Fußball-Regionalliga Die Achterbahnfahrt des Leandro Grech

Elversberg · Der Routinier war im Sommer fast weg, jetzt ist er der Mann der Stunde bei der SV Elversberg. Morgen Spiel in Koblenz.

Leandro Grech, hier beim letzten Spiel der SVE gegen den FC Astoria Walldorf, ist aus dem Elversberger Team mal wieder nicht wegzudenken. Und das, obwohl der Kapitän im Sommer dicht vor dem Absprung gestanden hatte.

Leandro Grech, hier beim letzten Spiel der SVE gegen den FC Astoria Walldorf, ist aus dem Elversberger Team mal wieder nicht wegzudenken. Und das, obwohl der Kapitän im Sommer dicht vor dem Absprung gestanden hatte.

Foto: Peter Franz-spektrum bilderdienst/Peter FRANZ

Dass eine Fußball-Karriere aus vielen Hochs und Tiefs besteht, ist nichts Neues. Dass jemand mit 37 Jahren noch einmal ein richtiges Hoch erwischt, dagegen schon. So geht er zurzeit Leandro Grech. „Ich fühle mich richtig gut, und Fußball macht zur Zeit ganz viel Spaß. Am Anfang wusste ich nicht, wie mein Körper auf die vielen Laufwege im Mittelfeld reagiert, aber es läuft alles prima“, sagt Grech. Der 37-Jährige ist zur Zeit der Mann der Stunde beim Regionalligisten SV Elversberg.

Vor drei Wochen stellte Trainer Karsten Neitzel den Argentinier im defensiven Mittelfeld auf, um dort mehr Ballsicherheit zu bekommen. Grech zahlte es mit Superleistungen und Torvorbereitungen zurück. Aufgrund der schwankenden Leistungen und teilweise zehn Punkten Rückstand zu den Relegationsplätzen hatten viele die SVE in dieser Saison schon abgeschrieben. Mittlerweile sind es aber nur noch sechs Punkte Rückstand. Und die SVE kommt immer besser in Form.

„Wir hatten uns nie abgeschrieben. Das war in der Mannschaft kein Thema. Wir wissen, wie stark wir sein können und wie lange die Saison noch ist“, sagt Leandro Grech, der vor einem halben Jahr auch schon abgeschrieben war. Die SV Elversberg verpasste denn Aufstieg in die 3. Liga, und mit Grech redete niemand mehr über eine Vertragsverlängerung. Als dann plötzlich klar war, dass Innenverteidiger Marco Kehl-Gomez zum 1. FC Saarbrücken wechselte, wurde Grech doch wieder ein Thema bei der SVE. Er blieb schließlich an der Kaiserlinde.

Ende Juli wählte die Mannschaft den 37-Jährigen mit großer Mehrheit zum Kapitän, und der Stammplatz in der Innenverteidigung war sicher. Nach einem verkorsten Saisonstart musste Grech auf die Bank und spielte wochenlang keine Rolle mehr. Jetzt ist er wieder da – wie früher im Mittelfeld.

„Das war natürlich alles eine ganz große Achterbahnfahrt, aber ich behalte immer meine innere Ruhe. Ich weiß, wer ich bin, und ich weiß, was ich kann. Es ist alles gut“, sagt der Argentinier, der mit der SVE zweimal den Aufstieg in der Relegation verpasst und dabei viele Tränen vergoss. Tränen, die man dem Argentinier abnimmt – weil er authentisch rüberkommt – weil es ihm immer um Fußball geht.

Die SVE ist mittlerweile wieder bekannt dafür, Spieler im Winter ihrer Karriere für gutes Geld zu verpflichten. Zieht man allerdings eine Transfer-Bilanz der „Oldies“ in den vergangenen Jahren, bleiben ganz schnell nur zwei Namen übrig, die herausstechen. Der ehemalige Kapitän Timo Wenzel und der aktuelle Leandro Grech. „Natürlich sind wir Fußballprofis, um damit Geld zu verdienen. Aber an erster Stelle müssen der Fußball und der Verein stehen. Wenn es anders herum ist, läuft etwas falsch“, sagt Grech.

Am morgigen Samstag, 14 Uhr, im Auswärtsspiel bei der TuS Koblenz zieht der 37-Jährige wieder die Fäden im Mittelfeld. „Wir müssen unbedingt auswärts wieder gewinnen. Das fehlt uns zur Zeit ein bisschen. Ich hoffe, wir können den Abstand zum zweiten Relegationsplatz (aktuell Kickers Offenbach) bis zum Winter auf drei Punkte verkürzen. Nach dem Winter spielen wir direkt gegen Offenbach“, rechnet Grech.

Der Routinier ist auch mit 37 noch hochmotiviert und will unbedingt mit der SVE den Aufstieg schaffen. Und danach? „Das weiß nur der da oben“, sagt der gläubige Katholik und zeigt Richtung Himmel. „Meiner Familie gefällt es hier im Saarland richtig gut. Es ist möglich, dass wir hier bleiben“, sagt der Fußballer. Aber er denkt natürlich auch schon an die Zeit nach der Karriere. Seit eineinhalb Jahren arbeitet er über ein Fernstudium an der argentinischen Fußball-Lehrer-Lizenz, im kommenden Jahr will er damit fertig sein.

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