1. Sport
  2. Saar-Sport

DHB-Vizepräsident Hanning glaubt fest an deutschen WM-Erfolg

Handball : „Sperrmüll der EM muss aus den Köpfen raus“

Der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Handball-Bundes glaubt fest an eine erfolgreiche Heim-Weltmeisterschaft.

Die 26. Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark ist in der 81-jährigen WM-Geschichte ein Novum: Erstmals wird das Turnier von zwei Verbänden ausgerichtet. Historisch wird es auch gleich zum Auftakt, wenn die deutsche Mannschaft am Donnerstag (18.15 Uhr/ZDF) in Berlin auf ein vereintes Team aus Korea trifft. Bob Hanning, der Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Handball-Bundes, spricht im Interview über die Erwartungshaltung, neue Stars und das Erfolgsrezept.

Herr Hanning, am Donnerstag geht es los. Wie sehr pocht das Herz bei Ihnen so kurz vor der Heim-WM?

BOB HANNING Wir verspüren eine unglaublich große Vorfreude auf das, was uns jetzt erwartet. Volle Hallen, Riesenstimmung und hoffentlich der sportliche Erfolg, den wir uns alle in Deutschland von der Nationalmannschaft wünschen.

Wie lautet die Zielsetzung an das Team und an Bundestrainer Christian Prokop? Wann wäre die WM eine sportlich erfolgreiche?

HANNING Sportlich muss die Zielsetzung Hamburg lauten. Das Halbfinale ist unser Anspruch. Diesen Anspruch müssen wir klar definieren. Wir tun nach den Erfahrungen der letzten Turniere aber gut daran, zunächst unser Ziel bei der Vorrunde in Berlin sauber zu erledigen und dann unsere Hausaufgaben bei der Hauptrunde in Köln zu machen. Denn Heimspiele, das ist immer der Anspruch einer deutschen Nationalmannschaft, gilt es zu gewinnen. Mein großer Traum ist es dann, zum Abschluss beim Finale ein Auswärtsspiel im dänischen Herning zu haben. Dort gibt es zwar nur zwei Hotels, aber schaffen wir es bis ins Endspiel, würde ich auch in ein Achterzimmer in der Jugendherberge ziehen.

Halten Sie ein neues Wintermärchen wie 2007 für realistisch?

HANNING Wir haben im vergangenen Jahr viel dafür getan, sportlich erfolgreich sein zu können. Ich traue es der Mannschaft zu.

Es hat nach EM-Platz neun viele Schlagzeilen über das schwierige Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft gegeben. Wie nehmen Sie die Atmosphäre aktuell wahr?

HANNING Was wir in Kroatien abgeliefert haben, war einer deutschen Nationalmannschaft und ihren Ansprüchen nicht in irgendeiner Form würdig. Aber Umfeld, Trainer und vor allem auch die Spieler haben sehr hart an sich gearbeitet. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, dass alle jetzt bereit sind, mehr in den Topf einzuzahlen als rauszunehmen.

Klingt nach perfekten Voraussetzungen.

HANNING Das kann man so sagen. Jetzt müssen wir das Ganze unter dem Scheinwerferlicht vor einem Millionenpublikum auch beweisen.

Welche Rolle spielt der öffentliche Druck auf das Team?

HANNING Wir machen die schönste Nebensache der Welt, eine wunderbare Sportart. Wir sollten jetzt nicht jammern, sondern den Druck als Rückenwind wahrnehmen. Dieser ganze Sperrmüll der EM muss aus den Köpfen raus. Wir haben jetzt Benzin aufgefüllt und die Reifen gewechselt. Deswegen erwarte ich, dass wir die positive Energie, die wir zuletzt aufgeladen haben, nun auch umsetzen. Die Mannschaft und der Trainer müssen ihre PS jetzt auf die Straße bringen, um ein großes Rennen zu fahren. Wir sollten uns auf das, was jetzt kommt, freuen.

Die Zukunft von Trainer Prokop hing nach der EM-Enttäuschung lange am seidenen Faden. Wie erleben Sie ihn kurz vor seinem zweiten Turnier als Bundestrainer?

HANNING Er ist extrem positiv eingestellt. Er ist hoch fokussiert, hat dabei aber die Lockerheit wieder gefunden, die ihn über die vielen Jahre als Trainer auch stark gemacht hat. Er hat nun die Sicherheit, die Mannschaft hinter sich zu wissen.

Die deutschen WM-Spiele werden erstmals seit sechs Jahren wieder in ARD und ZDF zu sehen sein. Welche Bedeutung hat das Turnier für die Sportart Handball?

HANNING Ich glaube, dass der ausgehandelte Fernsehvertrag bis einschließlich zur EM in Deutschland 2024 für uns vielmehr Chance als Risiko ist. Er ist ein Quantensprung für unsere Sportart. Nun gilt es, gemeinsam neue Gesichter für die Fernsehzuschauer aufzubauen. Die Bühne der öffentlich-rechtlichen Sender ist für den Handball die große Chance, den Abstand zum Fußball zu verkürzen.

Welche Spieler haben das Potenzial, die große Masse zu mobilisieren?

HANNING Es sind die Spieler, die ihre Leistung überdurchschnittlich abrufen werden. Stars werden in Turnieren wie der Weltmeisterschaft geboren. Jetzt wollen wir mal sehen, wer in diesen maximalen Drucksituationen dazu in der Lage ist. Ob das ein Andy Wolff im Tor ist, ein Hendrik Pekeler als unser Abwehrchef oder ein Paul Drux als Liebling aller Schwiegermütter – das wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Eines ist aber sicher: Sie werden nur dann zu Stars, wenn sie sich jetzt als solche präsentieren.

Welche Bedeutung hat das Eröffnungsspiel, im ehemals geteilten Berlin gegen ein vereintes Team Korea zu spielen?

HANNING Da gebührt Weltverbands-Präsident Hassan Moustafa, einem Visionär unser Sportart, der aus deutscher Sicht oft falsch wahrgenommen wird, ein großer Dank. Er hat dieses Spiel initiiert. Es ist geschichtsträchtig und bringt viel Aufmerksamkeit für unsere Sportart. Es werden viele Minister da sein, zudem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und IOC-Präsident Thomas Bach, um genau dieses Event mitzuerleben. Es wird etwas ganz Besonderes sein, was am Donnerstag in Berlin stattfinden wird.