher vor Freude in Armen.

Kurios war die Situation für Ex-Weltmeister Brian Orser, der an der Bande mit beiden mitfieberte. "Mein Coach ist wie mein Vater, mein Freund und mein Feind. Er bringt mir Medikamente, wenn ich krank bin und kocht für mich", erzählte Fernandez. Deshalb verließ der Anhänger von Real Madrid früh seine Heimat Richtung Toronto . Orser soll ihn zum Olympiasieger 2018 machen. "Ich versuche, diesen schönen Sport in Spanien zu entwickeln und ich versuche, selbst darin zu wachsen", sagte der 23-Jährige.

Peter Liebers schaute genau hin, wie der Südeuropäer triumphierte. "Er leidet sehr", sagte Trainerin Viola Striegler über den Berliner, der sein Repertoire in der Kür nicht mehr zeigen durfte. Mehrmals im Jahr nimmt der 26-Jährige Choreographie-Unterricht in Toronto . "Wir werden weitere Kooperationen mit den Kanadiern eingehen, denn wir müssen richtig wirbeln", sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union. Das tut auch Not, denn das deutsche Gesamtergebnis in China mit ausschließlich vorletzten Plätzen ist alles andere als ein Ruhmesblatt.