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Handball-WM
Deutschen winkt Traumreise nach Hamburg

 Der überragende Steffen Fäth jubelt über einen Treffer im ersten Hauptrundenspiel gegen Island.
Der überragende Steffen Fäth jubelt über einen Treffer im ersten Hauptrundenspiel gegen Island. FOTO: dpa / Marius Becker
Köln. Nach dem 24:19 gegen Island trifft die Handball-Nationalmannschaft auf Kroatien. Ein Sieg würde sie sicher ins Halbfinale bringen. Von dpa

Sauna, Video oder Brettspiel in der Hotel-Lounge: Vor dem WM-Schlüsselspiel um das Halbfinal-Ticket gegen Kroatien ließen es die von einer Euphoriewelle getragenen deutschen Handballer ganz ruhig angehen. Einer besonderen Motivation für den Showdown mit dem EM-Fünften am heutigen Montag (20.30 Uhr/ZDF) bedurfte es ohnehin nicht. „Wir haben uns das alle erträumt, dass es zu so einem Spiel kommt, wo sich sehr viel entscheidet“, sagte Bundestrainer Christian Prokop am gestrigen Sonntag. „Auf das Spiel freuen wir uns riesig.“


Nach dem emotionalen Traumstart in die WM-Hauptrunde beim 24:19 gegen Island schalteten seine Schützlinge sofort wieder in den Turniermodus. Ein Sieg gegen Kroatien würde die DHB-Auswahl sicher nach Hamburg bringen, wo am kommenden Freitag die Vorschlussrunde steigt. „Das ist für beide Mannschaften ein entscheidendes Spiel, wie die WM weitergeht“, sagte Prokop.

Der Bundestrainer hakte den souveränen Auftritt gegen Island deshalb ganz schnell ab: „Es war ein fantastischer Einstieg. Für uns war extrem wichtig, dass wir die zwei Punkte haben. Es ging uns nur um diesen Sieg. Das hat die Mannschaft ganz geduldig und souverän geschafft.“



Nach dem gelungenen Hauptrundenauftakt und der gestrigen kroatischen Niederlage gegen Brasilien ist klar: Gelingt ein Erfolg gegen die Kroaten, wäre der Weg nach Hamburg frei. „Wir werden gewinnen“, versprach Abwehrhüne Finn Lemke. Dann könnte sich die DHB-Auswahl im letzten Hauptrundenspiel gegen Spanien sogar eine Niederlage leisten.

Im deutschen Teamhotel am Rheinufer mit Blick auf den Kölner Dom blendete man solche Gedankenspiele aus. „Entscheidend ist, was wir auf der Platte machen“, sagte Prokop. Zumal allen bewusst ist: Jetzt kommt der wohl härteste Brocken. „Kroatien kommt über Emotionen und eine aggressive Abwehr. Und sie haben Spieler mit Weltklasseformat wie Duvnjak oder Cindric in ihren Reihen. Da müssen wir uns in Topform präsentieren und emotional gegenhalten“, forderte Prokop.

Mit Unterstützung des fantastischen Publikums soll dies gelingen. „Schon beim Einlaufen war das wieder ein richtig geiles Gefühl. Es gibt gar keine Superlative mehr, die ich nennen kann“, sagte Kapitän Uwe Gensheimer zur überragenden Atmosphäre gegen Island in der brodelnden und mit 19 250 Zuschauern randvoll gefüllten Kölner Arena.

So geriet die Partie am Samstagabend zur besten Einstimmung auf das bevorstehende Highlight gegen Kroatien. Insbesondere in der Defensive bot die deutsche Mannschaft, in der Europameister Kai Häfner den WM-Neuling Franz Semper ersetzte, eine überragende Vorstellung. „Wir müssen es hinkriegen, wieder eine gute Abwehr zu stellen und möglichst wenig Gegentore zu bekommen. Wenn wir das schaffen, haben wir eine richtig gute Chance“, sagte Rückraumspieler Paul Drux.

Vor allem Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Finn Lemke ließen die isländische Offensive teilweise verzweifeln. Von Prokop gab es ein Sonderlob für das Trio: „Sie geben in der Abwehr die Kommandos, sind das Herzstück, die aggressiven Leader.“ In der Offensive kam ein gut aufgelegter Fäth hinzu, der mit sechs Toren bester deutscher Werfer war. „Ich bin froh, dass es so gut geklappt hat und ich der Mannschaft helfen konnte. Die Jungs haben mich aber auch in gute Wurfpositionen gebracht“, meinte der Rückraumschütze vom Pokalsieger Rhein-Neckar Löwen bescheiden. Nicht ganz so nüchtern bewertete der Bundestrainer den Auftritt des 28-Jährigen: „Bei Steffen ist es fantastisch gelaufen. Da war ein Tor schöner als das andere“, sagte Prokop: „Er hat eine sehr positive Entwicklung genommen und gezeigt, wie wertvoll er für uns ist.“

Personell kann der 40-Jährige am Montag aus dem Vollen schöpfen, nachdem Steffen Weinhold seine Zerrung im Adduktorenbereich auskuriert hat. Prokop geht daher mit einem guten Gefühl in die Partie. „Wir haben bisher eine richtig gute WM gespielt“, sagte er. „Die Mannschaft hat einen richtig guten Spirit entwickelt.“