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Ski alpin
Dreßens Saison-Aus ist ein Schock für den Skiverband

Thomas Dreßen muss lange pausieren.
Thomas Dreßen muss lange pausieren. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Beaver Creek. Der deutsche Weltklasse-Abfahrer hat sich bei einem Sturz in den USA zwei Kreuzbänder gerissen und die Schulter ausgekugelt. Eine lange Reha steht an. dpa

Thomas Dreßen saß schon längst im Flugzeug nach Deutschland, als Alpinchef Wolfgang Maier über die ganze Tragweite des Ausfalls seines Kitzbühel-Siegers sprach. „Eine Saison wie letztes Jahr, das können wir jetzt nicht mehr wiederholen“, sagte der Sportvorstand des Deutschen Skiverbands (DSV): „Das ist schon fast wie ein Fluch, der auf dieser alpinen deutschen Mannschaft liegt. Das ist unglaublich, unfassbar.“ Kaum ein Saison-Aus hätte den DSV härter treffen können.


Als Dreßen in der Nacht zu Samstag vor Schmerzen schreiend am Fangzaun lag, war die Schwere der Verletzung bereits zu erahnen. Das vordere und hintere Kreuzband im rechten Knie gerissen, die linke Schulter ausgekugelt: Die Folgen seines bösen Sturzes bei der Abfahrt von Beaver Creek kosten den schnellsten deutschen Skirennfahrer den ganzen WM-Winter, der doch eigentlich erst begonnen hatte. Für den 25-Jährigen stehen nun Operationen und Reha statt Rennen und Siegerehrungen an – das ohnehin verletzungsgebeutelte deutsche Team muss den nächsten Ausfall eines Leistungsträgers verkraften.

Schon auf dem Weg nach Deutschland, wo nach weiteren Untersuchungen schnellstmöglich über Art und Weise der anstehenden Operation entschieden werden soll, schickte der Sympathieträger aus Bayern Grüße an seine Fans. „Shit happens“, postete Dreßen in den sozialen Netzwerken: „Aber ich halte meinen Kopf oben und komme zurück. Vielen Dank für eure Nachrichten und die Unterstützung. Das bedeutet mir sehr viel.“



Auf die viel- und vor allem erfolgversprechende Kombination mit Dreßen in den Speed- und Felix Neureuther in den Technik-Disziplinen muss der DSV auch in diesem Winter also verzichten. Neureuther fehlte nahezu die komplette vergangene Saison wegen eines Kreuzbandrisses und ist nun noch durch einen ärgerlichen gebrochenen Daumen ausgebremst. Wann er zurückkehrt, ist offen. Dreßen aber hat eine wohl noch langwierigere Reha vor sich, als sie der 34 Jahre alte Routinier in den vergangenen Monaten hinter sich gebracht hat. Denn beide Kreuzbänder sind gerissen, das hat wohl auch Folgen für den Meniskus. Und für Dreßen ist es die erste schwere Verletzung seiner Karriere. „Der Thomas ist ein super Bursch. In diesem Moment, da er sich verletzt hat, zeigt er sehr, sehr viel Größe“, sagte Herren-Cheftrainer Mathias Berthold: „Die mentale Einstellung wird ihm sicherlich helfen, über diese Verletzung hinwegzukommen.“

Für Berthold und seine Trainerkollegen geht es nun darum, nicht nur die eigene Enttäuschung zu verarbeiten, sondern auch den Rest des Speedteams wieder in die Spur zu bekommen. Denn nach dem guten 13. Platz von Josef Ferstl in der Abfahrt war im Super-G tags darauf Ferstls 30. Platz schon die beste Ausbeute. Alle anderen verpassten die Punkteränge deutlich. „Wenn du nur einen Punkt holst, ist das zu wenig. Das ist nur durch die Gesamtsituation zu entschuldigen“, sagte Maier.