| 21:05 Uhr

Abstieg oder Finalturnier?
Brisantes Duell beim Erzrivalen

Amsterdam. Der Abstieg droht: Vor dem Nations-League-Spiel in den Niederlanden stehen Bundestrainer Löw und sein Team unter Druck. sid

Joachim Löw eilte an den großen Sonnenblumen vor dem Eingang des Hotels Q/O vorbei, auch auf seinen geliebten Espresso an der Bar verzichtete er. Vor dem brisanten Nations-League-Duell mit dem Erzrivalen Niederlande hatte der leicht angespannt wirkende Bundestrainer nach der verspäteten Ankunft in Amsterdam keine Zeit mehr zu verlieren. Löw und seine bei der WM krachend gescheiterte Mannschaft stehen an diesem Samstag (20.45 Uhr/ZDF) in der Amsterdamer Johan-Cruyff-Arena massiv unter Druck.


„Man will nicht absteigen, man will seine Position behaupten“, sagte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff vor dem 41. Prestigeduell mit dem Nachbarn. Bei einer Niederlage drohen dem Weltmeister von 2014 der Sturz in die europäische Zweitklassigkeit und stärkere Gegner in der Qualifikation für die EM 2020. Beim ersten Erfolg in den Niederlanden seit 22 Jahren könnte Löw hingegen den Neuaufbau nach dem WM-Debakel in Russland deutlich entspannter vorantreiben. Die Statistik ist aber gut: Seit 16 Jahren hat Deutschland nicht mehr gegen die Niederlande verloren. In fünf Spielen seit dem 1:3 im November 2002 gewann die DFB-Elf zweimal, dreimal gab es keinen Sieger.

Die Spieler um die schwächelnden Bayern-Stars demonstrierten vor dem wegweisenden Duell Lockerheit. „Für uns ist es eine weitere Möglichkeit, einen Schritt zu machen zu alter Stärke“, sagte Spielgestalter Toni Kroos und gab die Richtung auch fürs Spiel am Dienstag in Frankreich in St. Denis (20.45 Uhr/ZDF) vor: „Wir sind ja keine Gurkentruppe und streben sechs Punkte an.“



Mit der Idealausbeute würde sogar der Gruppensieg und die Teilnahme am Finalturnier der Nations League 2019 winken. Der Gruppenletzte steigt allerdings in die Division B ab. „Man darf sich nichts erlauben. Schon nach einer Niederlage hat man nicht mehr in der Hand, was passiert“, warnte Löw-Assistent Marcus Sorg. Frankreich führt die Tabelle mit vier Punkten an, dahinter folgen das DFB-Team (1) und die Niederländer (0), die jeweils ein Spiel weniger ausgetragen haben.

Als Vereinstrainer habe er Abstiegskampf schon einmal mitgemacht, stellte der leicht erkältete Löw schmunzelnd fest. Die Voraussetzungen könnten für den 58-Jährigen aber besser sein. Angeführt von Marco Reus und Ilkay Gündogan fallen gleich sieben Spieler aus. Zudem schwächeln die Bayern-Profis um Kapitän Manuel Neuer und Thomas Müller. Hinzu kommt eine Torflaute. In den vergangenen elf Länderspielen erzielte der viermalige Weltmeister lediglich zehn Treffer. Von Debütant Mark Uth, der in zehn Pflichtspielen für Schalke 04 in dieser Saison überhaupt noch nicht getroffen hat, sind keine Wunderdinge zu erwarten.

Diese vollbrachten auch die Niederländer in der jüngeren Vergangenheit nicht. Der Europameister von 1988 verpasste die EM 2016 und die WM 2018. Im Februar hat Ronald Koeman als neuer Bondscoach übernommen. Erste Erfolge seiner Arbeit wurden zuletzt sichtbar. „Die Niederländer sind wieder auf dem Weg nach oben. Sie spielen einen sehr schnellen und gepflegten Fußball. Es sieht so aus, als hätten sie die Durststrecke überwunden“, sagte Löw – und hofft, dass das auch für sein Team schnell wieder gilt.