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Ex-Nationalspielerin zurück
Die Champions-League-Siegerin kommt heim

Ein prominentes Gesicht als Zugpferd: Selina Wagner wird stellvertretende Abteilungsleiterin der neuen Frauenfußball-Abteilung der SV Elversberg.
Ein prominentes Gesicht als Zugpferd: Selina Wagner wird stellvertretende Abteilungsleiterin der neuen Frauenfußball-Abteilung der SV Elversberg. FOTO: Andreas Schlichter
Elversberg. Die SV Elversberg hat für ihr Frauenfußball-Projekt Selina Wagner verpflichtet. Die Saarländerin kommt vom Bundesligisten SC Sand. Von Heiko Lehmann

Bereits in frühester Kindheit der kleinen Selina war bei Familie Wagner aus St. Wendel schnell klar, dass die Uhren bei ihrer Tochter anders ticken als bei anderen Mädchen im Alter von vier bis sieben Jahren. Da war nicht viel mit Radschlagen, Handstand machen oder dem üblichen Mädchenkram. Bei Selina musste immer ein Ball dabei sein – am besten ein Fußball. „Ich habe damals jeden aus meiner Familie regelrecht genötigt. Jeder der Zeit hatte, musste mit mir in den Garten und Fußball spielen, egal ob Opa, Eltern oder Cousinen, jeder kam mal dran“, erinnert sich Selina Wagner an ihre Kindheit, in der auch Tischtennis, Handball und Leichtathletik eine Rolle spielten. Die absolute Nummer eins war aber immer Fußball.


Heute, mit 27 Jahren, ist die Saarländerin zweimalige Champions-League-Siegerin mit dem VfL Wolfsburg und gewann mit dem Verein auch zweimal die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal. Im Jahr 2010 wurde sie mit der deutschen U20-Nationalmannschaft im eigenen Land Weltmeisterin. „Der WM-Titel war natürlich was ganz Großes, aber der Höhepunkt war im Jahr 2013 beim VfL Wolfsburg. Keiner hatte von uns damals etwas erwartet und dann haben wir das Triple geholt. Das war absolut irre“, blickt die St. Wendlerin zurück.

Bereits in der Jugend stand Selina Wagner jeden Tag auf dem Fußballplatz, kickte in ihrem Heimatverein in St. Wendel mit den Jungs zusammen und parallel bei den Mädchen des FCS. Von 2006 bis 2009 spielte Selina in der Frauen-Bundesliga-Mannschaft des 1. FC Saarbrücken und erzielte als Mittelfeldspielerin in 56 Spielen 28 Tore. „Danach legte man in Saarbrücken keinen besonders großen Wert mehr auf Frauenfußball. Die Mannschaft löste sich größtenteils auf, und fast jede Spielerin konnte sich einen neuen Verein suchen.“ Mit dem VfL Wolfsburg zog die damals 18-Jährige das große Los, wie sich später herausstellte.

Zur kommenden Saison wechselt die 27-Jährige vom SC Sand aus der Frauenbundesliga zur neuen Frauenabteilung der SV Elversberg in die Verbandsliga und wird dort gleichzeitig stellvertretende Abteilungsleiterin. „Es ist für mich genau jetzt der richtige Zeitpunkt dafür. Allerdings muss ich auch sagen, dass das Konzept der SV Elversberg absolut professionell ist und man spürt, dass die SVE im Frauenfußball viel bewegen möchte. Ansonsten hätte ich den Schritt nicht gemacht“, sagt die Medien – und Kommunikations-Management-Studentin, die bereits das Abitur und eine Ausbildung zur Bürokauffrau in ihrer Tasche hat.

Im Männerfußball kommt man mit 27 Jahren gerade in das absolute Topalter und ist auf dem Weg zum Zenit der Karriere. Läuft das bei den Frauen anders?. „Definitiv. Bei den Frauen ist das beste Alter zwischen 20 und 24 Jahren. Mit 27 bin ich schon fast die Älteste“, sagt Selina Wagner. „Frauen verdienen im Fußball nicht das was Männer verdienen und müssen sich von daher frühzeitig um das Leben nach dem Fußball kümmern. Ich habe meine ganze Karriere hindurch gearbeitet und Fußball gespielt. Heutzutage können vielleicht die Topclubs in London, Lyon oder Wolfsburg Gehälter zahlen, damit auch Frauen von Fußball gut leben können. Das war vor wenigen Jahren noch nicht der Fall. Aber so wie bei den Männern ist das bei weitem noch nicht“, erklärt die Saarländerin.



Ab dem kommenden Sommer lebt Wagner wieder in ihrer Heimat und geht das nächste spannenden Projekt in ihrem Leben an. Den saarländischen Frauenfußball ganz nach vorne bringen, wenn möglich sogar in die Bundesliga – das ist das Ziel von Selina Wagner und der SV Elversberg.