Die Chancenvernichter

Saarbrücken. Freundlich formuliert, hat Fußball-Drittligist 1. FC Saarbrücken nach sieben Spielen ohne Niederlage (zwei Siege, fünf Unentschieden) am vergangenen Samstag zuhause gegen RW Erfurt mit 1:3 (0:2) erstmals wieder verloren. Mehr nicht. Negativer beschrieben, war es das sechste Spiel in Folge ohne Sieg für die Blau-Schwarzen

Saarbrücken. Freundlich formuliert, hat Fußball-Drittligist 1. FC Saarbrücken nach sieben Spielen ohne Niederlage (zwei Siege, fünf Unentschieden) am vergangenen Samstag zuhause gegen RW Erfurt mit 1:3 (0:2) erstmals wieder verloren. Mehr nicht. Negativer beschrieben, war es das sechste Spiel in Folge ohne Sieg für die Blau-Schwarzen. "Ich habe die ganze Zeit gesagt, dass unsere Situation brisant ist", schimpfte FCS-Kapitän Markus Mann, "wir dürfen uns da nicht in die eigene Tasche lügen. Es müssen einige einmal aufwachen", sagte er und verschwand in der Kabine.

Hellwach hingegen war Gegner Erfurt, der auswärts bislang einfach nur ein gern gesehener Punktelieferant war. Erfurt holte bis Samstag gerade mal drei Zähler in fremden Stadien, war die schwächste Auswärtsmannschaft der Liga. Das war bereits nach 51 Sekunden Geschichte. Da hatte Marcel Reichwein zuerst Mann, dann Marc Lerandy aussteigen lassen. Manuel Zeitz kam zu spät und Reichwein schoss ein - 1:0 für Erfurt.

Der FCS zeigte sich zwar wenig geschockt, schockte aber dann mit dem Offenbaren einer Schwäche einmal mehr sehr: Mit der Chancenverwertung. Velimir Grgic scheiterte vor 5000 Zuschauern zunächst an sich selbst (5. Minute), dann an der Torlatte (13.). Auch Stephan Sieger traf den Querbalken (35.), zuvor reagierte RWE-Torwart Dirk Orlishausen bei einem 25-Meter-Schuss des Mittelfeldspielers glänzend. "Wir hatten 100-prozentige, nein, 1000-prozentige Chancen. Da müssen sich einige Führungsspieler mal hinterfragen", ärgerte sich FCS-Trainer Jürgen Luginger (Foto: Hartung) über die ungenügende Chancenverwertung. Eine Seuche, die den FCS befallen hat und deren erstes Opfer Nico Zimmermann wurde. Der Mittelfeldmann musste nach 38 Minuten zum Duschen. Er wollte dazu nichts sagen, sein Trainer schon: "Ich erwarte einfach mehr von Zimbo. Was wir aus Standardsituationen rausbekommen, ist einfach zu wenig."

Als Zimbo ging, hatte Erfurt die dritte Chance zum zweiten Treffer genutzt. Tino Semmer vollendete einen Konter, an dem auch der Ex-Saarbrücker Olivier Caillas beteiligt war, zum 2:0-Pausenstand. Semmer war es auch, der mit dem 3:0 (63.) für die Entscheidung sorgte. Bezeichnend für die Verunsicherung der FCS-Offensive war eine Szene in der 72. Minute: Der eingewechselte Giuseppe Pisano hatte Grgic eingesetzt. Der war schon an Orlishausen vorbei, hätte selbst einschießen müssen - oder nach rechts auf Manuel Stiefler passen können. Stattdessen spielte er Pisano an, der im Abseits stand. "So grausam ist Fußball manchmal", sagte Pisano, "wir rennen an, machen Druck, erarbeiten Chancen und bekommen keinen rein. Mario Gomez dreht sich bei Bayern weg, wird angeschossen und trifft". Auch Pisano traf, zum ersten Mal in dieser Saison. Fünf Minuten vor Schluss köpfte er eine Grgic-Flanke ins Netz. Nach 12:4 Chancen hat der FCS mit 1:3 Toren verloren. "Wir müssen den Jungs Selbstvertrauen geben", sagte Luginger, "wir haben ja auch keine anderen hintendran". Fest steht: Der Ruf nach Verstärkungen im Sturm wird lauter. "Wir hatten 100-prozentige, nein, 1000-

prozentige Chancen."

Jürgen Luginger,

FCS-Trainer