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Die alten Männer und das MehrDie Rückkehr der Weltmeister: Sie kommen einfach nicht los davon

Die alten Männer und das MehrDie Rückkehr der Weltmeister: Sie kommen einfach nicht los davon

Dennis Hulme: Der Neuseelände wurde 1967 Weltmeister. 1974 erklärte er, erschüttert von den tödlichen Unfällen in der Formel 1, seinen Rücktritt. 1986 gab er als 50-Jähriger im Tourenwagen wieder Gas. 1992 starb er bei einem Rennen in einem BMW M3 an Herzinfarkt. Emerson Fittipaldi: Der Brasilianer wurde 1972 und 1974 Weltmeister

Dennis Hulme: Der Neuseelände wurde 1967 Weltmeister. 1974 erklärte er, erschüttert von den tödlichen Unfällen in der Formel 1, seinen Rücktritt. 1986 gab er als 50-Jähriger im Tourenwagen wieder Gas. 1992 starb er bei einem Rennen in einem BMW M3 an Herzinfarkt.

Emerson Fittipaldi: Der Brasilianer wurde 1972 und 1974 Weltmeister. 1980 beendete er mit 34 seine Karriere, gab aber drei Jahre später in der Indy-Car-Serie ein Comeback. Er holte 1989 den Titel und siegte '89 sowie '93 beim Indy 500. Ein Unfall '96 führte im Alter von 50 Jahren zum Karriereende.

Niki Lauda: "Es gibt wichtigere Dinge, als mit einem Auto im Kreis zu fahren." So erklärte Niki Lauda 1979 in Kanada seinen Rücktritt. Lauda baute danach eine Fluglinie auf. Als es Finanz-Probleme gab, kehrte er 1982 zurück. 1984 holte er seinen dritten Titel - mit 35 Jahren.

Alan Jones: Der Australier holte 1980 den Titel und stieg ein Jahr später nach einem Krach mit seinem Williams-Team aus. 1983 und 1985/1986 kam er zurück. Mit magerem Erfolg.

Keke Rosberg: Der Finne, Weltmeister 1982, hörte 1986 auf. 1990 gab er im Alter von 41 Jahren ein Comeback. Zwei Jahre fuhr er für Peugeot in der Sportwagen-WM , dann wechselte er für vier Jahre in die DTM.

Alain Prost: Der Franzose, Titelträger 1985, 1986 und 1989, pausierte 1992, weil er nach dem Rauswurf bei Ferrari kein gutes Auto fand. 1993 wurde er dann mit Williams im Alter von 38 Jahren Weltmeister. Seit 2003 nimmt er an der Eisrennserie Trophee Andros teil, die er 2007 und 2008 gewann.

Nigel Mansell: Der Brite wurde 1992 mit Williams Weltmeister und ging danach in die Indy-Car-Serie. 1994 kam er für vier Rennen zurück, 1995 beendete er nach zwei Starts für McLaren seine Formel-Laufbahn. 1998 fuhr er mit einem Ford in der britischen Tourenwagen-Meisterschaft. 2010 will er mit seinen beiden Söhnen bei den 24 Stunden in Le Mans starten.

Mika Häkkinen: Der Finne holte 1998 und 1999 den Titel. 2001 zog er sich mit 33 Jahren ausgebrannt ins Privatleben zurück. 2005 kehrte er für drei Jahre in die DTM zurück. wip

Saarbrücken. Großer Preis von Deutschland, Nürburgring, 4. August 1957 - ein Rennen, das bei Rennsport-Historikern bis heute als "das größte der Geschichte" gilt. Juan Manuel Fangio, bereits 46 Jahre alt und vier Mal Weltmeister, kämpft im Maserati gegen die übermächtigen Ferrari. Nach einem langen Boxenstopp liegt er aussichtslos zurück. Keiner der 100 000 Zuschauer setzt noch einen Pfifferling auf ihn. Doch dann startet er eine Aufholjagd: Fangio stürzt sich in jede Senke, verbeißt sich in jede Kurve, fährt sich in einen Rausch. Runde um Runde ein neuer Rekord. Als der entfesselte Argentinier im letzten Umlauf an den Ferraris vorbeifliegt, ducken sich die Führenden Peter Collins und Mike Hawthorn nur entsetzt in ihren Cockpits. Im Ziel erschaudert Fangio vor sich selbst und sagt: "Ich habe heute Dinge getan, die ich noch nie getan habe. Und ich möchte auch nie wieder so fahren." Er tut es auch nicht mehr. Kurz später erklärt er mit seinem fünften Titel in der Tasche seinen Rücktritt. Mit 46 Jahren ist er bis heute der älteste Formel-1-Weltmeister.

Nicht mehr geeicht?

