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Fußball-Saarlandliga
Die Borussia führt den Sechskampf an

Kamil Czermurzynski (links) und seine Neunkircher Teamkollegen jubeln. Nach einem Katastrophen-Start samt Trainerwechsel ist die Borussia an die Tabellenspitze geklettert und hat den Oberliga-Aufstieg im Visier.
Kamil Czermurzynski (links) und seine Neunkircher Teamkollegen jubeln. Nach einem Katastrophen-Start samt Trainerwechsel ist die Borussia an die Tabellenspitze geklettert und hat den Oberliga-Aufstieg im Visier. FOTO: Mischa
Neunkirchen. Der Titelkampf in der Fußball-Saarlandliga geht in die entscheidende Phase. Aber: Nicht alle Topclubs wollen hoch in die Oberliga. Von Philipp Semmler

Schreibt Borussia Neunkirchen diese Saison ein Fußball-Märchen mit Happy End? Im Mai 2017 stieg der Traditionsclub aus der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar in die Saarlandliga ab. Und auch dort lief es zunächst alles andere als nach Wunsch. Nach dem achten Spieltag war der Club Vorletzter. „Viele haben da schon gesagt, für die geht es jetzt sogar in die Verbandsliga runter“, erinnert sich der Vorsitzende Martin Bach.


Die Vereinsführung reagierte und trennte sich von Trainer Tobias Grimm. Nachfolger Björn Klos brachte das Borussen-Schiff wieder auf Kurs. Durch den 3:1-Sieg am 21. März im Nachholspiel bei der FSG Bous kletterte Neunkirchen sogar erstmals in dieser Saison auf Rang eins der Tabelle. „Als wir Björn geholt haben, hatte ich direkt das Gefühl, dass er für die Aufgabe brennt und er eine positive Gier nach Erfolg hat“, sagt Bach.

Dieser Eindruck bestätigte sich in den vergangenen Monaten. In 18 Spielen unter der Regie von Klos gab es nur eine einzige Niederlage. So schaffte die Borussia noch den nicht mehr für möglich gehaltenen Sprung aus dem Keller nach ganz oben. „Deshalb wird Björn auch unser erster Ansprechpartner für den Trainerposten in der nächsten Saison sein“, kündigt Bach an: „Beide Seiten haben auch schon signalisiert, dass sie zusammen weiterarbeiten wollen.“



Ob die Borussia kommende Saison wieder in der Oberliga spielt, das wird spätestens nach dem letzten Spieltag am 27. Mai feststehen. Bewerben für die höhere Klasse möchte sich der Club auf jeden Fall: „Wir haben die Möglichkeit, den Betriebsunfall Abstieg aus der Oberliga zu korrigieren. Und diese Chance wollen wir wahrnehmen“, sagt Bach vor der Partie an diesem Samstag um 15.30 Uhr beim SC Friedrichsthal.

Allerdings ist das Titelrennen in der Saarlandliga diese Saison so offen wie selten zuvor: Neben der Borussia haben derzeit noch fünf weitere Clubs realistische Chancen auf die Meisterschaft. Dicht hinter Spitzenreiter Neunkirchen (48 Punkte) lauern der TuS Herrensohr und die Spvgg. Quierschied (beide je 46 Zähler), der SV Auersmacher und der VfB Dillingen (jeweils 45 Punkte) sowie der VfL Primstal (42).

Schon vor dem 27. Mai könnten sich aber zwei oder drei dieser Titelkandidaten – unabhängig von der sportlichen Situation – aus dem Aufstiegsrennen verabschieden. Der Grund: Bis Ende April müssen alle Clubs ihre Zulassungs-Unterlagen für die Oberliga einreichen – und dies wollen nach jetzigem Stand nicht alle Anwärter tun.

„Prinzipiell sind wir uns im Vorstand einig, dass es für uns mit unserem jungen Team zu früh wäre, in die Oberliga zu gehen“, sagt Dillingens Vorsitzender Josef Schya: „Das Thema wird aber derzeit noch diskutiert.“ Auch beim TuS Herrensohr geht die Tendenz gegen eine Bewerbung für die höhere Spielklasse. Schon vor einigen Wochen hatte TuS-Geschäftsführer Sebastian Richter in der SZ erklärt: „Die Oberliga ist für uns kein Thema. Wir würden höchstens dann hochgehen, wenn ein Sponsor kommt und 100 000 Euro auf den Tisch blättert.“ Der ist nach wie vor nicht in Sicht, am vergangenen Mittwoch ruderte Richter auf SZ-Nachfrage allerdings ein klein wenig zurück: „Ich bin immer noch der Meinung, dass die Oberliga für uns nicht stemmbar ist. Aber wir reden im Vorstand noch einmal darüber.“

Redebedarf gibt es auch noch beim Tabellendritten, der Spvgg. Quierschied. „Wir haben die Unterlagen vom Verband erhalten und sind diese am Bearbeiten. In der nächsten Woche wollen wir eine Entscheidung fällen“, sagt Quierschieds sportlicher Leiter, Kai Berrang: „Der Sprung in die Oberliga ist eine hohe Hürde, deshalb wollen wir alles sehr genau prüfen – auch, ob dort ein finanzieller Mehraufwand auf uns zukommen würde.“

Um in die Oberliga aufzusteigen, müsste sein Verein auch noch eine organisatorische Hürde meistern: Der Verband schreibt vor, dass Oberligisten eine komplett eigenständige Jugendabteilung haben müssen – oder dass ihre Nachwuchsabteilung Mitglied in einer Junioren-Fördergemeinschaft (JFG) ist. Diese Bedingung kann der Club derzeit nicht erfüllen: Quierschieds Jugendliche kicken in einer Spielgemeinschaft mit den Nachbarvereinen FV Fischbach und SV Göttelborn.

Beim amtierenden Vizemeister VfL Primstal und beim SV Auersmacher ist man sich dagegen schon ziemlich sicher, dass man die Zulassungs-Unterlagen einreichen will. „Wir hätten nichts dagegen, wenn wir wieder in der Relegation die Chance hätten, aufzusteigen“, sagt Primstals Vorsitzender Alwin Arm: „Das war letztes Jahr eine tolle Sache, auch finanziell.“ In der Vorsaison scheiterte sein Team in den Aufstiegsspielen der Vizemeister am SC Idar-Oberstein (1:4) und den SF Eisbachtal (1:5). Auch der SV Auersmacher will es probieren – notfalls über die Relegation. „Wir werden auf jeden Fall für die Oberliga melden“, erklärt Sportvorstand André Hemmer: „Wenn die Jungs sportlich den Aufstieg schaffen, sollen sie auch die Möglichkeit haben, in der höheren Liga zu spielen.“