1. Sport
  2. Saar-Sport

Deutschland-Rallye: Marijan Griebel fiebert seinem Heimspiel entgegen

Rallye : Mehr Heimspiel geht nicht

Bei keinem anderen Fahrer trifft das Wort „Heimspiel“ bei der Deutschland-Rallye so zu wie bei Marijan Griebel: Der 30-jäh-rige Polizist kommt mitten aus der Rallye-Region. Kein Wunder, dass er dem Start entgegenfiebert – genau wie sein Bruder.

Vor dem Weltmeister am Ziel. Marijan Griebel grinst leicht, als er diesen Satz zur Begrüßung hört. Es ist Montag-Abend, in Saarbrücken steht die Pressekonferenz zur Deutschland-Rallye an. Quasi der Startschuss zur Rallye-Woche. Doch Weltmeister Sébastien Ogier fehlt noch, er hat sich auf der Fahrt ins Hotel verfranzt – und verspätet.

Griebel hingegen ist da – wenn auch etwas müde, wie er zugibt. „Wir sind erst heute Morgen um 4 Uhr von der Barum-Rallye in Tschechien zurückgekommen. Danach habe ich etwas geschlafen, bevor es zur Dokumenten-Abnahme ins Rallye-Zentrum am Bostalsee ging.“ Dort müssen die Fahrer ihre Lizenz, den Führerschein und die Fahrzeugdokumente vorzeigen – und den Beleg, dass das Startgeld bezahlt ist.

Wie gut, dass die Wege für Griebel wenigstens kurz waren. Denn die Deutschland-Rallye führt quasi an seiner Haustür vorbei – mehr Heimspiel geht nicht: Der 30-jährige Polizei-Oberkommissar kommt aus dem pfälzischen Hahnweiler mitten in der Rallye-Region. „Zur Panzerplatte sind es zehn Minuten, zum Bostalsee 15“, sagt er.

Bei der Rallye ist er daher „Heimschläfer“ – und gefragter Gesprächspartner. „Vor dieser Rallye kommen schon viel mehr Leute auf einen zu, auch welche die sonst mit dem Rallyesport eher weniger am Hut haben. Auch das Medieninteresse ist viel größer“, erzählt Griebel. Einen wirklichen Heimvorteil gebe es allerdings nicht. „Die Abläufe im Auto sind die gleichen wie immer – und während der Wertungsprüfung nimmt man auch die Fans nicht wahr. Da ist man zu konzentriert, die Leute sieht man erst später auf den Bildern.“

Und auch vor ein paar Tücken der Strecke ist man selbst als Lokalmatador nicht sicher. Vor zwei Jahren „blitzte“ die saarländische Polizei den Kollegen zwischen zwei Wertungsprüfungen mit Tempo 41 in einer 30er-Zone. Kein großes Ding, doch für einen Rallyefahrer wird so etwas teuer. Zum Knöllchen der Polizei über 25 Euro kam noch ein Strafzettel vom Veranstalter – über 275 Euro.

Die Erinnerungen an die Rallye 2018 sind da deutlich besser: Griebel erregte bei einem Gaststart in der Top-Kategorie der WRC-Autos Aufsehen und stürmte in einem DS3 auf Gesamtplatz acht. Kurz darauf kürte er sich auch noch zum deutschen Rallye-Meister und wurde ADAC-Motorsportler des Jahres. Mehr geht kaum.

In dieser Saison tritt er nun in der Rallye-Europameisterschaft (ERC) an, in der er 2016 und 2017 die Junior-Wertung gewann. Derzeit liegt er auf Platz sieben. Rang fünf am Sonntag bei der Barum-Rallye gibt Rückenwind. „Das war ein gutes Ergebnis – mit 30 Autos in unserer Kategorie ist diese Rallye eine der schwierigsten im EM-Kalender. Nun sind wir bereit für unseren Saison-Höhepunkt bei der Deutschland-Rallye.“

Nicht nur Griebel selbst fiebert übrigens dem Start entgegen. Die ganze Familie ist vom Rallye-Virus infiziert. Sein Vater war Beifahrer und Mechaniker, hilft auch jetzt immer noch aus. Schon mit sieben Jahren bekam der kleine Marijan sein erstes Motocross-Motorrad. „Wir hatten viel Wiese ums Haus, und mein Papa lief neben mir her“, erzählt Griebel. Doch weil es der Mutter zu gefährlich erschien, dass der Sohnemann richtige Rennen fährt, fing Griebel mit Trial (Geschicklichkeitsfahren) an. Auch darin war das Talent durchaus erfolgreich, schaffte es bis zur WM nach Japan.

 Mit 19 aber nahm er an einer Sichtung für Rallyefahrer teil – und war begeistert. Übrigens nicht nur er: Auch sein jüngerer Bruder Felix (27) ist vom Rallye-Virus befallen – und bei der Deutschland-Rallye am Start. Als Beifahrer des Lebachers Sebastian Schwinn kämpft er in einem VW Polo R5 in der WRC2-Klasse gegen seinen großen Bruder.

 Marijan Griebel  Foto: Carsten Müller
Marijan Griebel Foto: Carsten Müller Foto: Carsten Müller

Der startet 2019 bereits zum neunten Mal bei dieser Rallye – diesmal gemeinsam mit Co-Pilot Pirmin Winklhofer im brandneuen Skoda Fabia R5 evo. Im Gegensatz zu den Strecken ist das Auto für beide noch komplett unbekannt. Eigentlich wollte Griebel bereits am vergangenen Wochenende in Tschechien damit starten. Doch da war der Bolide noch nicht bereit. Nun muss er den Shakedown (quasi das letzte Training vor dem Start) am Donnerstagmorgen zum Kennenlernen nutzen. Der Zeitplan bis dahin ist voll. Streckenbesichtigung am Dienstag und Mittwoch. Am Donnerstag der Shakedown, eine Pressekonferenz – und dann geht es am Abend (19 Uhr) endlich los. Griebel fiebert dem Fallen der Startflagge bereits entgegen – auch wenn er am Sonntag wohl eher nicht vor dem Weltmeister im Ziel sein wird.