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Regionalliga-Reform
Der Dauerstreit um die Regionalliga-Reform nimmt kein Ende

Nachgemachte Geldscheine mit dem Aufdruck „Fußball Mafia DFB“ und den Konterfeis von Reinhard Grindel, Rainer Koch und Franz Beckenbauer (von li.) sind derzeit in den Fußballstadien in Deutschland im Umlauf.
Nachgemachte Geldscheine mit dem Aufdruck „Fußball Mafia DFB“ und den Konterfeis von Reinhard Grindel, Rainer Koch und Franz Beckenbauer (von li.) sind derzeit in den Fußballstadien in Deutschland im Umlauf. FOTO: dpa / Peter Steffen
Frankfurt. DFB-Präsident Grindel wirft den Drittligisten nach deren Protestaktion am Wochenende „ein sehr fragwürdiges Demokratie-Verständnis“ vor. dpa/sid

Die Fronten sind verhärtet, es wird nur übereinander und nicht mehr miteinander geredet. Nun hat sich auch DFB-Präsident Reinhard Grindel in den Dauerstreit um die angedachte Aufstiegs-Reform in der Fußball-Regionalliga eingemischt – und hat wenig Verständnis für die Protestaktion der 20 Drittligisten am Wochenende gezeigt: „Wir erleben keinen Aufstand der Drittligisten. Wir erleben ein sehr fragwürdiges Demokratie-Verständnis.“


Unter dem Motto „Stillstehen gegen den Stillstand“ hatten alle Mannschaften nach dem Anpfiff der zehn Partien für eine Minute die Füße stillgehalten. Hintergrund ist die geplante Reform der Regionalliga, die für die Zukunft vier Aufsteiger vorsieht. Dafür müssten vier Drittligisten absteigen. Am Freitag wird sich das DFB-Präsidium damit befassen. Verabschiedet werden kann eine Neuregelung erst beim DFB-Bundestag am 26./27. September 2019. Grindel betonte, dass es zurzeit lediglich eine Empfehlung gebe. Auf die Frage nach seinem favorisierten Modell meinte Grindel: „Der Präsident hat das letzte Wort, aber nicht das erste.“

Der Ärger der Drittligisten war entstanden, weil DFB-Vizepräsident Rainer Koch zuletzt für eine zweigleisige 3. Liga plädiert hatte. „Wäre die 3. Liga zweigleisig, hätten wir eine echte pyramidale Ligenstruktur und mit der Bildung der dann fünf oder sogar sechs Regionalligen überhaupt keine Probleme“, hatte Koch gesagt. Die Drittligisten fordern dagegen, die Liga „in ihrer über zehn Jahre bewährten eingleisigen Form zu erhalten und konsequent weiter zu professionalisieren“. Dies sei aus Sicht der Vereine alternativlos – und deswegen hatten sie auch eine frühere Zusage, einen vierten Absteiger zu stellen, zurückgezogen.



Koch, der auch Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) ist, kritisierte das Vorgehen der Drittligisten scharf. Sie seien einen Reform-Vorschlag schuldig geblieben. „Wir Bayern sind mit allen 15 Modellvorschlägen zur Bildung einer viergleisigen Regionalliga, die in der Arbeitsgruppe vorgestellt worden sind, einverstanden“, sagte Koch: „Das ist hinlänglich bekannt, wird aber offenkundig ganz bewusst von einigen ignoriert und stattdessen lieber Stimmung gemacht.“

Die Drittligisten seien in alle Prozesse eingebunden gewesen, sagte Koch: „Sie hätten lieber ihre Meinung in der AG vertreten sollen, anstatt jetzt von Stillstand zu sprechen und haltlose Attacken zu reiten. Es hätte genügend Möglichkeiten gegeben, sich mit eigenen Ideen einzubringen. Offenkundig herrscht dort aber keine Einigkeit, und es gibt auch keine klare Position.“

Derzeit läuft eine zweijährige Übergangsphase, in der vier Clubs aus fünf verschiedenen Regionalligen aufsteigen. Das bedeutet auch, dass seit dieser Saison vier Clubs aus der 3. Liga am Ende des Jahres absteigen. Für die Übergangsphase akzeptieren die Drittligisten dies, danach nicht mehr. „Ich verstehe ja und bin auch dafür, die Regionalligen zu schützen“, sagte Manfred Schwabl, Präsident von Drittligist SpVgg Unterhaching: „Aber nicht, indem man die 3. Liga stranguliert. Wir haben jetzt nichts davon, dass wir einen vierten Absteiger abgeben, weil es wohl bei fünf Regionalligen bleiben wird – obwohl es anders ausgemacht war. Es wurde etwas versprochen, was so jetzt offenbar nicht eingehalten wird. Wir sind dem ausgeliefert.“

Der aktuelle Vorschlag sieht vor, dass die Regionalligen West und Südwest beibehalten werden und die Clubs der Regionalligen Nord, Nordost und Bayern auf zwei Staffeln verteilt werden. Sollte dies den drei Verbänden nicht gelingen, „hätten sie eine genaue Begründung darzulegen, wie stattdessen die beiden Aufsteiger in ihrem Gebiet zu ermitteln sind“, hieß es von DFB-Seite.