Handball-WM in Deutschland beginnt: Die Chefin will ihr Team zur Medaille führen

Handball-WM in Deutschland beginnt : Die Chefin will ihr Team zur Medaille führen

Die deutschen Handball-Frauen um Kapitän Anna Loerper starten heute in Leipzig gegen Kamerun in die Heim-WM.

Der Trophäenschrank von Anna Loerper soll bei der Heim-WM endlich aufgefüllt werden. „2007 war ein ganz tolles Erlebnis, die Bronzemedaille zu gewinnen. Jetzt, zehn Jahre später, wollen wir wieder Edelmetall holen“, sagt Deutschlands Handballerin des Jahres vor dem WM-Auftakt gegen Kamerun und fügt mit einem Lachen hinzu: „Ich habe für alles Platz.“

Loerper soll die DHB-Auswahl heute (19 Uhr/Sport1) in Leipzig zu einem siegreichen Start der Medaillen-Mission führen. Die 33-Jährige ist mit 235 Länderspielen die erfahrenste Spielerin im deutschen Team und zugleich Kapitän. „Sie ist unser Kopf, führt die Mannschaft überragend gut und entwickelt sich in dieser Rolle immer weiter“, lobt Bundestrainer Michael Biegler die Regisseurin vom deutschen Vizemeister TuS Metzingen.

Einen vor vier Wochen erlittenen Muskelfaserriss hat Loerper auskuriert, nun brennt sie wie die gesamte Truppe auf den WM-Start. „Wir können selbstbewusst in das Turnier gehen. Natürlich wird auch etwas Nervosität dabei sein, aber die wollen wir so gering wie möglich halten“, erklärt Loerper. Sie selbst gibt sich ganz entspannt, ist es doch bereits ihr 14. großes Turnier. „Meine erste WM war 2005 in Russland“, erzählt Loerper: „Da bin ich unbefangen reingegangen, habe mir gar keine Gedanken gemacht. Ich hatte ja erst kurz zuvor mein erstes Länderspiel absolviert. Das ging alles so schnell für mich, da hatte ich wenig Zeit zum Nachdenken.“

Seither war die Diplom-Sportwissenschaftlerin bei allen Welt- und Europameisterschaften sowie 2008 bei Olympia in Peking dabei. Aus den gesammelten Erfahrungen hat sie viel mitgenommen. „Dadurch kann ich natürlich besser nachempfinden, was die jungen Spielerinnen jetzt fühlen“, sagt Loerper. Im Team-Hotel oder im Training ist sie deshalb als Ratgeberin gefragt. „Die erfahreneren Spielerinnen versuchen, die jüngeren an die Hand zu nehmen. Wir helfen, wo wir können“, beschreibt sie ihre Aufgabe. Viel zu tun habe sie aber nicht: „Das sind meist nur Kleinigkeiten, weil die Jungen gar nicht viel Unterstützung brauchen, denn sie machen einen tollen Job und das viel reflektierter als ich damals.“

Auf dem Parkett soll Loerper das deutsche Spiel in die richtigen Bahnen lenken. Das wird gegen Kamerun besonders wichtig. „Im Angriff müssen wir eine klare Struktur haben, denn da erwartet uns eine ganze Menge“, prophezeit Bundestrainer Biegler. „Kamerun deckt 3:3, 4:2, 5:1, irgendwas. Das kann ich gar nicht genau beschreiben und definieren. Darauf müssen wir im Spiel Antworten finden – und zwar zügig, ohne aus der Spur zu geraten.“ Loerper ist zuversichtlich, mit der Mannschaft die Auftakthürde zu überspringen. Schließlich soll die Reise bei der Heim-Weltmeisterschaft erst in Hamburg enden, wo Mitte Dezember die Medaillen vergeben werden.