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Coach gab eigene Fehler zu
DHB hält überraschend an Prokop fest

DHB-Präsident Andreas Michelmann (links) und Axel Kromer, Vorstand Sport, hoben gestern in der Pressekonferenz den sprichwörtlichen Daumen: Handball-Bundestrainer Christian Prokop darf bleiben.
DHB-Präsident Andreas Michelmann (links) und Axel Kromer, Vorstand Sport, hoben gestern in der Pressekonferenz den sprichwörtlichen Daumen: Handball-Bundestrainer Christian Prokop darf bleiben. FOTO: dpa / Peter Steffen
Hannover. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien darf der Bundestrainer das Team auch in die Heim-WM 2019 führen.

Der erlösende Anruf für Christian Prokop kam am Montagn um kurz nach drei. Trotz des desolaten EM-Auftritts in Kroatien und interner Verwerfungen bleibt der Bundestrainer im Amt und soll die deutschen Handballer bei der Heim-WM 2019 zu einer Medaille führen. „Er war sehr erfreut“, berichtete DHB-Sportvorstand Axel Kromer über das Telefonat mit Prokop. „Er wird weiter den Weg für die Mannschaft vorgeben.“


Nach wochenlanger Hängepartie mit vielen Einzelgesprächen sprach sich das Präsidium des Deutschen Handballbundes gestern auf einer rund zweistündigen Sitzung in einem Flughafenhotel in Hannover mehrheitlich für die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Prokop aus. „Dieser Weg war steiniger. Es hat deshalb auch etwas länger gedauert. Aber es ist der mit dem ehrlichsten Ergebnis“, bilanzierte Kromer die interne EM-Aufarbeitung.

„Wir haben die Fakten auf den Tisch gelegt. Es war deutlich“, berichtete DHB-Vizepräsident Bob Hanning und richtete den Blick nach vorn: „Wir werden jetzt alle Kraft in das Projekt WM-Medaille hineinstecken. Alle können das noch besser machen – die Mannschaft, der Trainer und der gesamte Staff.“



Die Jobgarantie für Prokop, den der DHB im Vorjahr für 500 000 Euro aus seinem Vertrag beim SC DHfK Leipzig herauskaufte, soll langfristig gelten. „Wenn wir Letzter werden bei der WM, weiß ich natürlich nicht, ob er zu halten ist“, sagte Hanning. „Aber ansonsten wollen wir bis 2022 miteinander den Weg gehen.“ Damit ist auch ein Rücktritt von Hanning vom Tisch, der bei einem Neuanfang mit einem anderen Trainer seinen Posten geräumt hätte. „Es hat sich im Präsidium aber niemand erpresst gefühlt“, versicherte DHB-Präsident Andreas Michelmann.

Den Ausschlag für Prokop, der nach dem enttäuschenden neunten Platz bei der EM in die Kritik geraten war, gab letztlich die Einsicht des 39-Jährigen. „Er hat Fehler eingeräumt und ganz klar gesagt, wo er Veränderungen in seinem eigenen Handeln vornehmen wird“, berichtete Kromer. Und Michelmann ergänzte: „Es hat eine deutliche Entwicklung beim Trainer gegeben. Das hat uns dazu veranlasst, ihm zu glauben, dass er diesen Weg auch weiter gehen kann.“

Mit dieser Entscheidung war nicht unbedingt gerechnet worden. Noch am Wochenende hatte Bundesliga-Boss Uwe Schwenker von anhaltenden „atmosphärischen Störungen“ zwischen Prokop und Teilen der Mannschaft gesprochen. Einige Akteure sollen sogar mit ihrem Rücktritt gedroht haben, sollte Prokop bleiben. Kromer geht jedoch davon aus, dass es keine personellen Konsequenzen geben wird und sagte: „Wir gehen davon aus, dass auch weiter die besten Spieler für die Nationalmannschaft spielen werden. Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaft das Projekt mit vollem Engagement angehen wird.“

Allerdings muss sich einiges ändern, um in elf Monaten wieder in die Weltspitze zurückzukehren. „Wir haben zuletzt als Sportart Schaden genommen, weil wir nicht so aufgetreten sind, wie wir uns das selbst vorgestellt hatten“, räumte Kromer ein. Wie stabil der Frieden zwischen Mannschaft und Trainer nun ist, werden spätestens die nächsten Länderspiele am 4. und 7. April gegen Serbien zeigen. Dort muss der Trainer die Mannschaft jedoch stärker mitnehmen als bei der EM. „Wir haben sehr viele Informationen eingeholt. Es war von den Spielern offen und fair, die Dinge anzusprechen, die nicht so funktioniert haben“, sagte Kromer. Künftig gehe es darum, das vorhandene Leistungspotenzial auszuschöpfen. „Der Bundestrainer hat den Willen bekundet, an den nötigen Stellschrauben zu drehen“, sagte Kromer, „er hat keinen Schaden genommen.“

Christian Prokop soll weiter Handball-Bundestrainer bleiben.
Christian Prokop soll weiter Handball-Bundestrainer bleiben. FOTO: dpa / Monika Skolimowska