| 21:08 Uhr

Junioren-Länderspiel
Talente sollen die Realität kennenlernen

Zum Trainingsabschluss im Sportzentrum Homburg-Erbach war die U16-Nationalmannschaft noch einmal im Lattenschießen gefragt. Alle Fehlschützen mussten danach zehn Liegestütze machen
Zum Trainingsabschluss im Sportzentrum Homburg-Erbach war die U16-Nationalmannschaft noch einmal im Lattenschießen gefragt. Alle Fehlschützen mussten danach zehn Liegestütze machen
Saarbrücken. Die deutsche U16-Nationalmannschaft bestreitet heute das erste von zwei Länderspielen gegen Belgien auf dem Kieselhumes. Von Heiko Lehmann

„Stuttgart kann‘s nicht, Hoffenheim auch nicht und Chelsea auch nicht. Trifft denn heute keiner mehr?“, kommentierte Christian Wück, der Trainer der deutschen U16-Fußballer, das Lattenschießen seiner Truppe zum Trainingsabschluss am gestrigen Dienstag im Sportzentrum Homburg-Erbach. „Ahhh, die Bayern können es“, rief Wück, als Torben Rhein vom FC Bayern München als einer der wenigen die Querlatte aus 16 Metern traf. Alle Fehlschützen mussten zehn Liegestütze machen.


Es ging lustig zu beim letzten Training vor dem heutigen Länderspiel um 16.30 Uhr im Stadion am Kieselhumes in Saarbrücken gegen Belgien. An diesem Freitag (17 Uhr) trifft das Team im Stadion Husterhöhe in Pirmasens erneut auf Belgien. Auch beim Torschuss aus 16 Metern hatten die stärksten deutschen Nachwuchsfußballer viel Spaß. „Wir wollen den Jungs Spaß am Fußball vermitteln. Es sind Spieler dabei, die trainieren in ihren Vereinen bis zu acht Mal pro Woche, das ist extrem viel. Der Nachwuchs in Liverpool trainiert zum Beispiel nur dreimal pro Woche“, sagte Wück.

Der 45-Jährige ist seit dem Jahr 2012 Trainer der deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften und sieht Deutschland unter Zugzwang. „Die Topnationen sind dabei, uns im Nachwuchsfußball den Rang abzulaufen. Wir müssen etwas ändern, und wir sind alle auch bereit dazu, etwas zu ändern“, so der 45-Jährige.



Die Straßenfußballer oder Bolzplatzspieler von früher gibt es heute kaum noch. In den Nachwuchsleistungszentren herrscht extreme Disziplin, und viel zu selten werden individuelle Fähigkeiten richtig gefördert. In der knapp bemessenen Freizeit der stärksten deutschen Nachwuchsfußballer steht die Spielekonsole fast immer an erster Stelle.

„Viele Spieler können die Tricks von der Playstation perfekt kopieren, aber in der Realität sind diese Tricks auf dem Platz nicht gefragt“, sagte Wück, der ein Umdenken in der Nachwuchsarbeit nicht erst seit dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland in diesem Jahr fordert. „Das wissen wir schon länger und wir sind auch auf dem Weg, Dinge zu ändern. Wir gewinnen 3:2 gegen Zypern und verlieren 2:3 gegen Österreich im Nachwuchs. Die anderen Nationen haben extrem aufgeholt. Auch gegen Belgien wird es sehr schwer. Die haben sehr gute Spieler in ihren Reihen.“

Neben all dem Spaß beim Training gibt es aber auch ernste Passagen. Wück denkt, dass Belgien heute erst im Mittelfeld pressen wird und den Deutschen den Spielaufbau in der eigenen Hälfte überlässt. Dementsprechend versuchte der Nachwuchs gestern im Training den Spielaufbau mit Torhüter und zwei Innenverteidigern, um danach im Mittelfeld personelles Gleichgewicht zu erzeugen.

Torhüter Philipp Schulze vom VfL Wolfsburg spielte den Ball beim Aufbau aus dem Strafraum heraus seinem Mitspieler direkt in den Fuß statt in den freien Raum. Wück unterbrach sofort. „Du musst aus dem Strafraum raus, wenn genug Platz ist, und du musst die Bälle in den Raum spielen, wenn der Platz da ist. So etwas müsst ihr verinnerlichen“, rief Wück allen zu. Ein außergewöhnlicher Spielaufbau, den es so auf der Spielekonsole nicht gibt.

Auch das Gefühl, wenn heute die Nationalhymne ertönt, kann man vor dem Bildschirm nicht lernen. „Für elf von den 22 Spielern wird es das erste Länderspiel und die erste Nationalhymne sein. Die Jungs sollen das Gefühl kennenlernen, aber auch das umsetzen, was wir trainiert haben. Ich bin gespannt, wie es wird“, so der Nationaltrainer.

500 Karten sind für das Länderspiel heute in Saarbrücken bereits verkauft. Karten gibt es ab 90 Minuten vor dem Anstoß noch an der Tageskasse zu kaufen.