Der Zar von Neuchatel

Neuchatel. Er ist der Buhmann des Schweizer Fußballs: Bulat Tschagajew. Im Mai 2011 kaufte der Tschetschene 69,5 Prozent der Aktien des Schweizer Erstligisten Xamax Neuchatel - der Beginn eines einmaligen Theaters. Das Ziel sei ab sofort die Champions League, ließ Tschagajew wissen. Neue Stars wie Claudio Pizarro, Pablo Aimar und David Trezeguet sollten kommen

Neuchatel. Er ist der Buhmann des Schweizer Fußballs: Bulat Tschagajew. Im Mai 2011 kaufte der Tschetschene 69,5 Prozent der Aktien des Schweizer Erstligisten Xamax Neuchatel - der Beginn eines einmaligen Theaters. Das Ziel sei ab sofort die Champions League, ließ Tschagajew wissen. Neue Stars wie Claudio Pizarro, Pablo Aimar und David Trezeguet sollten kommen. Geld? Kein Problem! Der neue Besitzer versprach Millionen. Heute steht der Klub vor einem Scherbenhaufen. Am Mittwoch entzog der Verband Xamax die Lizenz, wogegen der Klub binnen fünf Tagen Widerspruch einlegen kann. Aber auch der Konkurs steht nach Aussage von Heinrich Schifferle, Präsident der Swiss Football League (SFL), kurz bevor. 120 Gläubiger mit offenen Forderungen von über acht Millionen Franken (knapp 6,5 Millionen Euro) können nicht bedient werden. Tschagajew juckte das bislang scheinbar wenig. Oder ist er einfach nur ein guter Schauspieler? Bühnenreif sind die Auftritte des Tschetschenen allemal. Legendär seine spektakuläre Kabinen-Show in der Halbzeit des Pokalfinals. 0:2 lag sein "Spielzeug" hinten. Tschagajew stürmte in die Kabine und bedrohte die Spieler ("I will kill you all", "Ich werde euch alle töten"). Das Finale ging trotz dieser Motivationsrede verloren. Es war das Aus für Trainer Bernard Challandes, nach zwei Wochen. In nur acht Monaten entließ Tschagajew vier Trainer.Tschagajew bezeichnet sich selbst als Unternehmer. Wie genau er seine Millionen verdient hat, darüber gibt er keine Auskunft. Und die Zweifel mehren sich, ob er überhaupt Geld hat. So musste der Tschetschene auf Druck des Gerichts und der SFL Banknachweise über sein Vermögen vorlegen. Die Bank of America bescheinigte Tschagajew ein Konto mit 35 Millionen Dollar - scheinbar. Denn schnell wurden die Nachweise als billige Fälschungen entlarvt. Eine Garantie wurde von "Thomas Milller" unterzeichnet, geschrieben mit drei "L". In den Kantonen Genf und Neuenburg wird nun gegen Tschagajew wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung, versuchten Betrug, ungetreue Geschäftsführung und Geldwäscherei ermittelt. Nachfaragen wiegelt der große Macher gekonnt ab: "Tschagajew möchte euch etwas mitteilen: Fuck you!", sagte er zuletzt. Großes Kino in der Schweizer Super League. Inzwischen scheint ein echter Horror-Streifen daraus zu werden. Ein Happy End scheint ausgeschlossen. dapd

"Tschagajew möchte euch etwas mitteilen: Fuck you!"

Xamax-Boss

Bulat Tschagajew

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