Alt-Meister oder Alt-Eisen? Vor einem Jahr wurde Rubens Barrichello (38) bereits als "Renn-Opa" verspottet, dann fuhr er bis zuletzt um den Titel. 2010 ist Michael Schumacher mit 41 Jahren der Senior. Zum Vergleich: Im Fußball würde er in der Alters-AH spielen. Jaime Alguersuari (19) könnte ohne weiteres sein Sohn sein. Ex-Teamkollege Martin Brundle sieht Probleme auf Schumacher zukommen. "Du rostest mit den Jahren ein. Testfahrten sind kein Problem, aber du bist nicht mehr auf die Rad-an-Rad-Duelle geeicht, weil du mit 40 nicht mehr so viele Risiken eingehst."

In der 60-jährigen Geschichte der Formel 1 finden sich gut 50 Piloten, die noch älter als Schumi waren. Darunter auch klangvolle Namen wie Fangio, Karl Kling, Hermann Lang, Jacques Laffite oder Graham Hill. Ferrari-Pilot Luigi Villoresi startete seine Karriere sogar erst mit 41 Jahren und verbuchte noch acht Podestplätze. Zumeist aber waren es verwegene Herrenfahrer mit dicken Brieftaschen und dicken Autos, die in den 50er Jahren nur bei ihren Heimrennen antraten - und ansonsten hinter den Frauen her waren.

Doch Schumacher hält dagegen: "Es geht in der Formel 1 nicht um Leistungen wie bei einem 100-Meter-Läufer. Wichtiger als das Alter ist die Erfahrung." Zumal US-Rennarzt Steve Olvey, der auch Felipe Massa nach seinem Unfall betreute, auf neue Untersuchungen verweist: "Es ist erstaunlich, aber mit viel Willen und Leidenschaft kann auch ein 60-Jähriger noch 90 bis 95 Prozent der Fitness eines 20-Jährigen aufbauen." Schumacher selbst sagt von sich: "Ich fühle mich wie ein Zwölfjähriger, der vor Freude durch die Gegend hüpft."

Dennoch sind in der modernen Formel 1 Fahrer über 40 selten. Ex-Weltmeister Mario Andretti beendete seine Formel-1-Karriere 1982 bei Ferrari mit 42, Rene Arnoux seine bei Ligier mit 41. Ihren Zenit hatten beide da lange hinter sich. Alain Prost und Niki Lauda hörten vor 40 auf. Der letzte, der sich in Schumachers Alter noch hinters Lenkrad setzte, war Nigel Mansell. 1994 fuhr er bei Williams für den tödlich verunglückten Ayrton Senna vier Rennen und siegte beim Finale in Australien. 1995 wechselte er dann zum neuen McLaren-Mercedes-Team, passte dort aber nicht ins Cockpit und ließ die beiden ersten Rennen aus. Nach einem teuren Umbau erklärte Mansell das Fahrzeug schließlich für nicht konkurrenzfähig und zog sich zurück.

Schumachers großer Vorteil

Schumachers alter und neuer Technikchef Ross Brawn glaubt: "Das Talent verschwindet nicht. Bleiben noch Fitness und Einsatz. Ich glaube, Michael hat die Pause gut getan. Er hat seine Batterien aufgeladen und wird von Beginn an bei der Musik sein." Einen Vorteil hat Schumacher in diesem Jahr: Erstmals seit 1994 sind Tankstopps in der Formel 1 verboten - und keiner der Piloten hat Erfahrung damit. Außer Barrichello und Schumacher.

Formel-1-Veteran Jean Alesi sieht das als möglichen Schlüssel zum Erfolg: "Michael hat die Erfahrung, die Alonso, Hamilton und Vettel nicht haben. Er kennt Rennen ohne Tankstopps aus der Zeit vor 1994. Die jungen Piloten werden sich wundern, was da auf sie zukommt." Durch das Verbot des Nachtankens sind die Autos zu Rennbeginn viel schwerer. Wer seine Reifen da am besten nutzen kann, hat einen riesigen Vorteil. "Und in dieser Disziplin war Michael immer besonders stark", sagt Alesi. Gut möglich, dass sich die Jungspunde der Formel 1 in diesem Jahr also noch öfter ducken werden. "Ich glaube, Michael hat die Pause gut getan. Er hat seine Batterien aufgeladen."

Ross Brawn,

Team- und Technikchef bei Mercedes

Hintergrund

Grand-Prix-Sieger, die älter als Michael Schumacher waren, gab es außer Juan Manuel Fangio nur wenige: Maurice Trintignant gewann mit 41 Jahren auf Cooper den Großen Preis von Monaco, Piero Taruffi mit 45 Jahren den Großen Preis der Schweiz. Der erste Formel-1-Weltmeister der Geschichte, Giuseppe Farina (Alfa), war bei seinem Titelgewinn 44.

Der älteste Grand-Prix-Sieger ist Luigi Fagioli: Der Alfa-Pilot (Spitzname: der alte Räuber aus den Abruzzen) gewann im Alter von 53 Jahren und 21 Tagen 1951 in Frankreich. Seine Karriere endete tragisch: Ein Jahr später verunglückte er bei einem Sportwagenrennen in Monaco tödlich. Ältester Starter überhaupt ist Louis Chiron, der 1955 in Monaco mit 55 Jahren, zehn Monaten und 19 Tagen am Start stand. wip