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Zukunft des Ringens in Deutschland
Die Bundesliga steuert in unsichere Zukunft

DRB-Präsident Manfred Werner (links) und SRB-Präsident Bernd Wegner diskutieren am Rande des Finales über die Zukunft des Ringens.
DRB-Präsident Manfred Werner (links) und SRB-Präsident Bernd Wegner diskutieren am Rande des Finales über die Zukunft des Ringens. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. Die Ringer ziehen zufrieden Bilanz. Doch es gibt Veränderungen, deren Wirkung abzuwarten bleibt – vor allem beim KSV Köllerbach. Von Patric Cordier

Die Ringer des SV Wacker Burghausen sind erstmals in der Vereinsgeschichte deutscher Mannschaftsmeister. Und erstmals in der Geschichte des Ringens in Deutschland werden sie nicht der einzige Titelträger sein. Denn nach Burghausen, das sich in zwei Finalkämpfen gegen den KSV Köllerbach den Titel des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) sicherte, kämpfen an den kommenden beiden Wochenenden der KSV Ispringen und der VfK Schifferstadt um den Titel in der international nicht anerkannten Deutschen Ringer Liga (DRL). Dort haben sich neben den Finalisten auch die Clubs aus Weingarten, Eisleben und Nendingen zu einer Profi-Liga zusammengeschlossen und dem DRB und der Bundesliga den Rücken gekehrt.



Ein Ende des großen Ringer-Streits scheint entfernter denn je. „Der Vorsitzende von Germania Weingarten hat kürzlich in einem Interview mitgeteilt, dass der DRB kein Gesprächspartner mehr ist. Das lassen wir mal so stehen“, sagt DRB-Präsident Manfred Werner: „Das tut natürlich weh. Aber die Strukturen im deutschen Ringkampfsport geben eine Profiliga einfach nicht her.“ Werner verweist darauf, dass beim DRB das Augenmerk auf der Nachwuchsarbeit in einer olympischen Sportart liege und bei der DRL zumeist ausländische Spitzenathleten auf die Matten gehen. „Wir hatten heuer das erfolgreichste Jahr seit langem. Nicht nur, weil wir vier Medaillen bei den Weltmeisterschaften der Aktiven geholt haben“ sagt Werner: „Wir haben auch 24 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften des Nachwuchses in allen Altersklassen gewonnen.“

Das große Problem sind weiterhin die Finanzen – auch für die vier saarländischen Bundesligisten. Die in diesem Jahr bestehende Etatobergrenze von 150 000 Euro haben der KV Riegelsberg, der AC Heusweiler und der ASV Hüttigweiler wohl sogar gemeinsam nicht erreicht. Köllerbach ging es finanziell besser – doch die Zukunft ist auch beim Vize-Meister offen. „Uns droht der Abstieg ins Mittelmaß“, gesteht der Vorsitzende Hilmar Rehlinger: „Ursapharm als größter Sponsor zieht sich zurück, andere machen weniger. Ich werde kein finanzielles Risiko eingehen.“

Um die Chancengleichheit zu verbessern, wird der DRB für die neue Runde ein Punktsystem einführen, mit dem den Sportlern je nach Herkunft und Leistungsstärke eine Punktzahl zugeordnet wird, deren Addition an einem Kampf­abend 28 nicht überschreiten darf. „Die Bundesliga hat doch Schaden genommen gerade wegen der hohen Zahlungen, die sich nur noch zwei oder drei Vereine leisten konnten. Das neue Punktsystem, das sich zunächst auch erst mal bewähren muss, soll dazu beitragen, dass mehr Vereine oben mitmischen können. Wir werden dieses Punktsystem beobachten und immer schauen, wo wir nachjustieren müssen“, sagt Verbands-Chef Werner und sieht die „neue“ Bundesliga mit drei regionalen Vorrundengruppen auf einem guten Weg: „Die Zeiten haben sich geändert, die Strukturen auch. Diese erste Saison war sehr gut, denn es hat sich gezeigt, dass Vereine, die gute Jugendarbeit betreiben, auf dem Weg nach oben sind.“

Die Kritik, dass mit dem Weggang der anderen fünf Vereine und des „Zwangsaufstiegs“ der bisherigen Zweitligisten das Niveau gesunken sei, sehen selbst die Sportler unterschiedlich. „Es gab in der Vorrunde Kämpfe, in denen das Leistungsgefälle einfach zu groß war“, sagt Etienne Kinsinger vom KSV Köllerbach. Teamkollege Timo Badusch sieht das anders: „Es sind die gleichen Gesichter wie zuvor, sie verteilen sich nur auf mehr Vereine. In meiner Gewichtsklasse war ich nahezu jedes Wochenende gefordert.“ Der KSV als Team bis zum Halbfinale allerdings nicht.



Bernd Wegner, der Präsident des Saarländischen Ringer-Bundes (SRB), zieht eine positive Bilanz: „Auch aufgrund des gesteigerten medialen Interesses kamen deutlich mehr Zuschauer.“ Die sportliche Herausforderung wird durch den Neuzuschnitt der Vorrundengruppe mit den Vereinen aus dem Schwarzwald sicher höher. Die Diskussionen um die Zukunft des Ringens gehen aber weiter. Was allen Beteiligten dabei klar sein sollte, formuliert SRB-Präsident Wegner: „Wir sind dazu verdammt, dass die Bundesliga funktioniert.“