| 20:30 Uhr

Länderspiel gegen die Niederlande
Genervt, aber kämpferisch

Bundestrainer Joachim Löw (Dritter von links) und seine Nationalspieler beim Training vor dem Duell mit der Niederlande. Gegen den Erzrivalen geht es ums Prestige – und um einen guten Setzplatz für die EM-Auslosung.
Bundestrainer Joachim Löw (Dritter von links) und seine Nationalspieler beim Training vor dem Duell mit der Niederlande. Gegen den Erzrivalen geht es ums Prestige – und um einen guten Setzplatz für die EM-Auslosung. FOTO: dpa / Peter Endig
Kaiserau. Deutsche Nationalelf trifft heute in Gelsenkirchen auf die Niederlande. Der Abstieg in der Nations League ist nicht mehr zu verhindern. dpa

Das Stigma des Abstiegs wurmt Joachim Löw mehr, als er öffentlich zugeben mag. Auf dem kurzen Flug von Leipzig Richtung Westen hatte der Bundestrainer am Sonntag das ungeliebte Kapitel Nations League für sich aber erstmal abgehakt. Die Revanche gegen die Niederlande zum Abschluss des historisch schlechten WM-Jahres steht für Löw am heutigen Montag (20.45 Uhr/ARD) auf Schalke nur noch im Zeichen des Umbruchs. „Unser Blick richtet sich klar in Richtung der EM 2020, für die wir uns qualifizieren werden und bei der wir wieder eine starke Mannschaft ins Turnier schicken wollen“, sagte der Bundestrainer fast trotzig.


An Löws Reformwillen gibt es laut Oliver Bierhoff keinen Zweifel. „Er ist mit viel Freude dabei. Man kann das schon ein bisschen mit dem Confed Cup vergleichen. Weil er einfach Lust hat, neue Dinge anzugehen, neue Impulse zu setzen“, sagte der Teammanager. Löws Aufstellung gegen Holland wird weitere Hinweise liefern, wie forsch der entthronte Weltmeister-Trainer den Umbau der DFB-Elf angeht. Im Vergleich zur jungen Leipzig-Formation, die gegen Russland beim 3:0 überzeugte, stehen einige Arrivierte wieder zur Verfügung. Real-Madrid-Star Toni Kroos ist nach einer Erholungspause wieder dabei. Die angeschlagenen Marco Reus (Dortmund) und Jonas Hector (Köln) stehen wieder im Training. Ob sie gegen die Niederländer mitwirken können, bleibt offen.

Auf Ex-Weltmeister Mats Hummels hatte Löw gegen Russland in der Abwehr verzichtet. Thomas Müller, der vor seinem 100. Länderspiel steht, kam in Leipzig zum zweiten Mal nur als Ergänzungsspieler für den jungen Club-Kollegen Serge Gnabry von der Bank.



Für die finale Vorbereitung auf das Holland-Spiel zog der DFB-Tross am Sonntag in die Sportschule Kaiserau ein. Löw und Bierhoff versuchten, die Spannung bei Kapitän Manuel Neuer und der jungen Generation um Leroy Sané noch einmal aufzubauen. „Das ist einfach noch einmal ein Prestige-Duell“, sagte Bierhoff. Nicht vergessen ist die Demütigung beim 0:3 im Oktober in Amsterdam. Sportlich zu retten ist die Bilanz als Schlusslicht der Gruppe 1 der Nations League aber nicht mehr. Mit einem Sieg gegen die jungen Holländer könnte die Chance auf einen Platz im besten Lostopf für die EM-Qualifikation immerhin noch gesichert werden. Für DFB-Präsident Reinhard Grindel ist das Spiel gegen das Team von Bondscoach Ronald Koeman genau deshalb „von größter Wichtigkeit“.

Würde das DFB-Team für die Multinationen-EM 2020 mit Gruppenspielen in München den bisherigen Platz elf behalten und in Topf 2 rücken, droht ein starker Gegner vom Kaliber Frankreich, Italien, Portugal, Belgien oder Spanien. Nur die besten zehn Teams kommen bei der Auslosung am 2. Dezember in Dublin in den besten Topf. Acht von zehn Plätzen sind bereits vergeben.

Noch in Leipzig hatte Löw seine Schützlinge nach dem im fernen Rotterdam durch das 2:0 der Niederländer gegen Frankreich besiegelten Abstieg in der Nations League auf die neuen Zielsetzungen eingeschworen. Acht Minuten und damit ungewöhnlich lange redete der Bundestrainer auf dem Trainingsplatz auf seine Spieler ein. „Das ist mit Sicherheit kein Weltuntergang, aber es ist schon frustrierend. Man ist schon genervt ins Bett gegangen“, berichtete Bierhoff vom gemeinsamen Fußball-TV-Abend mit Löw. Auch der Bundestrainer sei „genervt“ gewesen. Die Abhängigkeit vom Engagement der Franzosen wurmte Löw gewaltig. „Das hat noch einmal eins draufgesetzt auf das schlechte Jahr, das wir hatten. Vielleicht muss man mal den Boden berühren, um wieder den Aufstieg anzugehen“, sagte Bierhoff.