Deutschlands neuer Liebling

Berlin. Müdigkeit nach der Weltmeisterschaft, türkischer Fanatismus, Verletzungen: Nichts scheint die Elf von Bundestrainer Joachim Löw stören zu können. Die junge deutsche Fußball-Nationalmannschaft um den neuen Liebling Mesut Özil hat am Freitag in Berlin beim 3:0 in der Europameisterschafts-Qualifikation gegen die Türkei allen Widrigkeiten getrotzt

Berlin. Müdigkeit nach der Weltmeisterschaft, türkischer Fanatismus, Verletzungen: Nichts scheint die Elf von Bundestrainer Joachim Löw stören zu können. Die junge deutsche Fußball-Nationalmannschaft um den neuen Liebling Mesut Özil hat am Freitag in Berlin beim 3:0 in der Europameisterschafts-Qualifikation gegen die Türkei allen Widrigkeiten getrotzt. Nun soll das Spiel in Kasachstan ein famoses Jahr abrunden. Doch Özil ist angeschlagen, kann wegen einer Knöchelprellung nicht trainieren. Löw sagte gestern aber: "Ich gehe davon aus, dass Mesut spielt." Die Entscheidung soll beim Abschlusstraining 24 Stunden vor der ungewöhnlichen Anstoßzeit morgen um 23 Uhr Ortszeit (19 Uhr unserer Zeit/ZDF) fallen. "Auf Özils Position könnten Toni Kroos, Cacau oder auch Marko Marin stehen", verriet Löw schon einmal - und ergänzte: "Wenn wir nach dem Spiel in Kasachstan zwölf Punkte haben, bin ich absolut zufrieden."

Löws Kurswechsel nach der Europameisterschaft 2008 hin zu noch jüngeren Protagonisten und noch mehr Automatismen scheint aufzugehen. Ohne die verletzten Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack bestand seine junge Mannschaft mit Bravour den Härtetest gegen die Türken. Wie andere Jüngere immer wieder Lücken schließen - das ist das Beeindruckende in Löws Ensemble. "Wir haben die Qualität, solche Spieler für das eine oder andere Spiel zu ersetzen", betonte er.

Gegen die vom Deutschen Bernd Storck trainierten Kasachen, die in drei Spielen keinen Punkt gewonnen und kein Tor geschossen haben, muss der Spitzenreiter der Gruppe A vor allem mit ungewohnten Umständen kämpfen: Kunstrasen, nächtliche Anstoßzeit, bis auf den Gefrierpunkt sinkende Temperaturen. "Wir müssen uns den Begebenheiten anpassen", sagte Löw vor dem letzten Pflicht-Länderspiel des Jahres.

Personell soll es keine Veränderungen gegenüber dem Türkei-Spiel geben, das zeigte, wie gefestigt die junge Mannschaft ist. Das war beim verdienten 3:0 exemplarisch an Jungstar Özil zu sehen, der am Freitag 22 Jahre alt wird. Pfiffe und Buhrufe der Halbmond-Fans steckte der Enkel türkischer Einwanderer weg. Özil antwortete mit Ruhe und einem Tor zum 2:0. "Ich habe das ausgeblendet und mich allein auf mein Spiel konzentriert", sagte er. "Aus Respekt vor der Heimat meiner Vorfahren" jubelte Özil still.

Die Umstände vor 74 244 Fans im Olympiastadion waren nicht nur für Özil eine Herausforderung. "Es war schon eine besondere Situation, die türkischen Fans waren in der Mehrheit", meinte Löw. Zwei Treffer steuerte Miroslav Klose bei, der mit 57 Länderspiel-Toren immer näher an die Rekordmarke von Gerd Müller (68) heranrückt. An Franz Beckenbauer, der 103 Mal für Deutschland gekickt hatte, ist Klose mit seinem 104. Einsatz vorbeigezogen. "Ich habe zwar nun Beckenbauer überholt, was die Zahl der Länderspiele angeht, aber wenn man sich die Namen Klose und Beckenbauer ansieht, dann ist da schon noch ein Unterschied", sagte Klose.

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