| 20:32 Uhr

Die deutsche Achse und die jungen Wilden

Etienne Kinsinger bejubelt den Einzug ins Finale bei der Junioren-WM. Den Endkampf verlor er unglücklich gegen den Kirgisen Hasan Sulaimanov mit 1:2. Aufgrund des Starts bei der Weltmeisterschaft in Frankreich fehlt er dem KSV Köllerbach zum Bundesliga-Saisonauftakt. Foto: Caliskan/DRB
Etienne Kinsinger bejubelt den Einzug ins Finale bei der Junioren-WM. Den Endkampf verlor er unglücklich gegen den Kirgisen Hasan Sulaimanov mit 1:2. Aufgrund des Starts bei der Weltmeisterschaft in Frankreich fehlt er dem KSV Köllerbach zum Bundesliga-Saisonauftakt. Foto: Caliskan/DRB FOTO: Caliskan/DRB
Köllerbach. Am Samstag um 19.30 Uhr ist Weingarten zum Bundesliga-Auftakt zu Gast beim KSV Köllerbach. Der hat an seinen Problem-Zonen gearbeitet. Insbesondere die 66-Kilogramm-Klasse wurde aufgerüstet. Patric Cordier

"Das Kribbeln steigt, aber genau darum ist es auch gut, jetzt den Kopf noch einmal frei zu bekommen", sagt Thomas Geid , Mannschaftsverantwortlicher beim Ringer-Bundesligisten KSV Köllerbach im Kurzurlaub in Österreich: "Aber keine Angst. Ich stehe täglich im Kontakt mit der Mannschaft und dem Trainerstab." Am kommenden Samstag um 19.30 Uhr startet der KSV mit Geid am Mattenrand mit dem Kampf gegen Germania Weingarten im Püttlinger Trimm-Treff in die neue Saison.


"Weingarten ist Topfavorit für den Titel. Aber auch Aalen, Ispringen und Nendingen sollte man nicht vergessen", sagt Geid. Und: "Da ist richtig Geld im Spiel. Weingarten hat beispielsweise Weltmeister Frank Stäbler von Nendingen abgeworben. Das sagt einiges aus. Alle Mannschaften haben sich richtig verstärkt. Da wird jeder Kampf auf Halbfinal-Niveau stattfinden." Beim KSV hat man an "Problem-Zonen" gearbeitet. Etwa in der 66-Kilogramm-Freistilklasse, wo Martin Daum und Enkhsaikhany Nyam-Ochir die Erwartungen ebenso wenig erfüllten wie Armands Zvirbulis und Georgi Sredkov in der 86- Kilogramm-Freistilklasse. "Für die 66-Kilo-Klasse haben wir Olympia-Teilnehmer Vladimir Dubov aus Mömbris verpflichtet. Dazu kommt der Saarländer Nico Zarcone aus Riegelsberg, der für erste und zweite Mannschaft vorgesehen ist", sagt Geid: "Für die 86-Kilo-Klasse konnten wir den Russen Dauren Kurugliev und für die Rückrunde den Ungarn Istvan Vereb ebenfalls aus Mömbris für uns gewinnen. Da erhoffen wir uns deutliche Impulse und natürlich mehr Punkte."

Durch eine Beckenverletzung von Tarik Belmadani musste der KSV Köllerbach auch in der 66-Kilogramm-Klasse im klassischen Stil nachlegen. "Da hat Marc Antonio von Tugginer in der vergangenen Saison jeden Samstag Gewicht und gute Kämpfe gemacht. Aber diese Dauerbelastung kann man keinem Sportler zumuten", erklärt Geid: "Mit dem Bulgaren Alexander Kostadinov aus Aachen haben wir jetzt mehr Variationsmöglichkeiten." Kostadinov kann mit Etienne Kinsinger auch die darunter liegende Gewichtsklasse bis 61 Kilogramm abdecken. Kinsinger wird zum Saisonauftakt fehlen. Er startete bei der Junioren-WM im französischen Macon, wo der 19-Jährige am Dienstagabend Vizeweltmeister wurde (wir berichteten). Ansonsten setzt der KSV auf die bewährte deutsche Achse um die Routiniers Jan Fischer und Andrej Shyyka sowie die "jungen Wilden" Timo Badusch und Kinsinger.



Dass die Ringer-Bundesliga an diesem Wochenende mit acht Vereinen überhaupt startet, war lange nicht abzusehen. Abspaltungsgerüchte der Liga vom finanziell angeschlagenen Deutschen Ringer-Verband (DRB) sorgten für viele Schlagzeilen. "Da waren sicher gute Ansätze dabei, aber insgesamt war das alles nicht zu Ende gedacht", findet Geid. Und er erläutert: "Die Frage, wo die Schiedsrichter herkommen, war beispielsweise nicht gelöst. Oder dass die Lizenzen ausländischer Ringer alle über den DRB laufen müssen."

Die Liga startet nun, die ersten vier Clubs werden in Hin- und Rückkampf die Halbfinals austragen. Dann folgen zwei Finalkämpfe in jeweils zehn Gewichtsklassen bei den jeweiligen Teilnehmern und ein dritter, ausgerichtet vom DRB in Aschaffenburg mit 14 Gewichtsklassen. Geid bewertet diese Regelung mit einer Mischung aus Lächeln und Kopfschütteln: "Ehrlich, ich bin kein Freund dieses dritten Finalkampfes." Dass der KSV Köllerbach es bis ins Finale schafft, hält Geid für "nicht unmöglich, denn es muss ja immer erst einmal gerungen werden. Aber wir sollten die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Platz vier wäre sicher schon ein Erfolg."