| 20:17 Uhr

Frauenfußball-EM
Deutsche starten mit Nullnummer

Anja Mittag (unten, mit der Nummer 11) zählte schon 2013 zum siegreichen Aufgebot der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, die bei der EM in Schweden den Titel gewann. In diesem Jahr ist das Aufgebot deutlich verjüngt – doch Mittag ist immer noch unverzichtbar.
Anja Mittag (unten, mit der Nummer 11) zählte schon 2013 zum siegreichen Aufgebot der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, die bei der EM in Schweden den Titel gewann. In diesem Jahr ist das Aufgebot deutlich verjüngt – doch Mittag ist immer noch unverzichtbar. FOTO: Carmen Jaspersen / dpa
Sint-Michielsgestel. Die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft ist mit einem 0:0 gegen Schweden ins EM-Turnier gestartet. Dabei zeigte sich der Favorit zeitweise eher harmlos.

Da ist noch ordentlich Luft nach oben: Die deutschen Fußballerinnen haben zum Auftakt ihrer Mission EM-Titelverteidigung in den Niederlanden einen Stotterstart hingelegt. Beim EM-Debüt von Steffi Jones als Bundestrainerin kam der runderneuerte Rekord-Europameister gestern Abend im umkämpften Klassiker gegen Schweden nicht über ein 0:0 hinaus.



Gegen die defensiv kompakten Skandinavierinnen fanden die Olympiasiegerinnen im Rat-Verlegh-Stadion von Breda kein Durchkommen – für den neunten EM-Titel muss sich Dauersieger Deutschland im Offensivspiel deutlich steigern. In der Neuauflage des Olympiafinales von Rio (2:1) riss durch das Remis zudem die bereits seit 1995 andauernde Pflichtspiel-Siegesserie der DFB-Auswahl gegen Lieblingsgegner Schweden.

Im Vergleich zur Generalprobe gegen Brasilien knapp zwei Wochen zuvor (3:1) veränderte Jones ihre Anfangsformation im 4-4-2 mit Mittelfeldraute auf zwei Positionen. Anja Mittag und Josephine Henning rückten für Hasret Kayikci und Linda Dallmann in die Startelf. Kristin Demann zog Jones für Henning aus der Innenverteidigung vor ins defensiven Mittelfeld, Sara Däbritz rückte auf die rechte Seite der Raute. Schweden-Expertin Mittag stürmte an der Seite von Svenja Huth.

Die Umstellungen taten dem deutschen Spiel in der Anfangsphase nicht gut. Die DFB-Auswahl agierte nervöser als die erfahrenen und eingespielten Schwedinnen. Vor den Augen ihrer Vorgängerin Silvia Neid, die das Turnier als Scout begleitet, stand Jones die erste Hälfte fast durchgehend am Rande der Coachingzone und gab Kommandos.

Es wirkte: Nach 20 Minuten fand Deutschland besser ins Spiel, das Aufbauspiel wurde stabiler. Doch gefährliche Abschlüsse gelangen dem im ersten Durchgang gegen die aufmerksame Schweden-Abwehr um die starke Wolfsburger Bundesliga-Legionärin Nilla Fischer nicht. Noch vor der Pause dann der erste Rückschlag: In der 39. Minute kam Bundesliga-Torschützenkönigin Mandy Islacker für die am hinteren linken Oberschenkel verletzte Huth in die Partie – erneut verlor die DFB-Auswahl den Faden.



Gleich nach Wiederanpfiff dann die erste Chance für Deutschland durch den Edel-Joker: Nach Flanke von Anna Blässe kam die heranrauschende Islacker unmittelbar vor dem Tor aber nicht an den Ball (48.). Der Titelverteidiger hatte nun mehr Ballbesitz, musste aber immer auf Konter der schnellen schwedischen Offensivkräfte gefasst sein.

In der Schlussphase nahm die Partie Fahrt auf. Erneut Islacker (65.) verfehlte das Tor nach Flanke von Newcomerin Carolin Simon nur um Haaresbreite. Auf der Gegenseite parierte DFB-Torhüterin Almuth Schult stark im Eins-gegen-Eins mit Stina Blackstenius (71.), die nach ihrer Einwechslung die Offensive des Europameisters von 1984 belebte. In der 83. Minute scheiterte erneut Islacker nach starkem Pass von Kapitänin Dzsenifer Marozsan an Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl.

In den weiteren Partien der Gruppe B treffen die Deutschen am kommenden Freitag in Tilburg auf Italien (20.45 Uhr/ARD) sowie am 25. Juli (20.45 Uhr/ZDF) in Utrecht auf Russland. In beiden Duellen ist die DFB-Auswahl haushoher Favorit. Die Russinnen hatten gestern ihr Auftaktspiel in der deutschen EM-Gruppe B gewonnen. In Rotterdam setzte sich der Weltranglisten-25. mit 2:1 (2:0) gegen Italien durch und feierte bei der fünften EM-Teilnahme seinen ersten Sieg bei einer Endrunde. Jelena Danilowa (9.) per Distanzschuss und Jelena Morosowa (26.) nach einer Ecke brachten die Russinnen früh auf Siegkurs. Italiens Ilaria Mauro (88.) schoss das späte 1:2.