| 21:14 Uhr

3. Handball-Liga Süd
Derbys, Rivalitäten und volle Hallen

Für Danijel Grgic (Mitte), den Trainer des Drittliga-Aufsteigers VTZ Saarpfalz, werden in der neuen Runde vor allem die Duelle mit seinem früheren Verein HG Saarlouis echte Höhepunkte.
Für Danijel Grgic (Mitte), den Trainer des Drittliga-Aufsteigers VTZ Saarpfalz, werden in der neuen Runde vor allem die Duelle mit seinem früheren Verein HG Saarlouis echte Höhepunkte. FOTO: Martin Wittenmeier
Saarlouis. Der Abstieg aus der 2. Liga war für die HG Saarlouis eine einzige Enttäuschung. Doch die 3. Liga Süd hat ihre Reize. Von Sebastian Zenner

Für das Saarland ist die 3. Liga Süd in der kommenden Saison die höchste Handball-Spielklasse. Mit dem Zweitliga-Absteiger HG Saarlouis und dem Aufsteiger VTZ Saarpfalz sind hier gleich zwei Vereine aus dem Handballverband Saar vertreten. Hinzu kommt der TV Willstätt mit dem saarländischen Trainer Marcus Simowski und der TuS Dansenberg mit dem saarländischen Talent Marc-Robin Eisel.


Die Trainer Philipp Kessler von der HG Saarlouis, Danijel Ggric von der VTZ und der Völklinger Simows­ki sind sich einig darin, dass es sich um die stärkste 3. Liga aller vier Staffeln handelt. Wenn Saarlouis (9. Juli) und die VTZ (12. Juli) in die Vorbereitung starten, ist der TV Willstätt längst mittendrin. „Unsere Oberliga-Runde ist ja schon seit Anfang Mai beendet. Wir werden ab jetzt vier Wochen trainieren und dann noch mal eine kleine Pause einlegen“, erläutert Simowski.

„Simmi“ durfte den kompletten Neuanfang des Aufsteigers als Trainer mitgestalten – mit Erfolg. „Dafür haben wir die Zeit in der vergangenen Saison auch gebraucht. Dieses Jahr können wir sie für mehr Feinschliff nutzen“, sagt Simowski. Die Kaderplanung sei noch nicht abgeschlossen, aber das Saisonziel steht schon fest: „‚Eine entspannte Runde spielen und in der 3. Liga etablieren. Dann schauen wir mal, wohin die Reise von Vereinsseite aus hingeht“, sagt Simowski, der zu den Trainingseinheiten und Spielen weiterhin anreist, also weiter im Saarland wohnt. „Das hat sich gut eingespielt, weil wir ein sehr gut funktionierendes Team haben“, erklärt Simowski. Trotzdem freut er sich auf die Auswärtsspiele vor seiner Haustür.

Philipp Kessler hat den Spielermarkt der 3. Ligen sondiert und sich insbesondere mit der Süd-, Ost- und West-Staffel der abgelaufenen Spielzeit beschäftigt. „Die Spielstärke ist in der Süd-Staffel am höchsten und das Leistungsgefälle am geringsten“, findet der Sportlehrer und angehende A-Lizenztrainer: „Es sind auch einige Vereine dabei, die sehr vernünftig aufgerüstet haben.“ Bei Mit-Absteiger HSG Konstanz bleibt nahezu der gesamte Zweitliga-Kader zusammen. „Das ist für die 3. Liga schon ein Pfund“, sagt Kessler. Hinzu komme der SV Salamander Kornwestheim, der als Aufsteiger dieses Jahr Meister wurde, aber nicht in die 2. Bundesliga aufsteigen wollte, oder die Reserveteams der Rhein Neckar Löwen und der HBW Balingen-Weilstetten. „Oder der TuS Dansenberg, der mal eben den früheren Bundesliga-Torwart Kevin Klier verpflichtete“, merkt Kessler an.

Die HG kommt hingegen gebeutelt aus einer Saison, in der sie kein Selbstvertrauen sammeln konnte und nach der sie sechs Spieler der „ersten Sieben“ ersetzen muss – und damit im Rückraum und in der Abwehr quasi bei Null anfängt. Trotzdem wird Saarlouis als Kandidat für den Wiederaufstieg wahrgenommen, was auch daran liegt, dass Kreisläufer Peter Walz bei seiner Vertragsverlängerung deutlich machte, um den Aufstieg mitspielen zu wollen.



Trainer Kessler hält dies für „utopisch. Wir sagen die ganze Zeit schon, dass wir mit Demut und Respekt in diese Liga gehen. Der Kader steht noch nicht komplett, aber der direkte Wiederaufstieg kann nicht unser Ziel sein“, sagt Kessler. Gerade, weil die Mehrzahl der Konkurrenten eingespielt sei. Der HG soll es vielmehr nicht so ergehen wie einem Zweitliga-Absteiger von 2017: „Der TV Neuhausen wollte direkt wieder hoch und wurde stattdessen bis in die Oberliga durchgereicht. Dabei hatten die eine namhaft besetzte Mannschaft“, findet Kessler.

Aufsteiger VTZ Saarpfalz hat derlei Sorgen nicht – und eine eingespielte Mannschaft. Mit Tom Paetow haben die Zweibrücker zudem eine Verstärkung aus Saarlouis verpflichtet. „Wir wollen die Saison genießen und wenn möglich den Klassenverbleib schaffen. Alles andere ist nicht realistisch“, sagt Paetows Stiefvater, der VTZ-Trainer Danijel Grgic: „Uns war wichtig, dass das Gerüst aus den Jungs, die den Aufstieg geschafft haben, bestehen bleibt. Wir suchen jetzt noch nach gezielten Verstärkungen, nicht nach Ergänzungsspielern. Das dauert, weil immer das Gesamtpaket passen muss.“

Auf das Derby-Paket freut sich der langjährige Spielmacher der HG Saarlouis und frühere Bundesligaspieler der SG Willstätt-Schutterwald ganz besonders. „Diese Spiele werden für mich sehr speziell – vor allem das in Saarlouis. Aber wir freuen uns auch auf das Heimspiel, weil wir da – wie in alten Regionalliga-Zeiten – wieder eine volle Halle haben werden“, sagt Grgic.

Kurze Wege, volle Hallen und wahrscheinlich bessere Ergebnisse als in der 2. Liga – vielleicht ist es für den Saar-Handball gar nicht so schlecht, dass die 3. Liga Süd vorerst die höchste Spielklasse mit saarländischer Beteiligung ist.

Philipp Kessler erlebte bei der HG Saarlouis zuletzt nur Enttäuschungen.
Philipp Kessler erlebte bei der HG Saarlouis zuletzt nur Enttäuschungen. FOTO: Ruppenthal
Marcus Simows­ki freut sich auf Derbys vor der Haustür.
Marcus Simows­ki freut sich auf Derbys vor der Haustür. FOTO: Christian Wulf