DFB: Kritik an Präsident Reinhard Grindel wird lauter

Schlingerkurs und Fettnäpfchen : Die Kritik an Grindel wird lauter

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes macht wie zuletzt bei einem abgebrochenen Interview nicht immer die beste Figur. Die Zweifel an dem Ex-Politiker werden wegen seines Schlingerkurses in wichtigen Fragen deutlicher.

Als sich Reinhard Grindel in dem alten Filmbeitrag selbst auf dem Bildschirm sah, musste er kurz schmunzeln. Beim Fernsehkochen mit Hannelore Kohl – es gab Quarkkeulchen – führte der damalige ZDF-Journalist charmant durch die Sendung. „Ich war schlanker und konnte den Witz, den ich durchaus habe, schlagfertig einsetzen“, sagte Grindel rückblickend. Es klang ein wenig wehmütig. „Als Präsident“, meinte Grindel, „muss man da ein bisschen aufpassen.“

Als Chef des mit sieben Millionen Mitgliedern größten Sportfachverbandes der Welt lauern überall Fettnäpfchen, und in so manches ist der Nachfolger von Wolfgang Niersbach bereits getreten. Der ehemalige Berufspolitiker scheint noch immer mit dem Profifußball zu fremdeln, auch ein fehlendes Gespür für das richtige Timing und die richtige Tonlage werfen ihm Kritiker vor. Und manche sogar noch mehr.

„Es gibt beim DFB leider Funktionäre, die sich wichtiger finden als das Große und Ganze“, sagte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus der Rheinischen Post, angesprochen auf angebliche Unstimmigkeiten zwischen Grindel und Bundestrainer Joachim Löw. Matthäus warf dem DFB-Boss indirekt Geltungsdrang vor: „Es gibt halt Leute, für die der Fußball eine gute Möglichkeit ist, sich ins Rampenlicht zu stellen.“

Nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM sei es doch klar, so Grindel, „dass vieles kritisiert wird und sich auch vieles auf den Präsidenten bezieht“. Dinge wie die erfolgreiche Bewerbung für die EURO 2024, der Neubau der DFB-Akademie und sein soziales sowie gesellschaftspolitisches Engagement würden „in den Hintergrund treten, wenn der sportliche Erfolg nicht da ist“.

Der gebürtige Hamburger liefert aber mitunter auch unnötig Anlass für Häme. Als Grindel kürzlich ein Interview mit der Deutschen Welle abrupt abbrach, weil der Fragesteller hartnäckig das brisante Thema der globalen Nations League vorbrachte („Aber Herr Grindel!“), bekamen die Spötter neues Futter.

Problematischer ist jedoch der Schlingerkurs, den Grindel in den wichtigen Fragen mitunter fährt. Nachdem Löw den 2014er Weltmeistern Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng in einer Nacht-und-Nebel-Aktion das Aus verkündet hatte, reagierte Grindel mit einer Äußerung, die man als Kritik am Bundestrainer verstehen konnte. Es „wäre klug gewesen“, sagte Grindel, hätte man am Tag der Veröffentlichung eine Pressekonferenz abgehalten, um „die Wertschätzung für die Spieler deutlich zu machen“. Nachdem diese Aussage in Deutschland hohe Wellen geschlagen hatte, stellte Grindel in diversen Medien klar: Dies sei „keine Kritik an Jogi Löw“ gewesen. Und im BR-Interview klang alles noch rosiger. Löw und er hätten ein „freundschaftliches Vertrauensverhältnis“, betonte Grindel: „Ich bin dankbar, dass ich intensiv informiert werde von den Überlegungen, die er so hat.“

Wirklich? Von dem Aus des Weltmeister-Trios soll Grindel erst am Tag selbst erfahren haben – und zwar nicht von Löw. Er habe den Kreis bewusst klein halten wollen, begründete Löw diesen Schritt, deshalb habe er „manche Leute“ nicht informiert. Wegen der unglücklichen Kommunikation gab es in der vergangenen Woche unter mehreren Präsidiumsmitgliedern eine Aussprache, bei der es laut kicker „richtig gekracht“ habe. Im Zentrum der Kritik: Reinhard Grindel.

Wie schlecht es um Grindels Ruf bei den Fans bestellt ist, ließen die Fragen erahnen, die der BR für das Interview im „Blickpunkt Sport“ im Internet unter dem Stichwort #fragGrindel erhielt. „Liebe Fans von BR Sport“, schrieb der Sender auf seiner Website: „Unsere Seite soll kein Forum für Beleidigungen werden. Bitte beachtet die Netiquette des BR.“